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Jules Verne Trophy : Aus für die Jagd auf den Weltrekord

Das Wetter spielte nicht mit: Die „Spindrift 2“ muss den Weltrekordversuch abbrechen. Bild: AFP

„Das Wetter hat unser Schicksal besiegelt“: Beide Boote müssen den Kampf um die schnellste Nonstop-Weltumseglung vorzeitig aufgeben. Nun haben die Crews im Atlantik nur noch ein Ziel.

          In Jules Vernes Roman „Reise um die Erde in 80 Tagen“ will Phileas Fogg schon aufgeben, als er erkennt, dass er glaubt, seine Wette nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit gewinnen zu können. Doch durch die Überschreitung der Datumsgrenze gewinnt er plötzlich einen ganzen Tag – und ist schließlich drei Sekunden vor Ablauf der Frist zurück an seinem Ausgangspunkt. Die Geschichte spielt um 1870, damals reiste man noch langsamer als heutzutage.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Doch das Buch und sein Autor galten 1990 als Inspiration und Namensgeber für die „Jules Verne Trophy“ für die schnellste Nonstop-Weltumseglung – nur mit der Kraft des Windes und der Crew. 80 Tage brauchen die Boote schon lange nicht mehr. Der Rekord steht seit 2012 bei genau 45 Tage, 13 Stunden, 42 Minuten, 53 Sekunden, aufgestellt von Loïck Peyron mit der „Banque Populaire“.

          Am 22. November 2015 starteten gleich zwei Trimarane von Ouessant, einer Insel vor Frankreich, aus, um den Weltrekord zu knacken. Dona Bertarelli kaufte das Boot, mit dem Peyron 2012 den Rekord aufstellte – und schickte mit der „Spindrift 2“ den größten Trimaran der Welt mit einer Crew von 14 Personen ins Rennen. Auf der „Idec“ sind nur sechs Segler an Bord, darunter der deutsche Navigator Boris Herrmann. Bis zum Nachmittag des 6. Januar müssten sie zurück am Ausgangspunkt sein, um die Bestmarke zu knacken.

          Nun ist der Traum für beide Boote vorzeitig beendet. Am Sonntagmorgen gaben sie bekannt, dass sie den Versuch vorzeitig abbrechen. Die „Spindrift“ lag 2600 Meilen vor dem Ziel im Nordatlantik. Doch die Ausweitung des Azoren-Hochs und ein bevorstehendes Sturmtief ließen die Crew erkennen, dass es unmöglich ist, innerhalb der nötigen Zeit ins Ziel zu kommen. „Wir müssten einen Umweg von tausend Meilen segeln“, teilte Skipper Yann Guichard mit. „Wir haben gekämpft, aber das Wetter hat unser Schicksal besiegelt.“

          So ruhig und beschaulich ist es nicht immer auf dem Weg durch die Weltmeere. Bilderstrecke

          Dabei hatte der 40 Meter lange Trimaran nach dem Passieren von Kap Hoorn an der Spitze Südamerikas noch einen Vorsprung von rund 500 Meilen auf die Bestmarke von 2012. Doch im eisigen Südatlantik erschwerten eine Flaute und ungünstige Winde das Vorankommen – der Rückstand wuchs immer mehr an, auch wenn das Boot zuletzt wieder aufholen konnte. In nur drei Tagen hatte die Crew den Rückstand um stolze 700 Meilen reduzieren können.

          Doch die Wetterprognosen waren für die nächsten Tage einfach zu ungünstig. Womöglich wäre die Crew auch bei den Bedingungen in Gefahr geraten. „Es war ein wundervolles Abenteuer und wird es bleiben“, sagte Ko-Skipperin Dona Bertarelli. Ihr Lebensgefährte Yann Guichard blickte schon nach vorne: „Wir werden einen weiteren Versuch unternehmen, die Jules Verne Trophy zu gewinnen.“

          Die „Idec“, die kurz vor der „Spindrift“ im November von Frankreich aus auf die große Reise gestartet war, lag noch weiter zurück. „Wir bedauern nichts“, ließ Skipper Francis Joyon zu Beginn des 43. Tags auf den Weltmeeren ausrichten. Nun wollen beide Crews nur noch eines: Sicher ins Ziel kommen – egal in welcher Zeit. Denn die Bedingungen lassen keine gemütliche Heimfahrt erahnen. Wetterexperten prognostizieren in den nächsten Tagen „chaotische Zustände“. Schon am Samstag gab es starke Böen in diesem Gebiet.

          „Die Sicherheit für Mannschaft und Boot steht an erster Stelle. Wenn wir langsamer segeln müssen, um Schlimmeres zu vermeiden, dann werden wird Vorsicht walten lassen“, teilte „Spindrift“-Skipper Guichard mit. Dass der Rekord der „Banque Populaire“ weiter Bestand hat, ist übrigens keine extreme Überraschung. Zwar hatten beide Boote gute Voraussetzungen, doch acht erreichten Weltrekorden stehen nun 18 gescheiterte Versuche gegenüber. Einmal um die Welt, das hört sich so leicht an, ist aber doch so schwer – ob nun in 80 oder 45 Tagen.

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