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Jules Verne Trophy : „Und jetzt ein Toastbrot mit Marmelade“

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Ohne Weltrekord, aber sicher wieder im Ziel: Segler Boris Herrmann. Bild: Boris Herrmann Racing

Zwei Boote jagen über die Meere, um den Rekord für die schnellste Nonstop-Weltumseglung zu knacken. Sie scheitern knapp. Nun sind sie zurück – und berichten von ihrem beeindruckenden Erlebnis.

          Schon am vergangenen Wochenende war klar, dass die Jagd nach dem Weltrekord für die schnellste Nonstop-Weltumseglung nicht geknackt würde. Das Azoren-Hoch und ein drohendes Unwetter auf dem Weg zur Ziellinie zwischen Frankreich und Großbritannien hatte den beiden Teilnehmern der „Jules Verne Trophy“ alle Chancen auf die Bestmarke genommen. Danach gab es nur noch ein Ziel: sicher zurück an Land kommen durch den wilden Atlantik.

          Bis zum vergangenen Mittwoch, 16.45 Uhr MEZ, hätte die kleinere „Idec“ mit einer Sechs-Mann-Crew, darunter der deutsche Navigator Boris Herrmann, ankommen müssen, die „Spindrift 2“ mit ihrer 14-köpfigen Besetzung des 40-Meter-Trimarans, hätte wegen des etwas späteren Starts bis 18.57 Uhr Zeit gehabt, um den Weltrekord, der 2012 von der „Banque Populaire“ in 45 Tage, 13 Stunden, 42 Minuten, 53 Sekunden aufgestellt wurde, zu unterbieten.

          Nun sind beide Boote wieder im Ziel – rund zwei Tage nach der erhofften Ankunft. Die „Idec“ brauchte 47 Tage, 14 Stunden, 47 Minuten und 38 Sekunden, die „Spindrift“ nur 47 Tage, 10 Stunden, 59 Minuten und 2 Sekunden. Damit liegen beide immerhin unter der Zeit der „Groupama 3“, die bis 2012 den Rekord hielt (48 Tage, 7 Stunden, 44 Minuten und 52 Sekunden).

          Der Hamburger Segler Herrmann zog trotz der verpassten Bestmarke ein positives Fazit. „Für mich bleibt dieser Rekordversuch rundum ein Erfolg“, ließ er schon vom Boot auf den abschließenden Meilen auf dem Meer mitteilen. „Es war eine lange Zeit ein sehr kalter Kampf mit goldenen Momenten zwischen Himmel und See, wenn das Boot in einer glitzernden Schaumwolke mit unbeschreiblichen 90 km/h über die Weite des Ozeans prescht, tausende Kilometer vom Land und jeder vermeintlichen Rettung entfernt.“

          Das Wetter spielte nicht mit: Die „Spindrift 2“ muss den Weltrekordversuch abbrechen. Bilderstrecke

          Die Zeit seit dem 22. November, die beide Besatzungen bei schwierigen Bedingungen auf den Weltmeeren auf ihrem Weg vorbei am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, Kap Leeuwin in Australien und Kap Hoorn in Chile verbrachten, zerrte an Nerven und Körpern. „Die Erschöpfung und Anstrengung sind unbeschreiblich und sitzt allen an Bord tief in den Knochen“, sagte Herrmann. Gerade auf der „Idec“ brauchte die Crew mit der kleinen Besetzung einen aufreibenden Schichtdienst. Mehr als drei Stunden Schlaf am Stück waren kaum möglich.

          Dabei hatte zwischenzeitlich alles gut ausgesehen. Den Indischen Ozean durchquerte der kleinere der beiden Trimarane in der zweiten Dezember-Woche in 6 Tagen, 23 Stunden und 4 Minuten so zügig wie niemals ein Boot zuvor. Danach aber spielte das Wetter nicht mit – oder wie Herrmann es ausdrückte. „Wir sind ein Stück weit in Gotteshand – oder Spielball einer großen Lotterie.“

          Und es gab schließlich auch sehr schwere Momente an Bord, wie Herrmann berichtet: „Weihnachten hat mich das Essen so angeekelt bei dem Gedanken an die Familienfeier zuhause, dass ich kurz Tränen in den Augen hatte.“ Seltene Naturschauspiele bescherten den Weltumseglern aber auch unvergessliche Momente, etwa als sie im Südatlantik einen 700 Meter breiten Eisberg passierten. Und worauf freut sich der gebürtige Oldenburger nun am meisten? „Auf ein Toastbrot mit Marmelade zum Beispiel.“

          Die „Spindrift 2“ um Milliardärin Dona Bertarelli und ihren Lebensgefährten und Skipper Yann Guichard kündigte schon an, es noch einmal versuchen zu wollen. Und die „Idec“ um Herrmann? „Als wir schon wussten, dass es diesmal nicht klappen würde, haben wir am Äquator schon lebhaft über Verbesserungspotential diskutiert.“ Das klingt trotz aller Strapazen nach einer Motivation. Schließlich weiß er auch: „Für einen Rekord braucht es meist drei Versuche.“ Wohl wahr: Acht neuen Rekorden stehen nun 18 gescheiterte Versuche gegenüber.

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