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Zukunft des America’s Cup : „Die Yachten fliegen die meiste Zeit“

Zwei Foils – aber nur ein Rumpf: Die Computer-Simulation zeigt, wie die AC75-Yachten beim nächsten America’s Cup über das Wasser fliegen sollen. Bild: dpa

Physiker Martin Fischer heißt in der Segel-Branche auch „Flügel-Papst“. Im Interview spricht er über das Entwicklungsrennen vor dem America’s Cup, das zunehmende Tempo und die Bedeutung von Wetter und Wellen.

          Die Zeit rennt. Zwar findet der 36. America’s Cup erst im Sommer 2021 in Neuseeland statt – doch die Meldefrist für die berühmteste Segel-Regatta der Welt läuft bereits Ende des Monats ab. Für eine Gebühr von insgesamt vier Millionen Dollar können sich interessierte Syndikate für die Jagd auf das Team New Zealand, das die prestigeträchtigste Silberkanne des Segelsports im vergangenen Jahr auf Bermuda souverän gewonnen hat, anmelden. Bislang haben sich nur drei Herausforderer gefunden, die gegen Superstar Peter Burling und seine Crew antreten wollen. Einer der Herausforderer ist das italienische Team Luna Rossa des Modezars Patrizio Bertelli, dessen Yacht maßgeblich von Martin Fischer mitentwickelt wird. Der studierte Physiker und Spezialist für Strömungslehre aus Celle gilt in der Segel-Branche als „Flügel-Papst“. Fischer lebt und arbeitet bereits seit 18 Jahren in Neukaledonien – einer zu Frankreich gehörenden Inselgruppe etwa 1500 Kilometer nordöstlich von Australien.

          Herr Fischer, Sie haben einmal gesagt, der America’s Cup sei der „Mount Everest des Segelns“. Boris Herrmann, der in dieser Woche die Transatlantik-Regatta Route du Rhum als Fünfter beendet hat, widerspricht Ihnen. Für ihn ist die Vendée Globe, an der er 2020 als erster Deutscher teilnehmen will und die nonstop einmal um die Welt führt, der absolute Gipfel. Wer hat denn nun recht?

          Das Abenteuer ist im America’s Cup natürlich begrenzt, da hat Boris Herrmann schon recht. Dort segelt man ja lediglich in einer Bucht um ein paar Bojen herum. Aber was Entwicklung und Herangehensweise betrifft, ist der America’s Cup anders als alles andere, was es im Segeln gibt. Es ja ist auch längst nicht mehr nur ein Segelwettbewerb, sondern ein Wettkampf in Bezug auf Management, Technologie und Innovation. Der nächste Cup findet 2021 in Neuseeland statt – die Regatta ist aber schon längst gestartet. Eine Kampagne dauert mittlerweile gut Jahre und kostet mehr als 100 Millionen Euro. Das kann man mit anderen Regatten nicht vergleichen.

          Was gibt es – außer dem finanziellen Aufwand – noch für wesentliche Unterschied zur Vendée Globe?

          Die Vendée Globe kann bis zu drei Monate dauern, da werden den Teilnehmern, die allein auf den Yachten segeln, psychisch und physisch ganz andere Dinge abverlangt. Sie müssen vor allem ihre Kräfte richtig einteilen, mit den extremsten Wetterbedingungen klarkommen und eine langfristige Strategie entwickeln. Im America’s Cup kommt es darauf an, dass die Crew perfekt aufeinander abgestimmt ist. Die Rennen dauern dort oft nur zwanzig Minuten, da muss jeder Handgriff bis ins letzte Detail sitzen.

          Derzeit entwerfen Sie und Ihre Crew für das Team Luna Rossa eine 23-Meter-Yacht, die in zweieinhalb Jahren den America’s Cup gewinnen soll. Wie sieht Ihre Arbeit im Detail aus?

          Bei Luna Rossa sind wir allein im Designteam etwa dreißig Leute, von denen jeder sein Spezialgebiet hat und sich mit einem bestimmten Teil der Entwicklung der Yacht befasst. In der ersten Phase entwerfen wir permanent aerodynamische und hydrodynamische Modelle mit allen möglichen Einstellungen, die uns die Regeln der Cup-Organisatoren erlauben. Das Ziel ist, das Boot so auszurichten, dass die Kräfte, die auf die Yacht wirken, stabil sind und das Boot dabei eine konstant hohe Geschwindigkeit erzielt. Im Wesentlichen besteht meine Arbeit also hauptsächlich aus Berechnungen am Computer.

          Bei den vergangenen beiden America’s Cups wurde mit sogenannten foilenden Katamaranen gesegelt, also einem Zweirumpfboot, das auf zwei schmalen Flügeln über das Wasser zu fliegen scheint. Es heißt, die Entwicklung dieser Foils habe maßgeblich mit Ihnen zu tun.

          Das halte ich für übertrieben. Die ersten Segelboote mit Foils gab es bereits in den 50er Jahren und dann wurde noch einmal in den 70er und 80er Jahren in Frankreich mit Foils gesegelt. Der große Durchbruch gelang dieser Art des Segelns aber tatsächlich erst beim vorletzten America’s Cup. Diese Foils wurden allerdings von einem Amerikaner entwickelt, der eigentlich aus dem Segelflugbereich kam. Ich habe das Konzept dieser Flügel lediglich weiterentwickelt und so angewendet, dass Katamarane serienmäßig mit Foils ausgestattet werden können.

          Was ist der große Vorteil dieser Foils?

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