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Segeln : Rückenwind für die Blockierer

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Ausgebremst, auch vor Gericht: Tina Lutz (r) und Susann Beucke Bild: picture alliance / dpa

Das Hamburger Landgericht bestätigt die Olympianominierung der Seglerinnen Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher: Es sieht keinen Regelverstoß der Jollencrew gegenüber Tina Lutz und Susann Beucke.

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          Die 470er-Seglerinnen Tina Lutz und Susann Beucke haben sich auch juristisch nicht für einen Olympiastart qualifiziert. Das Landgericht Hamburg hat am Mittwoch den Antrag auf eine einstweilige Verfügung zur Nominierung durch den Deutschen Segler-Verband (DSV) abgelehnt. Die Jollencrew aus Bergen in Bayern und Strande an der Ostsee sieht sich bei der letzten Ausscheidungsregatta für die Spiele Anfang August in Weymouth/England benachteiligt. Bei der Weltmeisterschaft Ende 2011 in Perth/Australien war sie durch Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher (Hamburg) behindert worden und hatte deshalb die Qualifikationsserie aus drei Wettkämpfen nach Punkten gegen das Duo verloren.

          „Nach dem Verhandlungsverlauf überrascht das Urteil nicht“, sagte Anwalt Michael Lehner, der die Chancen für Lutz und Beucke nur noch auf „höchstens 20 Prozent“ eingeschätzt hatte. Moralisch fühlte sich der Heidelberger Sportrechtler dennoch als Gewinner. Doch ob die Matchrace-Taktik der Gegnerinnen sportlichem Fairplay entsprach, bewertete das Gericht nicht. Kadelbach/Belcher hätten nicht gegen das geltende Regelwerk verstoßen und müssten sich ein etwaiges Fehlverhalten des DSV nicht zurechnen lassen.

          Das Urteil hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn die DSV-Führung mit Sportdirektorin Nadine Stegenwalner und dem Vizepräsident Leistungssport, Torsten Haverland, hatte der unschönen WM-Situation nicht vorgebeugt. Zwar legalisierte der Weltsegelverband (ISAF) das „faire Behindern“ direkter Konkurrenten zum eigenen Vorteil erst kurz vor der WM ausdrücklich. Das hätte der nationale Fachverband aber für seine Ausscheidung verbieten können - andere Länder hatten das auch getan. Die Duldung wundert umso mehr, da Haverland selbst einmal mit seinem ehemaligen Steuermann Ronald Rensch Opfer einer ähnlichen Attacke bei der Kieler Woche geworden war.

          „Schade, wenn es keine neue, faire Chance gibt“

          Bei der mündlichen Verhandlung in der vergangenen Woche war auch darüber gestritten worden, ob der DSV seine Aktiven jederzeit ausreichend, korrekt und zeitnah über das Reglement informiert hatte, um die Chancengleichheit zu wahren. Eine Pflichtverletzung schließt das Gericht nicht aus, sähe aber selbst dann keine ausreichende Rechtsgrundlage, die Nominierung von Kadelbach/Belcher in Frage zu stellen. Ob dies ein Ansatz zur Berufung vor dem Oberlandesgericht sein könnte, wollte Lehner vor Einsicht der schriftlichen Urteilsbegründung nicht sagen. „Die Seglerinnen wollten ja gar nicht unbedingt vor Gericht ziehen. Für sie ist es nur schade, wenn es keine neue, faire Chance gibt“, sagt der Anwalt. Die hätte es bei der nächsten WM vom 10. Mai an in Barcelona als Stechen gegeben können.

          „So etwas darf nie wieder passieren. Wir müssen die Regeln und Kriterien der Auswahlverfahren so gestalten, dass Fairness, Transparenz und Teamgeist wieder in den Vordergrund rücken“, sagte der Geschäftsführer des Sailing Team Germany (STG), Oliver Schwall, ohne die Umstände und Entscheidung zu kommentieren, obwohl nur Lutz/Beucke STG-Mitglieder sind. DSV-Präsident Rolf Bähr hielt sich nicht zurück: „Das Urteil ist gut und wichtig für unseren Regattasport. Das Zivilgericht bestätigt damit die Jury-Entscheidung der WM in Perth zum fairen Segeln nach den ISAF-Regeln und - Interpretationen.“

          Die vier Seglerinnen waren während der Urteilsverkündung auf dem Wasser und warteten beim Weltcup im französischen Hyères auf Wind. Rückenwind, für ihre weitere Karriere und für Olympia. Im Zwischenklassement hatten Kadelbach/Belcher als Elfte gegenüber Lutz/Beucke auf Rang 30 den Bug vorn.

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