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Segeln : Liebäugeln mit der Königsklasse

Im Med Cup treffen die besten Mannschaften der Einrumpfyachten aufeinander - in diesem Fall das Team Synergy Bild: Foto Ainhoa Sanchez/Audi MedCup

Der Segler Jochen Schümann sieht sich im Med Cup „dran an den Großen“. Er gewinnt das letzte Rennen in Cagliari und feiert einen „versöhnlichen Abschluss“ der Saison. Seine Teamkollegen denken aber schon an den America's Cup.

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          Vom Bruchpiloten bis zum Gewinner: Innerhalb weniger Tage hat Jochen Schümann die ganze Bandbreite auf der sportlichen Erfolgsskala kennengelernt. Nicht, dass Deutschlands bestem Segler und einer der anerkanntesten Segel-Kräfte im internationalen Profizirkel diese Erfahrung noch gefehlt hätte - hat Schümann doch mit seinen 56 Jahren so gut wie alles erlebt auf dem Wasser. Dennoch ergibt sich für ihn und seine Crew aus der Segelwoche vor Cagliari an der Südküste Sardiniens, wo beim „Audi Med Cup“ die derzeit stärksten Mannschaften im Saisonfinale gegeneinander antraten, eine wichtige Erkenntnis: Man hat sich etabliert, in einem sehr engen Wettbewerb, bei dem mit harten Bandagen gekämpft wird, wo Kleinigkeiten über Wohl oder Übel entscheiden und die gute Tagesform auch mal den Sieg über die Favoriten zulässt. „Wir haben aufgeholt und sind dran an den Großen“, sagt Schümann.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor einem Jahr hatte sich die deutsch-französische Segelpartnerschaft gefunden - mit dem Team „All4One“. Eine neue Idee, aber vor allem eine neue Chance, das in beiden Ländern vorhandene Segelpotential für den Regattasport auf höchstem Niveau zusammenzubringen. Seither gab es unterschiedlichste Ergebnisse, doch die Leistungskurve zeigt nach oben. „All4One“ gewann am Wochenende vor Cagliari das letzte Rennen der Saison - und das bei herausfordernden Bedingungen, mit viel Wind und in wilder See. Da waren selbst die Segel-Dominatoren vom Team New Zealand auf der Strecke geblieben, die sich den Gesamtsieg in der Regattaserie sicherten. „All4One“ kam unter elf Crews abschließend auf Rang sieben. Schümann sprach von einem „versöhnlichen Abschluss“.

          Er korrigierte mit dem Sieg doch auch den Patzer einige Tage zuvor, als es im sportlichen Gerangel mit der spanischen Bribon zu einer Kollision kam, man dem Gegner ins Heck knallte, obwohl dieser Wegerecht hatte. Die Folge: „All4One“ erhielt eine Strafe, aber konnte den eigenen Schaden beheben, weitermachen und damit nochmal gewinnen - aber die schwer mitgenommene Rennyacht aus dem königlich-spanischen Rennstall musste die Segel vor Sardinien streichen.

          Jochen Schümann: „Wir haben aufgeholt und sind dran an den Großen”

          Knallharte Duelle

          Dem Wettkämpfer Schümann gefallen solche knallharten Duelle auf dem Wasser, sie sind seine Welt; selbstverständlich aber gehören Unfälle nicht zu seiner Strategie. 20 Jahre nach der deutschen Vereinigung kann sich der DDR-Olympiasieger auf der Sonnenseite des Sports sehen. Er schaffte es, seine Karriere mit weiteren Erfolgen wie den beiden Triumphen mit der Schweizer Alinghi im America's Cup weiter aufzuwerten und auf ein breites Fundament zu stellen. Seine volle Konzentration richtet sich nun auf das Team „All4One“, das sich irgendwann als Premium-Rennstall verstehen will.

          Hauptbetätigungsfeld ist der Med Cup, der inzwischen die besten Teams der Welt auf den gewohnten Einrumpfyachten zusammenbringt und sich über eine ganze Saison streckt. Doch mit den neuen Plänen im America's Cup kommen auch bei Schümanns Leuten neue Überlegungen auf. 2013 soll auf hochgerüsteten Riesen-Katamaranen gesegelt werden. Ein Bruch mit den Traditionen, aber hochinteressant. Schon vom nächsten Jahr an wird in einer Übergangsphase mit kleineren Prototypen eine WM-Serie auf zwei Kufen ausgetragen.

          „Wir wollen uns immer mit den Besten messen“

          Allerdings sind einige Regelfragen und vor allem der Austragungsort (San Francisco oder Italien) noch offen. Dann drängt die Zeit, weil der amerikanische Titelhalter und Veranstalter, das Segelsyndikat des Software-Milliardärs Larry Ellison, für kommenden März den Anmeldeschluss festgesetzt hat. Während eine Saison im Med Cup mit etwa drei Millionen Euro zu machen ist, kommen die Kosten in der Formel 1 des Segelns aufs Zigfache. Viel, viel Geld müsste innerhalb kürzester Zeit besorgt werden.

          Schümann reagiert zurückhaltend, was den America's Cup betrifft, zumal sein Team gerade erst hineingefunden hat in die aktuelle Version des Top-Segelns. „Wir wollen uns immer mit den Besten messen auf einem hohen technischen Niveau. Und die Faszination beim Cup ist natürlich vorhanden. Aber für mich ist das derzeit wegen der vielen Unklarheiten wenig realistisch“, sagt er. Dennoch wird das Thema intern aufgegriffen.

          Schümanns Mitstreiter in der Führung von „All4One“, der Deutsch-Franzose Stephan Kandler, bestätigt, dass im Hinblick auf die Katamaran-Entwicklung schon ein erster Kontakt aufgenommen wurde zu einem Designteam in Frankreich. Er könne sich gut vorstellen, das Betätigungsfeld bei „All4One“ zu erweitern und mit höchsten Ansprüchen zweigleisig zu fahren - eben auf einem und auf zwei Rümpfen. Andere Teams, die mit dem America's Cup liebäugeln, glauben nicht daran, diesen doppelten Aufwand stemmen zu können. Der dynamische Kandler zeigt sich offen. „Das ist eine Riesenchance.“ Für die muss allerdings schnell viel Geld her.

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