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Segeln : An Land gelingt immerhin ein Geschwindigkeitsrekord

  • -Aktualisiert am

Werbegag: Anna Kurnikowa entert einen Mast Bild: AP

In der Hitze von Valencia wird das deutsche America's-Cup-Projekt zum Sprung ins kalte Wasser. Aber die deutschen Segler können froh sein, daß es überhaupt so kurzfristig geklappt hat.

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          Als Anna Kurnikowa die Bühne betritt, rattern die Fotoapparate und die Kameras surren. Die kindliche Tennisschönheit, geladen vom Sponsor des neuseeländischen America's Cup Team, ist der Medienhöhepunkt am Dienstag vormittag. Als für sie wenig später die publicitiyträchtige Segellektion an Bord der neuseeländischen High-Tech-Yacht beginnt, fahren die Kamerateams im Presseboot hinterher. Vom Glamour des wichtigsten und teuersten Segelwettbewerbes der Welt ist im Hafen von Valencia sonst nicht viel zu sehen.

          2007 findet hier das Finale des America's Cup statt, schon in dieser Woche beginnen die ersten Vorregatten, bei denen die Teams Punkte sammeln können. Doch noch ist der Hafen eine gigantische Baustelle. Nur die millionenschweren Syndikate wie der Schweizer Cupverteidiger Alinghi und das vom Software-Milliardär Larry Ellison finanzierte "BMW Oracle Racing"-Team haben ihre repräsentativen Bauten am Anlegesteg schon fast fertig und können sich wie Formel-1-Teams abschotten. Der erste deutsche Wettbewerber in der 154 Jahre langen Geschichte des America's Cup, das United Internet Team Germany, dagegen haust wie die meisten anderen Mannschaften zwischen Bauschutt und dröhnenden Preßlufthämmern noch im Zelt.

          Last-Minute-Unternehmung

          Aber die deutsche Kampagne kann froh sein, daß es überhaupt so kurzfristig geklappt hat. Bis vor wenigen Wochen stand noch gar nicht fest, ob das Team Germany in der Lage sein würde, Crew und Boot rechtzeitig auf die Beine zu stellen. Dafür haben die Deutschen immerhin schon mal einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. In nur sechs Tagen wurde die ehemalige italienische Cup-Yacht den neuen Spezifikationen gemäß umgebaut. Normalerweise benötigt man dafür einige Monate.

          Platzhirsche auf dem Wasser: BMW Oracle Racing und Alinghi

          Schneeweiß und noch ohne Sponsorenlogos liegt sie nun im Hafen von Valencia, weil es in der Windeseile nicht zur gewünschten Dreifarbenlackierung gereicht hat. Aber das ist das geringste Problem. Auch wenn die Crew um Technikvorstand Eberhard Magg tatsächlich die Last-Minute-Unternehmung erfolgreich zustande gebracht hat; ein konkurrenzfähiges Boot ist dabei nicht herausgekommen. "Natürlich ist die Euphorie groß, weil alles flutscht, aber seglerisch darf man davon nicht viel erwarten", sagt Magg.

          Können der Skipper gefragt

          Schon beim letzten America's Cup 2003 vor Auckland habe das Boot "nicht durch übermäßigen Speed geglänzt". Die ersten Rennen in der Hitze von Valencia werden für das Team Germany gewiß ein Sprung ins kalte Wasser. Bei den anstehenden Einzelduellen rechnet man sich nicht viel aus. "Ein Sieg im Matchrace wäre schon eine Sensation", sagt Magg. Im Fleetrace, dem Flottenrennen, bei dem alle zwölf Teams auf einmal am Start sind, sei das schon eher möglich. "Da ist vor allem das Können der Skipper gefragt."

          Für die Kampagne des Deutschen Challenger Yacht Clubs, der als Zusammenschluß von mehr als zwanzig Segelvereinen das Unternehmen vorantreibt, geht es in den nächsten Wochen vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und nicht Schiffbruch zu erleiden. Doch weil das erklärte Ziel für die 32. Auflage des America's Cup 2007 das Erreichen des Halbfinales ist, arbeiten die Deutschen fieberhaft und vor allem zweigleisig an der Weiterentwicklung. Die momentan noch unter dem Kürzel "GER 72" segelnde Yacht muß permanent optimiert werden, und gleichzeitig gilt es für Entwicklung und Bau des neuen Bootes keine Zeit zu verlieren.

          Arbeiten mit Minimalbudget

          Bis zum Frühsommer 2006 soll eine neue Yacht zu Wasser gelassen werden, von der bislang nur grobe Entwürfe existieren. "Die großen Teams haben da einen Zeitvorsprung", sagt Magg, der bis Ende Juni die Designgruppe zusammengestellt haben muß. "Aber ich bin zuversichtlich, daß wir das schaffen werden." Ein weiterer Großsponsor aus der High-Tech-Branche, der Know-how einbringen könnte, käme da durchaus gelegen. Zumal der offiziell angepeilte Etat von 45 Millionen Euro noch längst nicht erreicht ist. "Wir arbeiten momentan mit einem Minimalbudget", sagt Magg. Wie weit deutsches Organisationstalent und Improvisationskunst reicht, um in der sündhaft teuren Materialschlacht auf dem Wasser nicht unterzugehen, wird man sehen. "Aber es ist besser, wenn wir jetzt mit wenig auskommen müssen und später zulegen können, als wenn uns auf der Zielgeraden das Geld ausgeht", meint Magg.

          Der Vorteil des deutschen Teams könnte sein, daß die neuen Regeln nicht viel Spielraum im Bootsdesign lassen, um spannendere Matches zu gewährleisten. "Letztlich zählt also auch, wie gut die Crew zusammenarbeitet", sagt Magg. Da hat die Mannschaft um den dänischen Skipper Jesper Bank noch viel Arbeit vor sich. Die 22köpfige Crew ist erst fünf Tage gemeinsam auf dem Wasser gewesen, gerade genug Zeit, um einmal alle vorhandenen Segel aufziehen zu können. Von dem ursprünglich angekündigten Konzept, ausschließlich auf junge (und günstige) deutsche Segler zu setzen, ist man mittlerweile abgerückt, aber hat es auch nicht völlig über den Haufen geworfen.

          Nun soll in den nächsten Monaten eine Crew selektiert werden, die eine Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Dynamik ist. Die zwölf Deutschen, die in Valencia mitsegeln, werden um einen Platz im Boot kämpfen müssen. Aber Magg ist zuversichtlich, daß das Konzept aufgehen wird. "Mit Jesper Bank haben wir eine Autorität. Er ist getrieben vom Erfolg, und wenn dadurch ein Ruck durchs Team geht, setzt das ganz große Kräfte frei."

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