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Segelflug-WM : Wildschaden bei der Thermikjagd

  • -Aktualisiert am

Auf geht's: Ein Schleppflugzeug bringt einen Segelflieger in die Luft Bild: dpa

Die Träume des Titelverteidigers Georg Theisinger endeten bei der Segelflug-Weltmeisterschaft in einem Getreideacker bei Berlin. Sein Flugzeug prallte mit einem Reh zusammen. In den anderen Klassen haben die Deutschen bei der WM in heimischer Luft mehr Glück.

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          Vorsicht Wildwechsel - als Autofahrer sind einem die warnenden Schilder mit dem springenden Rotwild vertraut - hier heißt es immer: langsam machen, vom Gas gehen. Zusammenstöße der tierischen Art passieren auf deutschen Straßen leider viel zu häufig. Und oft ist der Schaden groß.

          So wie bei Georg Theisinger. Der Mann aus Landau in der Pfalz war freilich nicht mit dem Auto unterwegs, sondern saß am Steuerknüppel seiner ASW 27, eines Segelflugzeuges. Bei einer Außenlandung kollidierte er mit einem Reh. Der Pilot blieb unverletzt. Aber der materielle und sportliche Schaden war mindestens so groß wie der Schreck.

          Schon vor dem Abflug wieder am Boden

          Theisinger ist einer jener 129 Piloten, die zur Zeit in dem rund 70 Kilometer südwestlich von Berlin gelegenen Ort Lüsse an der Segelflug-Weltmeisterschaft teilnehmen. Passiert ist diese seltene Begegnung der irdischen Art dem 53 Jahre alten Pfarrer im Schuldienst kürzlich bei einem der Meisterschafts-Wettflüge.

          Ein französischer WM-Teilnehmer trocknet sein Fluggerät ab
          Ein französischer WM-Teilnehmer trocknet sein Fluggerät ab : Bild: dpa

          Eine Außenlandung gilt in Segelfliegerkreisen ohnehin als eine der schlechteren Möglichkeiten, einen Flug zu Ende zu bringen. Seltenheitswert hatte diese auch deshalb, weil Theisinger schon vor dem Abflug zur Tagesaufgabe wieder am Boden war. Bevor der deutsche Meister der 15-Meter-Klasse die imaginäre Startlinie in der Luft überfliegen konnte, erwischte es ihn gemeinsam mit seiner Mannschaftskollegin Katrin Senne. Sie hatte mit ihrer ASG 29, ebenfalls eine Hochleistungsmaschine der 15-Meter-Kategorie, mit Theisinger zusammen im Teamflug eine gute Tageswertung erzielen wollen.

          Wasserfallartiger Abwind

          Bei der Suche nach Aufwinden werden zwei mal 15 Meter Tragfläche oft schneller fündig als jene Vertreter der fliegenden Zunft, die sich lieber als Solisten auf die Suche nach Thermik machen. Im Formationsflug durch die warme, aufsteigende Luft - das funktioniert oft. Für Theisinger und die Weltmeisterin der Frauen traf leider das Gegenteil zu. Im Teamflug steuerten sie in einen kräftigen Abwind, der sie mit fünf bis sieben Metern pro Sekunde nach unten zog.

          „Das ist wie ein Wasserfall“, erklärt Uli Gmelin, der Bundestrainer der deutschen Segelflieger. Die Luft strömt dabei kräftig abwärts. „Wie im Fahrstuhl ging es runter“, erzählt Theisinger. Er und seine Kollegin waren schließlich zur Außenlandung gezwungen - nur acht Kilometer von dem WM-Flugplatz Lüsse entfernt. Als der Gleiter des Pfälzers auf einem gemähten Getreideacker aufsetzte, passierte es: Dort lag eine Rehfamilie zwischen den kurzen Halmen. Die beiden Kitze schafften noch rechtzeitig den rettenden Sprung, bevor das leise heranzischende Fluggerät mit dem Muttertier zusammenprallte. Das Reh wurde durch die Tragfläche getötet, das Flugzeug drehte sich um die eigene Achse. Theisinger hatte den Aufschlag wegen der laut rasselnden Geräusche der Getreidestoppeln erst gar nicht bemerkt und an einen eigenen Steuerfehler gedacht. Aber wenig später war es klar: Die Maschine war am Flügel so stark beschädigt, dass eine schnelle Reparatur über Nacht - wie sie das Reglement eigentlich vorschreibt - nicht möglich war. Katrin Senne war inzwischen in der Nähe außengelandet.

          In den anderen Klassen läuft es für die deutsche Thermikjäger besser

          Glück hatte der dritte deutsche Pilot in der 15-Meter-Klasse, Georg Theisingers Bruder Martin. Eigentlich hatte sich der Physiklehrer schon kritisch darüber geäußert, dass es bei der WM zu wenige Schleppflugzeuge gebe und er zu lange habe warten müssen, bis ihn eine der brummigen, einmotorigen Maschinen in den Himmel über Lüsse zog. So konnte Martin Theisinger nicht mit in den Teamflug einsteigen. Was diesmal ein Glücksfall war.

          Von oben musste er dann zusehen, wie die Abwinde seine beiden Teamkollegen in den Acker drückten. „Niederschmetternd“ sei das gewesen, wie Gmelin sagt, „denn der Tag war sehr fliegbar. Die Konkurrenten erzielten gute Ergebnisse.“ So hätten die deutschen Piloten in der 15-Meter-Klasse wohl kaum noch Chancen auf einen Titel, räumt der Bundestrainer ein. Und dies, obwohl Georg Theisinger am Tag danach mit dem Flugzeug seines Neffen Florian Theisinger, das über Nacht aus der Pfalz nach Brandenburg gefahren worden war, an den Start gehen durfte und Platz vier der Tageswertung belegte.

          Die Wettbewerbsleitung hatte den Wechsel des Fluggeräts gestattet, da das Reglement bei einem unverschuldeten Unfall eine solche Lösung ermöglicht. In den anderen beiden Klassen sind die deutschen Piloten viel besser unterwegs. Vor allem in der Offenen Klasse funktioniere der Teamflug „wie ein Uhrwerk“, sagt Gmelin. So waren Michael Sommer, der Titelverteidiger, und Tassilo Bode bis Mittwoch abend auf die Ränge drei und fünf vorgeflogen. Und auch der zweimalige Weltmeister Holger Karow ist als einer, der lieber eigene Wege durch die Luft sucht, mit Rang zwölf gut im Rennen. In der 18-Meter-Klasse liegen Hermann Leucker und Jürgen Schuster auf den Plätzen acht und elf. Die WM endet am Samstag, 16. August. Die Thermikjagd geht weiter.

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