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Segelfliegen : Auf der perfekten Welle

Rekorde über Rekorde: Der Segelfliegern Klaus Ohlmann ist der Mann für Bestmarken Bild: privat

Klaus Ohlmann kann selbst der Eyjafjallajökull nicht stoppen: Denn Segelfliegen ist selbst in diesen Tagen noch nicht verboten. Der Segelflugpilot stößt bei seinen Rekordversuchen aber auch ohne Vulkanasche immer wieder in Grenzbereiche vor.

          Auf so viele Flugstunden wie Klaus Ohlmann kommen nicht viele Piloten: 25.000. Es sind die erfahrensten unter den Airline-Kapitänen, die eine so lange Zeit im Cockpit ihrer Jets verbracht haben. Neun Jahre, in denen man täglich acht Stunden fliegen müsste, sind das. Dabei handelt es sich bei Ohlmanns bevorzugtem Fluggerät nicht um einen düsengetriebenen Langstreckenflieger, sondern um ein Segelflugzeug, in dem der Pilot bei sengender Sonne, eisiger Kälte, in Sturm und extremer Höhe ausharrt. So einen Segelflieger gibt es nicht? Doch: Klaus Ohlmann.

          „Ja, ja“, sagt er, er wisse schon: Segelflieger würden gemeinhin für „Herrenreiter“ gehalten. So einer ist Ohlmann aber sicher nicht. Vermutlich gibt es keinen Piloten auf der Welt, der über eine ähnlich große Flugerfahrung unter ähnlichen Bedingungen verfügt wie der Zahnarzt, der vor ein paar Jahren seine Praxis in Stockstadt in der Nähe von Aschaffenburg aufgegeben hat, um das zu machen, „was ich am besten kann“, wie er sagt: Segelfliegen. Das Bild vom reichen Dentisten, der lieber sein teures Hobby pflegt, als zu arbeiten, trifft auf ihn kaum zu. Der gelernte Zahntechniker machte sein Abitur in der Abendschule, studierte dann Zahnmedizin, hat sich inzwischen von seinem Beruf als Mediziner verabschiedet und sich ganz seiner Leidenschaft zugewandt. In Serres in Südfrankreich betreibt er eine Segelflugschule, unterrichtet und trainiert Flugnovizen und erfahrene Piloten. Wenn er zu Hause ist.

          Das ist Ohlmann allerdings selten. Um die Jahreswende war er beispielsweise wieder einmal in Argentinien, um Flüge zu absolvieren, die in Grenzbereiche des menschlich und technisch Machbaren führen. Ohlmann geht regelmäßig auf Weltrekordjagd. Um die vierzig Rekorde hat der aus Unterfranken stammende Pilot erzielt, der sich einige Jahre mit dem Neuseeländer Terry Delore im Wettstreit befand. Inzwischen hat Ohlmann Delore, der im Auftrag von Steve Fossett flog, abgehängt, was die Bestmarken betrifft. Darunter sind erstaunliche Leistungen. 2003 glückte Ohlmann der längste Flug, den ein Mensch in einem Segelflugzeug bislang absolviert hat. Auf einer Strecke mit drei Wendepunkten landete er seinen Gleiter erst nach 3008 Kilometern. Das ist weiter als der Weg von Frankfurt nach Kairo.

          Flüge in diesen Geschwindigkeitsbereichen sind gefährlich

          Auch der Geschwindigkeitsweltrekord steht auf seiner Erfolgsliste: Im Dezember 2006 flog er eine Hin- und Rückflugdistanz von 500 Kilometern so schnell wie kein anderer Pilot zuvor in einem Segelflugzeug. 306,8 Kilometer in der Stunde war Ohlmann schnell. Dabei handelt es sich keineswegs um das Spitzentempo, sondern um die Durchschnittsgeschwindigkeit. „Es gibt Leute, die halten so etwas für nicht machbar“, sagt Ohlmann, „aber es ist machbar, wenn man sich technisch richtig vorbereitet.“

          Flüge in diesen Geschwindigkeitsbereichen sind in motorlosen Flugzeugen alles andere als ungefährlich. Überschreitet eine dieser leichten Maschinen eine gewisse Tempogrenze, läuft der Pilot Gefahr, dass das Fluggerät zerbricht. Ähnlich wie ein Ski auf der Piste gerät die Maschine ins Flattern. Die Schwingungen werden irgendwann so stark, dass das Material zerbirst. In Höhen von 7000 Metern und bei Außentemperaturen von unter 20 Grad minus sind solche Flüge am Tempolimit kein Spaß. Für einen, der sie nicht perfekt beherrscht, sind sie vor allem eines: lebensbedrohlich.

          Rekorde über Rekorde

          Realisieren lassen sich solche extremen Flüge nur in starken Luftströmungen. Piloten wie Ohlmann finden sie vorzugsweise in den Anden. Um zu wissen, wann diese Winde wehen, sind moderne Methoden der Meteorologie nötig. Ohlmann arbeitet deshalb mit Wissenschaftlern wie dem Bonner Professor Jörg Hacker, dem Marburger Professor Alfred Ultsch oder dem Berliner Atmosphärenphysiker Rene Heise zusammen. Heise ist selbst passionierter Segelflieger und steht als Geoinfo-Stabsoffizier des Kommandos Operative Führung bei der Bundeswehr in Dienst. Er ist einer jener Experten, welche die geologischen und klimatischen Bedingungen für Einsätze deutscher Soldaten im Ausland überprüfen.

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