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Segelfliegen : Auf der perfekten Welle

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Dass solche Flugmanöver nicht von jedem Segelflieger beherrscht werden, liegt auf der Hand. „Selbst erfahrene Gebirgsflieger würden hier wahrscheinlich ernsthaft Schaden nehmen“, sagt Meteorologe Heise, der mit seinem „Mountain Wave Project“ (MWP) das Phänomen der Wellenwinde erforscht. Die Wellen und Rotoren auf der windabgelegenen Seite von Bergketten sind auch für die Berufsluftfahrt von Belang. Die in großer Höhe auftretenden Turbulenzen haben schon so manchem Jetpiloten Kopfzerbrechen bereitet. „Es kommt vor, dass es mit einem Schlag tausend Meter runtergeht“, sagt Ohlmann. „Da ist schon der eine oder andere Passagier gegen die Decke geknallt; und Passagierflugzeuge sind deshalb schon abgestürzt.“ Dass ein Segelflugzeug in solch extremer Umgebung nicht zerbricht, liegt an der hohen Stabilität der modernen Maschinen. „Sie sind zweieinhalbmal stabiler als ein Passagierflugzeug“, erklärt Ohlmann.

„Was für ein Abenteuer

Keine Frage, Ohlmann ist ein Draufgänger - aber kein Hasardeur. „Ich bin sicher nicht lebensmüde“, sagt der Mediziner. „Aber wer in seinem Leben kein Risiko eingeht, wird wohl niemals wirklich vorankommen.“ Weil der gebürtige Würzburger als verantwortungsbewusster Pilot Chance und Risiko in ein vernünftiges Verhältnis setzen muss, entscheidet sich Ohlmann bei seinem Rekordversuch am 12. Januar gegen die große Verlockung: 2500 Kilometer zu fliegen - und damit den neuen Küttner-Preis zu ergattern. „Immer noch 430 Kilometer zu fliegen“, schreibt er in seinem Flugbericht, „aber was zur Hölle ist das vor uns?“

Eine braune Wand aus Staub erhebt sich am Horizont. Ein Sandsturm hat sie tags zuvor erzeugt - „ein brauner Albtraum“, notiert Ohlmann. Schweren Herzens entscheidet er sich, den Küttner-Preis unangetastet zu lassen. „Wenn ich ankomme, bin ich der Held. Wenn nicht, bin ich tot. Eine einfache Entscheidung.“ Also landet Ohlmann in San Juan, nachdem er die Landebahn trotz widrigster Sichtbedingungen unter sich ausgemacht hat. Den neuen Küttner-Preis, die Krone der Segelflieger, hat er verfehlt. Aber einen neuen Weltrekord schaffte er mit dem Flug dennoch. Nie zuvor flog ein Segelflugzeug im Streckenflug mehr als die Distanz, die Ohlmann an diesem 12. Januar zurücklegte: 2256,9 Kilometer. Und selbst der mit allen Wassern gewaschene Pilot notiert: „Was für ein Abenteuer.“

Forschungsflüge im Himalaja

Ohlmann wird weiter versuchen, Rekorde zu fliegen. Den 2500-Kilometer-Küttner-Preis wird er wohl irgendwann gewinnen. Doch in Zukunft will der 57 Jahre alte Würzburger andere Schwerpunkte setzen. 2011 will er mit dem MWP in Tibet im Himalaja den Luftaustausch zwischen Troposphäre und Stratosphäre erforschen. Natürlich mit dem Segelflugzeug. In 12.000, vielleicht sogar 15.000 Meter Höhe - in Druckanzügen aus der Raumfahrt. Rene Heise, der Leiter des „Mountain Wave Project“, hat schon lange mit den Vorbereitungen begonnen, Genehmigungen der chinesischen Behörden beantragt, die Zusammenarbeit mit mehreren wissenschaftlichen Instituten eingeleitet.

Und vielleicht wird ja nebenbei noch ein Weltrekord herausspringen, hofft Heise: der Höhenweltrekord. Den hält immer noch Steve Fossett. 15.460 Meter hoch war der Amerikaner über dem Süden Patagoniens, über Ohlmanns Startplatz El Calafate, geflogen. Fossett ist 2007 von einem Flug über der Wüste von Nevada nicht zurückgekehrt. Ohlmann fliegt weiter. Die Frage, wie man ein Segelflugzeug nach China bekommt, beantwortet Heise: „Wir fliegen damit dorthin.“ (siehe auch: Video: Mit Rekordpilot Ohlmann durch die Lüfte)

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