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Segelfliegen : Auf der perfekten Welle

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Für Wissenschaftler wie ihn sind die einzigartigen Erfahrungen von Pilot Ohlmann überaus wertvoll für die Forschungsarbeit. So kam von Heise kürzlich ein wichtiges Signal, das Ohlmann hörte - und sich sofort auf den Weg nach Argentinien machte. „Es passierte etwas dort“, notierte Ohlmann später in seinem Flugbericht. Ein Jetstream mit polarer Luft war dabei, mit einer subtropischen Höhenluftströmung zu verschmelzen - eine Situation, die nicht allzu häufig vorkommt. Eine ähnliche Konstellation gab es 2003. Damals gelang Ohlmann ein Coup in der Königsdisziplin des Segelflugs: dem Geradeausflug. Erst nach mehr als 2000 Kilometern landete sein Fluggerät. Mit dieser Leistung sicherte sich der Deutsche den Küttner-Preis, gestiftet von dem 100 Jahre alten Flug- und Raumfahrtpionier Joachim Küttner.

Als er die Trophäe überreicht bekam, hatte Ohlmann zu dem Senior der Segelfliegerei gesagt: „Ich hätte auch 2500 Kilometer weit fliegen können.“ Der rüstige Küttner, der in den Vereinigten Staaten lebt, antwortete verblüfft: „Was? Ja, dann müssen wir gleich einen neuen Preis ausschreiben.“ Nun, dank der außergewöhnlichen Konstellation, konnte Ohlmann wieder auf die Jagd gehen - nach dem 2500-Kilometer-Küttner-Preis.

Suche nach dem Jetstream

Am 12. Januar 2010 ist für Ohlmann der Preis schon zum Greifen nahe. Seit Dezember ist er in den Kordilleren von Argentinien unterwegs, hat dabei schon wieder vier neue Weltrekorde aufgestellt - versorgt mit Wind- und Turbulenzvorhersagen des Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Traben-Trarbach. Im ersten Tageslicht dieses 12. Januar startet der Deutsche seinen Hochleistungssegelflieger Nimbus 4 DM; der 60 PS starke, einklappbare Motor zieht den schneeweißen Gleiter in den Himmel über der noch schlafenden Stadt El Calafate in Argentinien. Starten vor Sonnenaufgang, Landen im letzten Tageslicht - auf diesem langen, schmalen Grat müssen sich Piloten bei Geradeaus-Rekordflügen bewegen. Ohlmann klappt den Motor, den er nur zum Start verwendet, wieder ein. Vor ihm liegt einer der aufregendsten Flüge in der Geschichte des Segelflugsports.

Zunächst passiert nicht viel. Nach zweieinhalb Flugstunden mit einer verhaltenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde findet Ohlmann schließlich das, wonach er gesucht hat: den Jetstream. „Je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr nähern wir uns dem Herzen des Jetstreams“, notiert Ohlmann. Der Sturm in der eisigen Höhe über den Anden katapultiert das Flugzeug auf Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 420 Kilometern in der Stunde. Dabei verliert der Gleiter nicht einmal an Höhe, steigt in der Kraft des Jetstreams weit in den Himmel - auf 5000 bis 7500 Meter, bei früheren Flügen bis auf 12.500 Meter, in Höhen, in denen sich sonst nur die Langstreckenjets der zivilen Luftfahrt aufhalten.

Extreme Steigwerte

Die Steiggeschwindigkeit ist zuweilen von brutaler Kraft. Mit Spitzensteigwerten von bis zu 15 Metern in der Sekunde wird das Flugzeug nach oben katapultiert - fast dreimal so schnell wie der Aufzug im Berliner Fernsehturm, der sechs Meter pro Sekunde schafft. Längst atmet der Pilot über ein modernes Sauerstoffgerät. Was die Kleidung betrifft, setzt Ohlmann auf den „Zwiebellook“, trägt mehrere wärmende Schichten übereinander. Schickes Sonderzubehör wie Fußsohlenheizung und Ähnliches kommen ihm nicht ins Cockpit. „Da wirst du von unten gebraten und von oben eingefroren.“

Es sind sogenannte „Wellensysteme“, die solche extremen Höhenflüge erst möglich machen. Dabei prallt in Argentinien eine gewaltige Luftströmung ungebremst vom Pazifik nahezu senkrecht auf die längste Gebirgskette der Welt, die Anden. Hinter den Gipfeln entstehen wellenförmige Strömungen, auf denen Könner des Segelflugs in großer Höhe extrem schnell vorankommen. „Es ist wie das Surfen auf einer riesigen Welle“, beschreibt Ohlmann das Phänomen. „Als ob man durch einen Wellentunnel rasen würde. Die Kraft der Welle trägt dich immer wieder nach oben.“

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