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Segel-Kommentar : Gefährliches Fahrwasser

Ausgebootet: Tina Lutz (r.) fühlt sich verschaukelt Bild: picture alliance / dpa

Seglerin Tina Lutz fühlt sich verschaukelt, weil der Deutsche Segler-Verband (DSV) ihre Konkurrentin Kathrin Kadelbach für die Sommerspiele in London nominieren will. Der DSV hat den Streit zugespitzt - durch Untätigkeit.

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          Für ihren Olympiatraum gehen Sportler aufs Ganze. Da werden im Wettstreit alle Möglichkeiten ausgereizt - manchmal über das Erlaubte hinaus. Die junge Seglerin Tina Lutz vom Chiemsee fühlt sich verschaukelt, weil der Deutsche Segler-Verband (DSV) ihre ärgste Konkurrentin Kathrin Kadelbach in der 470er-Klasse für die Sommerspiele in London nominieren will, obwohl sich die Berlinerin ihre Teilnahme - so behauptet Lutz - auf unsportliche Weise ersegelt hat.

          Die Wogen in der Segelgemeinde schlagen hoch. Die einen sagen, Kathrin Kadelbach hätte es in den entscheidenden Läufen bei der Segel-WM nur darauf angelegt, ihren Punktvorsprung gegenüber Tina Lutz durch gezielte Behinderungen auf dem Wasser zu verteidigen, was nicht dem Geist der Olympiaqualifikation entspräche.

          Die anderen führen die Entscheidung des Segelweltverbandes an, der die Verhinderungstaktik bei der WM-Regatta prüfte und durchgehen ließ. Der DSV hat sich der zweiten Meinung angeschlossen und dem Deutschen Olympischen Sportbund eine Empfehlung für die Nominierung in der 470er-Klasse gegeben.

          Die Entscheidung, die noch in einen Gerichtsstreit münden könnte, gründet auf einer formalen Betrachtung des Konflikts. Eine Kompromisslösung neben den Paragraphen wurde vom DSV nicht verfolgt, obwohl er doch selbst auf fahrlässige Weise zuließ, dass die Seglerinnen in gefährliches Wasser gerieten.

          Für die letzte Zuspitzung sorgte der Verband

          Zwar sind beide Athletinnen nicht unschuldig an den Turbulenzen: Die eine hätte sich taktisch intensiver auf das Duell vorbereiten müssen, die andere ihre seglerischen Bemühungen nicht allein aufs Blockieren beschränken dürfen. Für die letzte Zuspitzung sorgte dann aber der Verband durch seine Untätigkeit.

          Der Konfrontationskurs hatte sich seit der Kieler Woche im Juni 2011 in der Qualifikationsserie angekündigt. Die sportliche Leitung des Verbandes hätte den ehrgeizigen Seglerinnen, zum Beispiel durch einen Verhaltenskodex, einen neuen Rahmen für ihren Wettstreit setzen müssen. Schließlich deutet der Fall auf eine weitere Schwäche des Systems hin: Wenn in einer Ausscheidung nur der Kampf gegeneinander im Vordergrund steht, gerät das eigentliche Ziel, leistungsstarke Athleten für olympische Erfolge aufzubauen, in den Hintergrund.

          Das gilt gerade für die deutschen Segler, die derzeit nicht zur Weltspitze gehören und sich in der Lernphase befinden. Der „Kleinkrieg" bei der WM führte für die beiden Seglerinnen zu Plazierungen im Mittelmaß. Eine Leistungsprüfung für Olympia geriet damit zur Farce. Wie es allein durch guten Willen funktionieren könnte, zeigten drei junge Lasersegler, die sich über ein ganzes Jahr gegenseitig produktiv vorantrieben. Hervorgekommen ist ein Medaillenkandidat für London - Simon Grotelüschen. Tina Lutz und Kathrin Kadelbach konnten dagegen nicht den Beweis erbringen, dass eine von ihnen olympiatauglich ist.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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