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Super Bowl : Als erster Deutscher in den Football-Himmel

Ganz nah am Superstar: Sebastian Vollmer (l.) jubelt mit Quarterback Tom Brady (r.) Bild: dpa

Sebastian Vollmer ist der erste Deutsche, der den Super Bowl gewinnt. Der Football-Profi der New England Patriots hat dabei keine einzige Ballberührung, ist als Leibwächter aber dennoch sehr wichtig.

          Sebastian Vollmer hat nicht nur als erster Deutscher den Super Bowl gewonnen. Der 30 Jahre alte Football-Profi aus Kaarst bei Düsseldorf hatte in der Nacht zum Montag nach dem 28:24-Sieg gegen Titelverteidiger Seattle Seahawks in Glendale, Arizona, zudem ein großes Privileg: Er war der erste Teamkamerad, den Star-Quarterback Tom Brady nach dem Schlusssignal der 60 hochdramatischen und spektakulären Spielminuten abklatschte.

          Das lag zum einen daran, dass sich der deutsche Offensive Tackle als „Leibwächter“ Bradys in der letzten Spielsituation formationsbedingt am nächsten bei dem mit dem Supermodel Gisele Bündchen verheirateten Superstar aufhielt. Zum anderen passte der Dank des nun viermal und somit so oft wie zuvor nur die beiden Quarterbacklegenden Joe Montana und Terry Bradshaw in einem Super Bowl siegreichen Brady aber auch zu Vollmers Beitrag zum Sieg der Patriots. Denn der Deutsche erledigte seine wenig glamouröse, meist unscheinbare Pflicht einen ganzen Abend nahezu ohne Fehler.

          Großartiges Comeback der Patriots

          „Ich kann das nicht beschreiben, ich habe keine Worte“, war Vollmers erste Reaktion während der Liveübertragung bei Sat 1. Vollmer war dabei verständlicherweise sprachlos, da die Patriots in der zweiten Halbzeit mehrfach wie der sichere Verlierer aussahen. Nach einem Halbzeit-Gleichstand von 14:14 zogen die Seahawks mit dominanter Spielführung auf 24:14 davon. Die Patriots kamen, angeführt von ihrem Quarterback Brady, jedoch zurück und gingen durch zwei Touchdowns mit 28:24 in Führung. „Mit Tom Brady hat man immer eine Chance“, sagte Vollmer später.

          In der letzten Spielminute näherten sich die Seahawks jedoch noch einmal bis auf einen Yard der Patriots-Endzone an. Malcolm Butler, als Corner Back in der Defensive ein ähnlich unscheinbarer Teil des großen Ganzen wie Vollmer in der Offensivabteilung,  fing jedoch einen Pass von Quarterback Russell Wilson ab, der das Spiel 20 Sekunden vor Ende entschied. Hätten die Seahawks auf ihre große Stärke des Laufspiels gesetzt, hätte Vollmer wohl nach 2012 ein weiteres Mal das „Endspiel“ verloren.

          Nachwehen von Deflategate

          So aber war bei den Seahawks die Luft raus – dieses Mal auf ganz und gar fairem Weg, nachdem in den Tagen vor dem Spiel noch der Unterdruck in den Spielgeräten beim AFC-Championship-Game vor zwei Wochen zwischen den Patriots und den Indiana Colts das Gesprächsthema war. Damals sollen sich die New England Patriots durch absichtlich irregulär wenig hart aufgepumpte und somit leichter zu fangende Spielgeräte einen Vorteil erschlichen haben im Kampf um den Einzug ins Super Bowl. „Deflategate“, wie der Skandal in den Vereinigten Staaten genannt wird, sorgte für reichlich Diskussionsstoff in den Tagen vor dem größten Einzelsportereignis der Welt und bescherte den Patriots während und nach dem Spiel verbitterte Buhrufe vieler Zuschauer.

          Der Deutsche im Super Bowl: Sebastian Vollmer Bilderstrecke

          Vollmer hielt sich aus diesem „Deflate Gate“ getauften Skandal  rhetorisch geschickt heraus mit dem Verweis darauf, dass er in einem Footballspiel in der Regel überhaupt keinen Ballkontakt hat und die Druckfrage somit gar nicht beurteilen könne.

          Tatsächlich war Vollmers Spiel auch im Super Bowl wie für seine Position üblich eine Aneinanderreihung von Ringkämpfen und Schubsereien. Das ist die vornehme Aufgabe eines Offensive Tackle. Er ist nicht der Mann fürs Spektakel in seinem Sport. Sportler wie Vollmer sind stattdessen die unscheinbaren Diener ihrer Teams. Auch deshalb wird er trotz eines Jahresgehalts von vier Millionen Dollar nie ein Sportidol werden wie es Basketballer Dirk Nowitzki durch seine Karriere in Übersee geworden ist. „Ich werde nie ein Football-Nowitzki, weil ich mich nie auf einer Stufe mit Dirk sehe. Er ist ein Idol. Er ist seit Jahren ein Wahnsinnsspieler und viel weiter in seiner Karriere als ich“, sagte Vollmer dieser Tage auch in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“.

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