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Sebastian Vollmer : Hüter des kostbaren Schatzes

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„Ich hatte einen Wahnsinnsspaß”: Sebastian Vollmer genießt sein Rookiejahr in der NFL Bild: dpa

Sebastian Vollmer, der einzige Deutsche in der National Football League, überzeugt bei den New England Patriots. Sogar vom strengen Trainer bekommt er inzwischen sparsames Lob.

          Es war die erste wirklich sehenswerte Aktion von Sebastian Vollmer in dieser Partie. Dem allerersten Spiel seiner Profikarriere, in dem der einzige Deutsche in der National Football League (NFL) von Anfang an auf dem Platz stand. Mit seinen mächtigen Armen und der Kraft von 145 Kilogramm Körpermasse schob er einen Verteidiger der Tennessee Titans aus dem Weg, sperrte den Weg frei für Running Back Laurence Maroney und ermöglichte ihm den ersten Touchdown der Partie.

          „Solche Blocks von einem Neuling geben den Ton an“, stand am nächsten Tag im „Boston Globe“, nachdem die New England Patriots ihren Gegner aus dem warmen Nashville im Schneetreiben von Foxborough abgefertigt hatten. 59:0 lautete das Ergebnis einer Begegnung, die dem Neuling noch lange in Erinnerung bleiben wird. „Ich hatte einen Wahnsinns-Spaß“, sagte er.

          Auch der Quarterback Tom Brady, der in Deutschland wegen seiner Ehegattin Gisele Bündchen und seiner drei Super-Bowl-Erfolge sehr viel bekannter ist als der 25 Jahre alte Vollmer, war von der Premiere des Teamkameraden mit der Rückennummer 76 angetan. Schließlich hatte der ihm das ganze Spiel über einen der besten Linebacker der Liga vom Leib gehalten. „Du siehst ja, wie groß er sich da draußen macht. Durch seine Intelligenz bringt er sich in die richtige Position. Das war hervorragend.“

          Abwehr der Dampframmenangriffe: Vollmer (l.) gegen Alex Busbee von den Washington Redskins

          Knapp zwei Wochen später steht Sebastian Vollmer, der einst als Teenager bei den Düsseldorf Panthers die Lust an der knallharten Sportart entdeckte und sich in den vier vergangenen Jahren als Stipendiat an der University of Houston die Fitness und das Können für das Spiel der Profis erwarb, nach dem Training im Bindfadenregen in den Katakomben der Arena und erweckt den Eindruck, nur ein Ziel zu haben: unauffällig seiner Arbeit nachzugehen und trotz seiner enormen Körperlänge von 2,03 Metern aus der Masse des großen Kaders nicht herauszustechen. „53 Leute arbeiten für dasselbe Ziel“, sagt er. „Und jeder muss seinen Teil dazu beitragen, damit das Team eine Chance hat zu gewinnen. Die Erwartungen sind hoch. Und da besteht ein sehr großer Druck.“ Typische Worte für einen Offensive Lineman im Football.

          Vollmer ist Bodyguard - die Show dominieren die anderen

          Spektakulär ist es nicht, wenn er sich den heranstürmenden Verteidigern in den Weg stellt und sie abdrängt. Die Show dominieren die anderen, mit dem Lederei kommt er so gut wie nie in Berührung. In 150 Jahren Football hat sich eine extreme Arbeitsteilung entwickelt; Trainer verschmähen längst jede Form von Improvisation und betrachten ihre Spieler wie lebendige Schachfiguren. Je nach Position und Rolle werden andere Körpermaße und andere Kraftwerte verlangt. Nur zwei Voraussetzungen müssen alle erfüllen: äußerste Anpassungsfähigkeit und Disziplin.

          Vollmers Job reduziert sich unterm Strich hauptsächlich auf eine Aufgabe: Er ist ein Bodyguard, und er beschützt das Kostbarste, was eine Footballmannschaft hat – die Gesundheit des Quarterback. Der Aufgabe Vollmers als Tackle auf der linken Seite kommt, weil die meisten Spielgestalter Rechtshänder sind, dabei eine ganz besondere Verantwortung zu. Er wehrt die Dampframmenangriffe der Pass Rusher von der „blind side“ ab, dem gefährlichen toten Winkel.

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