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Schwimmerin Therese Alshammar : Sehnsucht nach dem Strand

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Therese Alshammar: Bei den Wettkämpfen ist sie immer in Begleitung der kleinen Familie. Bild: Picture-Alliance

Die schwedische Schwimmerin Therese Alshammar kämpft um ihre inzwischen sechste Olympia-Teilnahme. Dabei hat sich ihr Blick auf das Spektakel unter den Ringen längst verändert.

          Therese Alshammar kommt ein wenig verspätet zum Gesprächstermin. Sohn Fred wollte nach einem Spaziergang durch den Queen Elizabeth Olympic Park nicht mehr laufen. Und dann dauert alles eben ein wenig länger, selbst bei einer der schnellsten Schwimmerinnen der Welt. Am Ende landete Fred auf dem Arm von Johan Wallberg Papa von Fred und Trainer von Mutter Therese, die sich an diesem Wochenende bei der EM in London für ihre sechsten Olympischen Spiele qualifizieren will.

          Wo Therese Alshammar hingeht, ist die kleine Familie immer dabei, auf Reisen, im täglichen Training. Ein Privileg, wie die 38-Jährige findet. Eines, das auch eine Beziehung zum eigenen Trainer einfacher mache. „Es ist hart, mit deinem Mann als Trainer zusammenzuarbeiten. Da ist normalerweise ein Ungleichgewicht. Dein Trainer ist ja auch eine Autorität, jemand, der eine große Verantwortung dafür trägt, dass der Athlet wächst.“ Seit aber Fred, der am Montag drei Jahre alt wird, geboren wurde, trennen sie ihre Welten. Wenn Alshammar von der gemeinsamen Arbeit spricht, nennt sie Wallberg ganz automatisch ihren „Coach“, redet sie aber über ihren Lebensgefährten, dann ist er „Johan“.

          Trotz mehrerer Medaillen wartet Alshammar noch auf ihren persönlichen olympischen Glücksmoment

          Therese Alshammar gewann mit 20 Jahren ihre erste internationale Medaille. Zu Beginn des Jahrtausends nannte sie sich selbst Schwimm-Göttin, inszenierte sich mit bunten Nägeln und Haaren als „Diva“, ein Schriftzug, den sie sich ebenso auf den Rücken tätowierte wie „Copyright“. Schnell habe sie den Stempel sexy und schwedisch aufgedrückt bekommen – und mitgespielt.

          Der Durchbruch gelang der Sprintspezialistin, die schon 1996 als sogenannter „Future Star“ und damals noch als Rückenschwimmerin in Schwedens Schwimmteam olympische Luft schnuppern durfte, 2000 in Sydney. Olympisches Silber über 50 und 100 Meter Freistil und Staffel-Bronze sind die größten Erfolge einer mit rund 70 internationalen Medaillen dekorierten Karriere. Und doch wartet Alshammar auch nach 20 Jahren im Schwimm-Zirkus immer noch darauf, endlich einmal Olympische Spiele so erleben zu können wie all jene Kollegen, die von unvergleichlichen Momenten im und neben dem Schwimmbecken schwärmen. Denn: Im Sommer 2000 sei sie trotz Doppel-Silber sehr unglücklich während der Spiele gewesen, sagt Alshammar, die damals bei Dirk Lange in Hamburg trainierte. Vier Jahre später hatte sie nach der Trennung von Trainer Lange und einem schwierigen Selbstfindungsprozess gerade erst begonnen, mit Wallberg zu arbeiten, die Ergebnisse spiegelten ihre schlechte Vorbereitung wider. Dann, nach ein paar guten Jahren, haben 2008 die Hightech-Anzüge die Spiele in Peking für sie entrückt: „Zuschauen zu müssen, wie schnell die Leute auf einmal waren, das war eine fürchterliche Erfahrung.“ London hätten ihre Spiele werden sollen. Dann klemmte sie sich einen Nerv im Nacken ein und erlebte die Spiele bis zu einem frustrierenden Freistil-Finale mit starken Schmerzen in ihrem Zimmer im Olympischen Dorf.

          Inzwischen habe sich ihre Sicht auf das Sport-Highlight unter den fünf Ringen verändert. Je älter sie werde, desto konkreter sehe sie das Spektakel in dem Sport-Event, desto besser erkenne sie die komplexen Strukturen, die hinter den Millionenspielen stecken. „Es ist einfach so viel mehr als Sport, es ist Weltwirtschaft, es ist Politik. Und als Athlet ist es einfach sehr hart, das zu kommentieren. Wir sind zwar die Darsteller, aber wir haben nicht viel zur Inszenierung zu sagen. Wir kreuzen da auf, wo das Unternehmen die Show aufzieht.“ Und doch: Wenn Therese Alshammar dieser Tage nach einem Spaziergang durch jenen Olympiapark, den sie nur vom Blick aus dem Zimmerfenster kannte, an ihren sechsten olympischen Anlauf denkt, dann sei da ein entspanntes Gefühl. Mit dem Bild eines weiten Sandstrandes vor Augen, auf dem Fred und Johan sitzen.

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