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Schwimmerin Silke Lippok : Frisch und unbekümmert – nicht nur im Wasser

Erste EM, erster Europameistertitel: Für Silke Lippok (2.v.l.) geht im Moment alles schnell Bild: dpa

Silke Lippok ist für eine Spitzenschwimemrin erstaunlich klein - 1,67 Meter - und erstaunlich schnell, vor allem für ihr Alter: Die Sechzehnjährige gewinnt in Budapest in ihrem ersten EM-Rennen Staffelgold und ist schon jetzt die große Zukunftshoffnung unter den deutschen Schwimmerinnen.

          Der Aufstand der Jungen hatte nicht stattgefunden. Dabei war die Gelegenheit gut, schließlich hatten einige prominente Schwimmer für die deutschen Meisterschaften Anfang Juli abgesagt. Doch: „Die jungen Leute haben sich nicht in dem Ausmaß in Szene gesetzt, wie wir uns das erhofft hatten“, hatte Bundestrainer Dirk Lange damals gesagt. Nur eine hatte in Berlin herausgeragt, vor allem durch ihren Meistertitel über 200 Meter Freistil: die 16 Jahre alte Silke Lippok. Kein Wunder, dass Lange schon vor der EM in Budapest große Stücke auf sie hielt. „Mit ihrer Frische und Unbekümmertheit tut sie der Mannschaft gut, gerade auch in der Staffel“, sagte er.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wie weit sie die Staffel wirklich voranbringen kann, zeigte Silke Lippok am Montagabend. Da gewann sie in Budapest mit Daniela Samulski, Lisa Vitting und Daniela Schreiber im Finale über 4x100 Meter Freistil in 3:37,72 Minuten die erste Goldmedaille für die Beckenschwimmer des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV). Es war zugleich das erste große EM-Finale für Silke Lippok, und obwohl ihre Spezialstrecke eigentlich die 200 Meter Freistil sind, schwamm die Jüngste beim Sieg der Deutschen vor Großbritannien (3:38,57) und Schweden (3:38,81) die schnellste Zeit der vier DSV-Frauen – 53,78 Sekunden, mit fliegendem Wechsel.

          „Es war grandios, ein toller Auftakt“, sagte sie, und: „Es hat sich eigentlich gar nicht so schnell angefühlt.“ Einen Tag später gelang ihr schon der nächste Erfolg: Zusammen mit Daniela Schreiber schaffte sie den Sprung ins Halbfinale über 100 Meter Freistil und setzte sich dabei in 55,04 Sekunden unter anderem knapp gegen die Gold-Kollegin Daniela Samulski (55,09) durch. Im Semifinale war dann allerdings nach 55,15 Sekunden Endstation, den Endlauf verpasste sie um zwei Zehntel.

          Herausragend: Silke Lippok, 16 Jahre alt

          Es geht alles im Moment ein bisschen schnell im Leben der Schwimmerin Silke Lippok. Im vergangenen Monat erst gewann die Schülerin fünf Goldmedaillen bei den Junioren-Europameisterschaften – so viele wie keine andere Schwimmerin, nur der Franzose Yannick Agnel war in Helsinki genauso erfolgreich. Nun hat sie mit EM-Gold in Budapest schon den nächsten Schritt getan, und hört man ihr zu, dann klingt das, als müsste man sich darüber eigentlich gar nicht groß wundern. „Ich bin noch jung, ich stehe hier nicht so unter Druck, ich habe noch viele Titelkämpfe vor mir“, sagt die Schülerin aus Pforzheim. „Ich habe hier nichts zu verlieren.“ Dass sie in Budapest gegen die besten Schwimmerinnen Europas antritt, nimmt sie gelassen. Respekt ja, Angst nein, mit diesem Rezept begegnet sie ihren Konkurrentinnen bei der EM.

          Für eine Spitzenschwimmerin erstaunlich klein

          Mit zwölf Jahren kam Silke Lippok 2006 in die erste Mannschaft der SSG Pforzheim, seither trainiert sie bei Rudi Schulz. Dort fühlt sie sich wohl, die Zusammenarbeit mit der Schule klappt gut, und deshalb nimmt sie auch das 25-Meter-Becken in Kauf, das ihr dort nur zum Training zur Verfügung steht. Ihr zweites sportliches Zuhause ist der Stützpunkt des Deutschen Schwimm-Verbands in Heidelberg, in dessen Lehrgänge und Trainingslager sie eingebunden ist.

          Die 16-Jährige ist für eine Spitzenschwimmerin erstaunlich klein, sie misst gerade 1,67 Meter, gilt aber als enorm trainingsfleißig. Die 200 Meter Freistil haben es ihr besonders angetan, weil „man da auch ein bisschen taktieren kann, da hat man einfach mehr vom Rennen“. In Budapest steht die Entscheidung über ihre Paradestrecke am Samstag an, und Silke Lippok wäre gerne im Finale dabei.

          Wie stark der Eindruck ist, den sie schon jetzt hinterlassen hat, zeigte auch die Verbeugung der Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen. „Neben ihr“, sagte die Weltrekordhalterin über 50 und 100 Meter Freistil jüngst in Berlin, „würde ich über 200 Meter alt aussehen“. Silke Lippok, die bei ihrer EM-Premiere in Budapest so unaufgeregt, so unerschütterlich und in sich ruhend auftritt, als messe sie sich seit Jahr und Tag mit der Spitze des Schwimmsports, konnte freilich auch das nicht aus dem Gleichgewicht bringen. „Das glaube ich zwar nicht“, sagte sie, „aber es hat mich natürlich sehr gefreut“.

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