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Schwimmerin Britta Steffen : Heimische Gefühle in Peking

  • -Aktualisiert am

Testen für Olympia: Britta Steffen im Becken von Peking Bild: REUTERS

Britta Steffen ist bei den vorolympischen Schwimmwettkämpfen mangels Konkurrenz eine Klasse für sich. Gelohnt hat sich die Reise nach Peking dennoch, trotz schwacher Zeit. Schließlich wird in China im August nichts so sein wie gewohnt.

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          Als die Nationalhymne erschallte, mag Britta Steffen vorausgedacht haben, zumindest für einen Moment lang. Was wäre, wenn jetzt schon August wäre? Wenn die Olympischen Spiele bereits begonnen hätten? So aber konnte sich die Weltrekordhalterin über 100 Meter Freistil nur über den ersten Sieg einer deutschen Athletin im olympischen Schwimmstadion freuen, 189 Tage vor der Eröffnungsfeier in Peking.

          Ist doch auch was, lacht Britta Steffen: „Es ist ein schönes Gefühl, bei diesem ersten Wettkampf in Peking auf dem Podium gestanden zu haben. Wenn nun alle Stricke reißen und ich es im August nicht schaffen sollte, aufs Podium zu kommen, habe ich hier einen kleinen Trost.“ Die enttäuschende Zeit von 54,73 Sekunden gegen schwache Konkurrenz war auf Grund eines grippalen Infekts und der ungenügenden Vorbereitung zu verschmerzen.

          „Wir wollen uns ans Becken gewöhnen“

          Seit Donnerstag testen Britta Steffen und 15 weitere Schwimmer des Deutschen Schwimmverbandes die Olympiatauglichkeit des Water Cube, der spektakulären Schwimmarena mit ihrer nachts leuchtenden Außenhülle. Doch was die Organisatoren als internationalen Testwettkampf ankündigten, entpuppt sich im Kern als deutsch-chinesischer Vergleich. Nur der DSV hat einen Großteil seiner Spitzenathleten geschickt. Sonst treten nur wenige Topstars an wie die polnische Olympiasiegerin Otylia Jedrzejczak.

          Schwimmgroßmächte wie die Vereinigten Staaten, Russland oder Australien fehlen völlig. Selbst Gastgeber China verzichtet auf fast alle seine Topathleten, auch auf Wu Peng, Weltmeisterschaftszweiter über 200 Meter Schmetterling. Aufgefüllt wird das Teilnehmerfeld mit Sportlern aus Taiwan, Macao, Hongkong oder Nigeria. Manche Vorläufe bestreiten gerade mal drei Schwimmer in oft ausgesprochen schlechten Zeiten. „Enttäuschend“, findet das Steffen, „aber was soll’s. Wir wollen uns ans Becken gewöhnen und ein heimisches Gefühl bekommen“, betont die Olympiateilnehmerin von Sydney und Athen.

          Gewöhnung an ungewöhnliche Startzeiten

          Andere Verbände dagegen haben nur Beobachter geschickt. Warum? DSV-Sportdirektor Örjan Madsen zuckt mit den Schultern. Vielen Athleten helfe es, sich mit der Halle vertraut zu machen. Für andere sei das nicht so entscheidend. Deshalb habe er auch jedem seiner Kaderschwimmer freigestellt, diese Reise mitzumachen.

          Jetzt schon in Peking zu sein sei ein Vorteil, betont auch der Frankfurter Helge Meeuw nach seinem Sieg mit der Lagenstaffel. Dabei können sich die Deutschen gleich an die ungewöhnlichen Startzeiten gewöhnen. Auf Druck des mächtigen amerikanischen Fernsehens beginnen die Vorläufe um 18.30 Uhr, die Finals um 10 Uhr vormittags. Derselbe Rhythmus gilt auch bei diesem Testwettkampf, den China Open. Nicht jeder steckt die Zeitumstellung locker weg.

          „Wir merken schon, wie schwierig das ist“

          Britta Steffen beispielsweise lag vor ihrem Finalsieg die halbe Nacht wach. Der DSV werde daraus seine Lehren ziehen, meint Sportdirektor Madsen: „Wir merken schon, wie schwierig das für einige ist, morgens bei den Endläufen ihre Topleistung zu bringen. In der letzten Woche vor den olympischen Spielen muss man so früh aufstehen, dass man bis zum Wettkampf lange genug auf den Beinen war und ordentlich wach ist.“

          Wer kurz vor dem Rennen immer noch döst, den brüllen die chinesischen Helfer wach. Per Megafon kommandieren die Volunteers die deutschen Olympiakandidaten wie Annika Lurz (Würzburg), Daniela Götz (Erlangen), Annika Mehlhorn (Baunatal) oder Paul Biedermann (Halle) an den Startblock. Nach dem Rennen gewähren sie fürsorglichste Rundumbetreuung und geleiten die Athleten auf Schritt und Tritt vom Becken zur Siegerehrung und zur Pressekonferenz. Und wenn eine Sportlerin wie Britta Steffen sich einfallen lässt, zwischendrin mal ein Rennen von der Tribüne aus zu verfolgen, dann setzt sich ein Helfer lächelnd daneben. Wie bei Kleinkindern, wundert sich Britta Steffen und zieht den Reißverschluss ihrer Trainingsjacke hoch. Noch ist es kühl im Water Cube.

          „Den Smog können wir nicht ändern“

          Im August allerdings werden ganz andere Bedingungen herrschen. Auch Örjan Madsen rechnet mit sengender Hitze und dem gefürchteten Pekinger Smog. Doch anders als amerikanische Sportwissenschaftler will der Norweger nicht lamentieren: „Wir müssen uns über die Dinge Gedanken machen, die wir ändern können. Den Smog können wir nicht ändern. Aber wir schwimmen in einer Halle und werden weniger Probleme haben als Leichtathleten oder andere. Ich glaube nicht, dass im Schwimmen der Smog ein wichtiger Faktor sein wird.“

          Bei Olympia erwartet Madsen deshalb auch neue Rekorde. Die Pekinger Schwimmarena biete alle Voraussetzungen für Weltklassezeiten. Das Becken sei besonders tief. Das garantiere einen geringen Wasserwiderstand. Die Anfeuerung von 17 000 Zuschauern, verteilt auf zwei gigantische Tribünen auf beide Längsbahnen, werde in der riesigen Halle einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugen, vermutet Madsen: „Ich kann mir vorstellen, das wird ein phantastisches Erlebnis sein.“

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