https://www.faz.net/-gtl-aap81

Schwimmerin Anna Elendt : Plötzlich ist der schöne Traum zum Greifen nahe

  • -Aktualisiert am

Aus Texas angereist: Anna Elendt Bild: Getty

In Berlin will Schwimmerin Anna Elendt über 100 Meter Brust das Olympiaticket für Tokio lösen. In Amerika machte die 19-Jährige aus Hessen neue Erfahrungen.

          3 Min.

          Die Sprachmelodie erzählt, wo Anna Elendt jetzt lebt. Im vergangenen Sommer war die Schwimmerin aus ihrer hessischen Heimat an die Universität in Austin im amerikanischen Bundesstaat Texas umgesiedelt. In ein System, das, wie sie selbst sagt, die Sportler „auf einem Silbertablett trägt“. Das Amerikanische hat die 19-Jährige schon hörbar geprägt. Jetzt ist die Studentin für eine Woche nach Deutschland zurückgekommen, um das zu tun, was sie liebt: „Mich zu battlen.“

          Verpassen Sie keinen Moment

          Sichern Sie sich F+ 3 Monate lang für 1 Euro je Woche und lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          An diesem Freitag (ab 10.00 Uhr) wird die für die SG Frankfurt startende Brustspezialistin bei der Olympia-Qualifikation in Berlin ins Becken springen. Die Lockerheit, die die junge Frau aus Dreieich-Götzenhain früh als Wettkampftyp auszeichnete, paart sich dabei mit gestärktem Selbstbewusstsein. Das Ticket nach Tokio, vor Jahresfrist kaum mehr als ein schöner Traum, scheint erreichbar zu sein.

          Für einen Einzelstart in Japan müsste im Vor- oder Endlauf der deutsche Rekord über 100 Meter Brust von 1:07,01 Minuten fallen. Das traut sich Anna Elendt, deren Bestmarke bei 1:07,50 steht, ebenso zu wie im alternativen Showdown um einen Staffelplatz gegen die Konkurrenz im Finale die Hände zuerst am Anschlag zu haben.

          Nahe dran an den Spielen

          Natürlich müsse dafür „alles passen“. Sich Druck zu machen, wäre fehl am Platz. Sollte es mit der Reise nach Asien nicht klappen, würde die ehemalige Athletin des DSW Darmstadt wahrscheinlich im Mai zu den Europameisterschaften nach Budapest fahren. Dort sollen, mit Ausnahme der Medaillenanwärter wie ihr Klubkollege und ehemalige Weltmeister Marco Koch, die Olympiakandidaten des Deutschen Schwimm-Verbandes nicht starten.

          Erfahrungen mit internationalen Großereignissen hat Anna Elendt schon. Als deutsche Doppelmeisterin bei den Welttitelkämpfen 2019 in der südkoreanischen Stadt Gwangju dabei, überraschte die Debütantin über 50 Meter Brust mit dem Finaleinzug und einem siebten Platz. Wenige Monate später, beim Weltcup in Berlin, prangte ihr Foto auf allen Akkreditierungen. Auf die „komische“ Situation reagierte das neue Gesicht des DSV mit einem ersten Seriensieg.

          Die Überraschung über 50 Meter: Anna Elendt bei der WM 2019
          Die Überraschung über 50 Meter: Anna Elendt bei der WM 2019 : Bild: dpa

          Nahe dran an den Spielen 2021 sah das Talent, dem sein ehemaliger Trainer Alexander Kreisel größtes Potential bescheinigte, sich trotzdem erst im November. Bei den US Open verbesserte Anna Elendt über 100 Meter Brust ihre bis dahin geltende Bestzeit um mehr als eine halbe Sekunde. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Veränderungen so schnell auswirken würden“, sagt sie.

          In ihrer sportlichen Wahlheimat genießt die Stipendiatin optimale Bedingungen: Vom Wohnheim auf dem Campus, wo sie das Zimmer mit einer Schwimmkollegin teilt, sind es nur vier Minuten Gehzeit zum Becken oder Kraftraum. Die Sportler haben eine eigene Mensa, in der es „richtig gutes und gesundes Essen gibt“. Durch die intensive medizinische Betreuung hat Anna Elendt ihre Knieprobleme bestens im Griff.

          „Muss mehr ins Gleiten kommen“

          20 Schwimmerinnen, die alle genauso motiviert sind wie sie selbst, dazu die Sonne am Himmel und am Beckenrand Musik – das pusht Anna Elendt in jedem Training zu 100 Prozent. In puncto Technik gab es für den Neuzugang eine Überraschung. „Ich dachte immer, mein Bruststil sei ganz okay“, sagt sie. Vor Ort vermittelte ihr Trainerin Carol Capitani, die einst Rebecca Soni zu Olympiasiegen coachte, einen anderen Rhythmus von Armzug und Beinschlag.

          „Vorher habe ich die beiden Bewegungen fast gleichzeitig gemacht.“ Indem sie sie auseinanderziehe, könne sie „mit weniger Aufwand schneller sein“. Auch an Tauchzug und Wenden arbeitete Anna Elendt. Veränderungen, die notwendig waren, um die schnellkräftige Athletin, die ihre größten Erfolge bislang über die nicht-olympischen 50 Meter Brust bejubelte, über die doppelt so lange Strecke stärker zu machen. „Ich muss für 100 Meter mehr ins Gleiten kommen“, sagt sie.

          In der Uni, an der die Abiturientin im Online-Unterricht erst mal nur die für alle verpflichtenden Kurse zu amerikanischer Geschichte und dem politischen System belegt hat, leisten Tutoren individuelle Unterstützung. Ein Essay auf Englisch zu schreiben, davor hatte sie vorher viel Respekt. „Ich dachte, das wird mir vielleicht alles zu viel.“

          Doch jeder Bereich wird professionell betrieben. Auch der Umgang mit dem Coronavirus. An sämtlichen Eingängen zu Gebäuden werden automatisch die Körpertemperatur gemessen und das Gesicht nach einer Maske abgescannt. Die Schwimmerinnen werden einmal pro Woche getestet und bilden eine eigene Blase.

          Auch ihre erste Impfung hat Anna Elendt schon hinter sich. „Die zweite wäre jetzt gewesen.“ Die musste sie verschieben. Am Sonntag kam sie in ihrer Heimat an, um sich bei Landestrainerin Shila Sheth, die mit dem Trainerteam in den Vereinigten Staaten ständig in enger Verbindung steht, auf die entscheidenden Momente in Berlin vorzubereiten. Am Montag wird Elendt wieder zurückfliegen – mit oder ohne Olympiaticket.

          Update: Olympia-Ticket für Anna Elendt

          Lucas Matzerath und Anna Elendt von der SG Frankfurt haben am ersten Tag der Olympia-Qualifikation der Schwimmer in Berlin die Tickets für die Reise nach Tokio gelöst. Der 20 Jahre alte Matzerath blieb über 100 Meter Brust schon im Vorlauf in 59,63 Sekunden und damit neuer persönlicher Bestzeit unter der Norm für einen Einzelstart in Asien. Diese Leistung konnte er bei seinem zweiten Platz im Finale hinter dem deutschen Rekordhalter Fabian Schwingenschlögl (Neckarsulm/ 59,30) in 59,42 Sekunden sogar noch toppen.

          Die ein Jahr jüngere Anna Elendt verpasste zwar den vorgegebenen Richtwert von 1:07,00 Minuten. Durch ihren Sieg im Endlauf über 100 Meter Brust mit der neuen individuellen Bestmarke von 1:07,17 Minuten, nur 16 Hundertstel über dem deutschen Rekord, empfahl sich die Studentin jedoch für einen Start in der Lagenstaffel. Sarah Köhler, die wie ihr Frankfurter Klubkollege Marco Koch schon vor dem Showdown in Berlin für die Spiele in Japan gesetzt war, schwamm über 1500 Meter Freistil in 15:52,20 Minuten auf den zweiten Platz der Weltjahresbestenliste. (kaja.)

          Weitere Themen

          Das Drama um Christian Eriksen Video-Seite öffnen

          Herzdruckmassage auf dem Platz : Das Drama um Christian Eriksen

          Bei der Begegnung zwischen Dänemark und Finnland war der 29-jährige Christian Eriksen kurz vor Ende der ersten Halbzeit kollabiert. Fans und Spieler zeigten sich fassungslos. Die gute Nachricht: Der Zustand des dänischen Nationalspielers hat sich stabilisiert.

          Topmeldungen

          Nicht mehr länger Israels Regierungschef: Benjamin Netanjahu

          Bennet neuer Regierungschef : Israels Premierminister Netanjahu abgelöst

          Eine knappe Mehrheit der Abgeordneten im israelischen Parlament stimmt für eine neue Regierung. Damit ist das Acht-Parteien-Bündnis unter Führung von Naftali Bennett von der ultrarechten Jamina und Jair Lapid von der Zukunftspartei an der Macht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.