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Schwimmen : Zurück zu den Ursprüngen: Anzüge künftig ohne Kunststoffe

Mit Rucksack muss auch Michael Phelps von 2010 an nicht schwimmen - aber mit „altem” Anzug Bild: dpa

Der Schwimm-Weltverband Fina hat die Reißleine gezogen. Von 2010 an sind die Ganzkörperanzüge aus Hightech-Materialien verboten. Die Reaktionen sind überwiegend positiv - doch was wird aus den ganzen jüngsten Rekorden?

          Der Schwimm-Weltverband Fina hat die Reißleine gezogen. Kurz vor dem Beginn der Schwimmwettbewerbe bei der Weltmeisterschaft in Rom beschloss der Kongress der Fina, die Ganzkörperanzüge aus Hightech-Materialien, die zuletzt zu einer Rekordflut im Schwimmsport geführt hatten, von Januar 2010 an zu verbieten. Danach sollen die Anzüge nur noch aus Textilstoffen bestehen und keine Kunststoffbeschichtung mehr aufweisen sowie deutlich kürzer geschnitten sein.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Bei den Männern ist eine Lösung von der Taille bis zum Knie denkbar, bei den Frauen ein schulterfreier Anzug, der ebenfalls bis zum Knie reicht. Die genauen Bestimmungen hinsichtlich Form und Material soll das Fina-Bureau bis Dienstag kommender Woche festlegen. Der beim Kongress neu gewählte Präsident des Weltverbands, der Uruguayer Julio Maglione, sagte: „Das ist ein großer Tag für die Fina und den Schwimmsport.“ Für die WM in Rom freilich kommt der Beschluss zu spät.

          Der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbands, Lutz Buschkow, begrüßte die Entscheidung dennoch. „Damit ist das Wettrüsten beendet, und der Schwimmsport kehrt wieder zu seinen Ursprüngen zurück“, sagte Buschkow. „Theoretisch beginnt am 1. Januar jetzt eine neue Zeitrechnung.“ Auch der Trainer des amerikanischen Superstars Michael Phelps, Bob Bowman, äußerte sich positiv. „Nun liegt der Schwerpunkt wieder auf Technik, Training und der Arbeit im Becken, nicht auf dem Material“, sagte er.

          Zwei Franzosen klagen vor dem Sportgerichtshof Cas

          Noch ist jedoch unklar, wie die Fina mit den enorm verbesserten Rekorden umgehen will, die in den vergangenen beiden Jahren in den Ganzkörperanzügen erzielt wurden. Auch darüber soll das Fina-Bureau beraten. Ein Vorschlag des amerikanischen Verbands sieht vor, alle Rekorde, die zwischen Februar 2008 und Januar 2010 geschwommen wurden, in den Rekordlisten eigens zu kennzeichnen.

          Unterdessen ging der Materialstreit auch nach dem Verbot der High-Tech-Anzüge von 2010 an in Rom weiter. Die Franzosen Amaury Leveuax und Aurore Mongel wollten mit Hilfe des Internationalen Sportgerichtshofes Cas doch noch in ihren bereits vom Weltverband Fina abgelehnten Anzügen starten. Doch der Cas lehnte ihren Eil-Antrag noch am Samstag ab. Die Fina hatte die Anzüge im vergangenen Monat für die WM nicht zugelassen, da das Material zu 100 Prozent aus Polyethuran bestehe. Der amerikanische Ausrüster (TYR) argumentiert jedoch, dass Modelle aus demselben Kunststoff eines italienischen Herstellers (Jaked) erlaubt worden seien.

          Während die Schwimmer noch über die Regeln vor und nach der WM diskutierten, liefen die Titelkämpfe in den anderen Disziplinen weiter. Das Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett beendeten die deutschen Finalteilnehmerinnen Katja Dieckow und Nora Subschinski auf dem neunten Platz. Es gewannen die Chinesinnen Guo Jingjing/Wu Minxia. Die Synchronspringer Sascha Klein und Patrick Hausding mussten sich als Zweite im Vorkampf vom Turm nur den Chinesen Huo Liang/Lin Yue geschlagen geben. Eine herbe Enttäuschung brachte das letzte Gruppenspiel den deutschen Wasserballspielern: Sie verloren gegen Kanada 4:5 und bekommen es nun in der Zwischenrunde wohl entweder mit Weltmeister Kroatien oder Europameister Montenegro zu tun.

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