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International Swimming League : Reibung am Beckenrand

  • -Aktualisiert am

Emotionen auch im Wasser: der Amerikaner Caeleb Dressel beim ISL-Event in Budapest Bild: EPA

Mit einem neuartigen Format will die International Swimming League den Schwimmsport populärer machen. Im Prinzip eine gute Idee. Doch gegen den Veranstalter häufen sich die Klagen.

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          Die Cali Condors haben die ISL gewonnen. Sie kennen weder die einen noch das andere? Das ist genau das Problem. Die International Swimming League (ISL) hat sich vorgenommen, den Schwimmsport populär zu machen. Mit einem neuen Format, in dem in TV-freundlichen zwei Stunden ausschließlich Endläufe geschwommen werden, modern produziert, ein DJ steht auch am Beckenrand. Die Sportler treten nicht für sich, sondern in Teams an, eines davon eben jene Cali Condors.

          Mit der Idee und dem lukrativen Versprechen, sechs Millionen Euro an Antritts- und Preisgeldern ausschütten zu wollen, konnte die ISL schon für die erste Saison 2019 die besten Schwimmer der Welt locken. 2020 wollte die Liga aufdrehen. Mehr Teams, mehr Matches, Schwimmen von September bis März. Es kam anders. Ein Bubble-Event, in dem alle zehn Teams innerhalb von fünf Wochen in einer Corona-freien Blase auf der Margareteninsel in Budapest ihren Sieger finden sollten, wurde dennoch auf die Beine gestellt. „Wir sind aufs Schwimmen und Preisgelder angewiesen“, sagt Marco Koch, einer von acht deutschen Schwimmern, die in Budapest dabei waren. Das Messen mit den Besten habe vielen gefehlt, „daher hat es echt gutgetan“. Auch in diesem Jahr waren Dutzende Olympiasieger am Start, sechs Kurzbahn-Weltrekorde fielen allein am Finalwochenende.

          Vieles richtig gemacht

          Die ISL hat also im Grunde vieles richtig gemacht. Das sagt auch Christoph Breuer. Der Sportökonom hat die ISL mit Interesse verfolgt. „Die Stars und neue, attraktive, kurzweilige Wettkämpfe – das generiert Nutzen bei Zuschauern, vor Ort, aber vor allem vor den Fernsehschirmen und darüber bei den Fernsehstationen“, sagt Breuer. Und doch: Das Interesse scheint auch im zweiten Jahr nicht besonders groß. Die Übertragung in immerhin 140 Ländern findet häufig nur in Spartenkanälen oder über kostenpflichtige Anbieter statt. In Deutschland etwa hatte Eurosport die Matches der Premierensaison mal live, mal zeitversetzt gesendet. Der Eurosport Player zeigte die Wettbewerbe wieder in vielen Ländern, für Deutschland hatte man sich „aus redaktionellen und programmtechnischen Gründen“ dagegen entschieden, wie Mutterkonzern Discovery auf Nachfrage mitteilte. Die britische BBC, die alle Wettkämpfe des Teams London Roar auf allen Plattformen außer dem klassischen TV übertrug, erkannte breiteres Interesse immer dann, wenn es um Olympiasieger Adam Peaty ging.

          „Richtige Richtung“: Marco Koch
          „Richtige Richtung“: Marco Koch : Bild: dpa

          Breuer sagt: „Es ist schwierig, mit Schwimmen erfolgreich zu sein, weil sich Schwimmen jenseits der Olympischen Spiele weltweit nicht als Fernsehsportart durchsetzen konnte.“ Daher sei die Entwicklung von globalen Stars umso wichtiger für den nachhaltigen Erfolg. Das hat auch die ISL erkannt, deren Gründer und Geldgeber Konstantin Grigorischin sich in der ersten Saison noch vehement gegen Interviews und Hintergrundgeschichten gewehrt hatte. Mittlerweile bieten die ISL den Fans zahlreiche Einblicke, um der sehr künstlichen Oberfläche einen menschlichen Touch zu verleihen. Beim Faktor Eventisierung ergebe sich ein weiteres Problem: das Schwimmbecken. Die Tour de France, der Ironman auf Hawaii, das Lauberhornrennen – diese Events würden auch von einem besonderen geographischen Bezug leben. „Das ist bei einer Sportart wie Schwimmen schwer möglich“, sagt Breuer.

          Rechtliche Schritten gegen ISL

          Zudem häufen sich Klagen über die Geschäftsführung. Die Agentur Live Wire Sport kündigte am Montag an, wegen Ausständen in sechsstelliger Höhe rechtlich gegen die ISL vorgehen zu wollen, auch IMG Media und die Nachrichtenagentur „La Presse“ hatten zuvor offene Rechnungen beklagt. Kurz vor dem Finale hatte zudem der Teammanager von Vorjahressieger Energy Standard gekündigt. In einem offenen Brief an Grigorischin kritisierte Jean-François Salessy die „mittelalterliche“ Führung. Die Organisation kümmere sich zwar um die Preisgelder der Schwimmer und Trainer, aber die „Agenten, GMs (Teammanager wie Salessy; d. Red.), Dienstleister, Techniker und Hilfspersonal sind in diesem Film nur Statisten, die nach Belieben ersetzt werden können“.

          Die ISL selbst hatte kürzlich eingeräumt, die Konzentration auf die Saison 2020 „mag bei einigen Lieferanten zu Reibungen geführt haben“. Man werde allen Verpflichtungen nachkommen, die ohnehin nur „weniger als fünf Prozent der Gesamtausgaben des letzten Jahres ausmachen“.

          Die Vorwürfe Salessys wollte die ISL nicht kommentieren. Es bleibt schwer für die International Swimming League. Immerhin: Marco Koch meint, in puncto Aufmerksamkeit eine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr wahrgenommen zu haben: „Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung.“ Für 2021 hofft der ehemalige Weltmeister auf einen Schwung durch die Olympischen Spiele: „Und wenn dann die Saison von September bis März stattfindet, kann man übers ganze Jahr verteilt Schwimmen gucken.

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