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Schwimmen : Mit 15 Jahren aus Erfahrung gut

  • -Aktualisiert am

Über und unter Wasser der Größte: Michael Phelps Bild: AP

Sie ist erst 15 und zieht doch schon ähnliches Interesse auf sich wie ihr großes Vorbild Michael Phelps: Katie Hoff, das neue überragende Schwimm-Talent der Amerikaner, muß allerdings vor allem Schlagfertigkeit trainieren.

          3 Min.

          Es gibt nur wenige Menschen, die bereits im Alter von fünfzehn Jahren über ihre Karriere reflektieren. Wenn man jedoch Katie Hoff heißt und neben einem Schwimmer wie Michael Phelps heranwächst und als eine der Favoritinnen in einer so schwierigen Disziplin wie den 400 Meter Lagen zu den Olympischen Spielen fährt, kommt das Nachdenken von ganz alleine. Besonders wenn man schon im Vorlauf einbricht und gar nicht erst das Finale erreicht. "Das waren meine ersten internationalen Wettbewerbe", erinnert sich die Amerikanerin. "Da habe ich viel gelernt und sehr viele Erfahrungen gewonnen."

          Was die wert sind, konnten die Zuschauer im "Natatorium" der Universität Indiana erleben. Da pflügte das nächste überragende Schwimmtalent der Vereinigten Staaten im Rahmen der Qualifikationswettbewerbe für die Weltmeisterschaft im Juli in Montreal über 200 und 400 Meter Lagen und 200 Meter Freistil beinahe unangefochten zum Sieg. Mit dem zweiten Platz über 200 Meter Rücken schob die 1,72 Meter große Schülerin dann endgültig einen erheblichen Teil des Interesses auf sich.

          Währenddessen war ihre Olympia-erfahrene Gegnerin Kaitlin Sandeno froh, daß sie sich über die 400 Meter als Zweite hinter Katie Hoff einen Platz in der Mannschaft für Montreal sichern konnte. Die Einundzwanzigjährige, die schon seit einer Weile über Rücktritt nachdenkt, gehört nicht zu der wachsenden Schar von Hoff-Fans. Sonst hätte sie wohl nicht das gesamte Leistungsniveau von Indianapolis in Frage gestellt. Die Qualifikationswettbewerbe seien "dumm", sagte sie. Die besten amerikanischen Schwimmer seien entweder nicht in Form oder machen Pause.

          Zu den Abwesenden gehört unter anderem die Brustschwimmerin Amanda Beard, die lieber anderen beruflichen Interessen nachgeht - als Fotomodell, das es bis in die ominöse Badeanzugausgabe der Zeitschrift Sports Illustrated schaffte, und als Kosmetik-Unternehmerin, die unter ihrem eigenen Namen Körperpflegemittel herausbringen wird. "Das wird nicht das beste Team", sagte Kaitlin Sandeno.

          Ein Autogramm von Phelps

          Katie Hoff, die immerhin über 200 Meter Lagen mit 2:11,24 Minuten einen neuen amerikanischen Rekord aufstellte, verfügt noch nicht über den Schneid, solche Nickligkeiten aus der Nachbarbahn zu parieren. Wenn überhaupt, dann trainiert sie ihre Schlagfertigkeit noch im Umgang mit höchst beeindruckbaren Schwimmküken im North Baltimore Aquatic Club. Schon das ist ein enormer Schritt. Es ist noch nicht so lange her, da saß sie selbst zwischen den Eleven und lauschte den erfahrenen Schwimmern und bat einen gewissen Michael Phelps um ein Autogramm.

          Der sechsfache Goldmedaillengewinner von Athen war in Indianapolis fraglos die überragende Figur der sechstägigen Veranstaltung. Zumal die Qualifikation zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen von Athen eine Standortbestimmung ermöglicht. Der Neunzehnjährige hatte zunächst in sieben Einzelwettbewerben gemeldet, was ihm theoretisch den Weg zu insgesamt zehn WM-Titeln geöffnet hatte. Dann verzichtete er auf die 400 Meter Lagen. Einer der Gründe: "Mein Rücken ist nicht hundert Prozent."

          Nach dem Erfolg über 100 Meter Butterfly gegen den Weltrekordhalter Ian Crocker war davon nicht mehr die Rede. "Ich fühle mich wie der ganz normale Michael", sagte Phelps, nachdem er mit einem letzten langen Armzug seinen Widersacher ähnlich knapp wie in Athen geschlagen hatte. "Ich lächle mehr. Ich bin zufriedener." Das mußte auch mit der geschwommenen Zeit zu tun haben: 51,34 Sekunden, nur zwei Zehntelsekunden schlechter als seine persönliche Bestleistung.

          Rekordverdächtiger Werbevertrag

          Auch außerhalb des Beckens hängt Phelps weiterhin die Konkurrenz ab. Anfang März unterschrieb er einen Werbevertrag mit einer Elektronikfirma in Hongkong, der ihm dem Vernehmen nach über vier Jahre vier Millionen Dollar einbringen wird. Sein Agent Peter Carlisle hat keinen Zweifel: Das Papier hat Rekordzuschnitt. "Einen lukrativeren Vertrag hat es bisher noch nicht für einen Athleten aus einer olympischen Sportart gegeben. Und das ist noch nicht alles. Der derzeit neben dem Australier Ian Thorpe berühmteste Schwimmer der Welt verfügt über ein ganzes Portfolio von Vereinbarungen mit namhaften Unternehmen - darunter ein Kontrakt mit einer Kreditkartenfirma, einer Telefongesellschaft und einer Hypothekenbank.

          Vorläufig vergessen sind die juristischen Probleme, die er sich im letzten Herbst einhandelte, als er beinahe mit seinem "Land Rover" einen Streifenwagen der Polizei gerammt hätte. Die Sponsoren zeigten sich verständnisvoll, nachdem der Jungstar reuig vor einem Gericht angekündigt hatte, sich in Zukunft nicht mehr alkoholisiert ans Steuer zu setzen. Seine Strafe - eine achtzehnmonatige Bewährungszeit sowie eine Geldbuße von 250 Dollar - wirkte so, als habe der Richter sich die Argumentation von Trainer Bob Bowman zu eigen gemacht: "Niemand sollte ihn bedauern", meinte er. "Aber ich hoffe, daß ihm Leute den Rücken stärken, wenn er unten ist, genauso wie sie ihn unterstützt haben, als er ganz oben stand."

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