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Schwimmen : Helge Meeuw – voller Zweifel voran

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„Mein Kopf ist so was von frei”: Schwimmer Helge Meeuw hat die freie Zeit genossen Bild: Achim Dreis

Nach einer harten Saison hat Helge Meeuw viel neue Kraft getankt. Der Schwimmer der SG Frankfurt hat Olympia 2012 im Visier, sorgt sich aber um seinen Sport. Denn an ein Ende der Materialschlacht von 2010 an glaubt er noch nicht.

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          „Man muss erst mal eine Barriere überwinden, aber nach ein paar Tagen gewöhnt man sich daran und achtet gar nicht mehr darauf“, sagt Helge Meeuw über die Magie des Abschaltens. „Man kann das Handy ausmachen und eine Weile nicht mehr erreichbar sein, das ist ein herrliches Gefühl.“

          Der WM-Zweite im Rückenschwimmen hat die Erfahrung der Entschleunigung jüngst bei einer Rucksacktour durch Costa Rica gemacht, die er gemeinsam mit seiner Freundin Antje Buschschulte, eine ehemalige deutsche Spitzenschwimmerin, unternahm. „Wir haben nichts mitbekommen von der Welt.“ Als Kontrastprogramm nach dem Ökotourismus sind die beiden anschließend in den „Big Apple“ eingetaucht und haben nach der Hektik von New York den sogenannten Champions Club in der Türkei genossen, eine Belohnungsreise der Stiftung Deutsche Sporthilfe für verdiente Athleten.

          „Ich bin mit dem Rhein-Main-Gebiet im Reinen“

          „Mein Kopf ist so was von frei“, sagt Meeuw. „Die neue Saison und das neue Semester können kommen.“ Der Medizinstudent hat sich seit einiger Zeit Magdeburg als Lebensmittelpunkt gewählt. Hier kann er Studium, Training am Olympiastützpunkt und Privatleben unter einen Hut bringen. Magdeburg ist der Wohnort von Antje Buschschulte, die 2008 vom Schwimmsport zurücktrat und in Neurobiologie promoviert. „Ich bin mit dem Rhein-Main-Gebiet im Reinen“, sagt Meeuw, der nach wie vor für die SG Frankfurt startet und Wiesbaden, wo seine Eltern wohnen, als „Homebase“ bezeichnet.

          Den Wechsel von Hessen nach Sachsen-Anhalt nennt er dennoch einen Schritt nach vorn, denn: „Es ging um meine Zukunft.“ Dass seine Freundin aus der gleichen Branche stammt wie er, sieht Meeuw als Vorteil: „Sie weiß genau, was in mir vorgeht, weiß, wann ich angespannt bin und wie sie damit umgehen muss.“ Beide könnten herrlich über ihren Sport philosophieren – „aber wir haben auch andere Themen“.

          „In Athen war ich krank, in Peking hatten wir keine Chance“

          Sportlich hat sich der nur 1,78 Meter große Rücken- und Delphinspezialist zunächst London 2012 als Ziel vorgenommen, „denn so kann ich Olympia nicht stehen lassen. In Athen war ich krank, in Peking hatten wir keine Chance.“ Ob es danach noch weitergehe, sei ungewiss: „Vielleicht will ich auch mal richtig gut werden im Studium und nicht nur so mitkommen.“ Bis zu den nächsten Olympischen Spielen aber sei er voller Motivation dabei. „Ich bin ja erst 25.“

          Nach dem Debakel von 2008 war er schon einmal „gedanklich sehr weit weg“ gewesen vom Schwimmen. Er trainierte nur noch einmal täglich ein wenig, schwamm dann aber bei der Kurzbahn-EM „aus der Substanz heraus“ Bestzeit: „Danach hätte ich heulen und lachen können zugleich.“ Welche Chancen ihm in Peking im Chaos um die neuen Schwimmanzüge und die Pflichtwahl der falschen Marke genommen worden waren, führten ihm seine Zeiten vor Augen.

          „Ich hoffe auf eine harte Hand der Fina“

          Deshalb begrüßt er die geplante Rückkehr zum „klassischen“ Schwimmen. Doch ob die Materialschlacht von 2010 an tatsächlich beendet sein wird, wenn ein neues Reglement die Anzugfrage klären soll, mag er noch nicht glauben. Im Sinne der Fairness sei es bitter nötig, diese zu beenden. Gleichwohl käme dieses Ende zu spät. „2008 hätte ich eigentlich gar nicht ins Becken springen müssen.“ In Rom 2009 holte er sich dann seinen Europarekord über 100 Meter Rücken zurück und wurde Zweiter bei der Weltmeisterschaft.

          Geplant ist, dass in Zukunft nur noch Radlerhosen getragen werden dürfen. Die Männer müssen mit freiem Oberkörper schwimmen, die Frauen sollen herkömmlich geschnittene Oberteile tragen. Nur gab es schon Einsprüche von einzelnen Verbänden, die offenbar ihre Felle davonschwimmen sehen und eine Diskriminierung der Männer beklagen. „Ich hoffe auf eine harte Hand der Fina, doch ich befürchte den Einfluss der Markenlobby“, sagt Meeuw.

          Der desolaten Führung des Internationalen Schwimmverbandes traue er nach dessen „katastrophalem Krisenmanagement“ in der Vergangenheit nicht mehr allzu viel zu: „Ich bin ein Freund von Fakten. Ich glaube erst an die neuen Regeln, wenn tatsächlich alle im gleichen Outfit auf dem Startblock stehen.“

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