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Duell der besten Schwimmer : Zwei Typen – ein Ziel

  • -Aktualisiert am

Voller Ehrgeiz: Der Schwimmer Gregorio Paltrinieri Bild: Picture-Alliance

Der Italiener Gregorio Paltrinieri will bei den Olympischen Spielen in Tokio Gold in Becken und Freiwasser – genau wie Florian Wellbrock. Bei der EM stehen beide bereits im Fokus.

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          Als Gregorio Paltrinieri nach dem EM-Vorlauf über 1500 Meter Freistil gefragt wurde, wie sehr er Florian Wellbrock vermisse, lachte er laut auf – und antwortete ausweichend: „Es ist immer spannend, gegen ihn zu schwimmen. Und es hat großen Spaß gemacht letzte Woche.“ Ein Lob, das umso leichter fällt, wenn man der Sieger dieser immerhin drei Duelle in der Open-Water-Woche der EM war. Wellbrock ist nach der Freiwasser-Woche aus Budapest abgereist, die Beckenwettbewerbe in der Schwimmhalle im Risikogebiet Ungarn waren seinem Trainer Bernd Berkhahn trotz aller Schutzvorkehrungen zu riskant.

          Und so muss sich Paltrinieri im Finale an diesem Mittwochabend nicht mit jenem aufmüpfigen Magdeburger auseinandersetzen, der ihm 2019 die WM-Titelverteidigung vermasselt hat. In der digitalen Interview-Zone der Duna Aréna zieht sich Paltrinieri auch bei weiteren Fragen nach Wellbrock mit lautem Lachen aus Affäre. Der auf der Insel Capri geborene 26-Jährige ist ohnehin von recht sonnigem Gemüt. Den EM-Titel mit der Freiwasserstaffel etwa, sein dritter im dritten Start im Lupa-See nach Gold über fünf und zehn Kilometer, feierte er, als wäre es bereits der historische Olympiasieg.

          Charakterlich unterschiedliche Typen

          Ja, Olympia, darum geht es dieser Tage auch in Budapest bereits. Und auch das eint die charakterlich so unterschiedlichen Typen Paltrinieri und Wellbrock: Auch der Italiener will in Tokio sowohl im Becken als auch im Freiwasser starten. Gold in beiden Elementen ist das Ziel beider Schwimmer – denn das ist zuvor noch niemandem gelungen. Wie es gehen kann, zeigte Wellbrock vor zwei Jahren bei der WM in Südkorea. Damals profitierte Wellbrock noch von seiner Erfahrung im Freiwasser. Zwar kennt 1500-Meter-Olympiasieger Paltrinieri sich aus mit den taktischen Fallstricken langer Rennen, weiß sich wie Wellbrock intuitiv an verschiedene Situationen anzupassen. Doch für zehn Kilometer im Meer oder im See, für die mitunter hart geführten Positionskämpfe braucht es Rennen, Rennen, Rennen.

          Nur EM-Bronze im Freiwasser: Bei Olympia soll es mehr werden für Florian Wellbrock.
          Nur EM-Bronze im Freiwasser: Bei Olympia soll es mehr werden für Florian Wellbrock. : Bild: EPA

          Tatsächlich halten sich beide als vergleichsweise schmale Typen ohnehin gern raus aus dem Gerangel, haben vor zwei Jahren ebenso wie in der vergangenen Woche das Feld Schulter an Schulter angeführt. Auch einen Massensprint am Schluss, in dem sie klare Nachteile gegenüber Freiwasser-Veteranen wie Olympiasieger Ferry Weertman oder dem Magdeburger Rob Muffels hätten, wollen beide tunlichst vermeiden. Doch während bei der WM 2019 Wellbrock seinen Plan bis ins Ziel durchbringen konnte, war es diesmal Paltrinieri, der sich so geschickt vom Pulk löste und so rasant davonzog, dass selbst 1500-Meter-Weltmeister Wellbrock nicht mehr hinterherkam.

          Dass Paltrinieri eine hohe Tempohärte hat, dass er also länger schnell schwimmen kann, das wissen auch seine Konkurrenten. Und doch war er die wohl größte Unbekannte auf den olympischen zehn Kilometern für die deutsche Medaillenhoffnung. Nicht nur, weil Wellbrock seit der WM 2019 nicht mehr gegen ihn angetreten ist, sondern auch, weil der Becken-Olympiasieger fest entschlossen war, seine Schwächen bis zu den Spielen zu überwinden. Dafür hat er sich im Mai vergangenen Jahres sogar von seinem langjährigen Trainer und Mentor Stefano Morini getrennt, um mit Fabrizio Antonelli zu arbeiten, dem Coach der italienischen Freiwasser-Nationalmannschaft. So betrachtet, hat Paltrinieri, obwohl zu Beginn der Pandemie monatelang von den strikten Corona-Regelungen Italiens betroffen, vielleicht am meisten von der Verschiebung der Spiele 2020 profitiert.

          Auch im Becken sind Wellbrock und Paltrinieri seit der WM 2019 nicht mehr gegeneinander geschwommen. Und doch haben sie Wege gefunden, sich aus der Ferne auf Trab zu halten. Gerade vergangenen Monat war es Paltrinieri, der in Riccione mit 14:40,38 Minuten die bis dato beste Zeit des Jahres über 1500 Meter hingelegt hatte. Zwei Wochen später schwamm Wellbrock in Berlin nicht nur knapp vier Sekunden schneller als Paltrinieri, er kraulte mit 14:36,45 Minuten auch bis auf drei Zehntelsekunden an seinen deutschen Rekord von 2018 heran. Seine Reaktion direkt danach? „Einen schönen Gruß an Paltrinieri.“ Der hat das sehr wohl wahrgenommen, ließ sich aber nach dem EM-Vorlauf nicht zu einer Kampfansage gen Magdeburg hinreißen. Er sei ein bisschen müde nach der anstrengenden Woche, sagte er schlicht – und lächelte.

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