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Wellbrock bei Schwimm-EM : Der alte Neue aus Italien

  • -Aktualisiert am

„Nicht so clever“: Florian Wellbrock Bild: dpa

Der deutsche Schwimmer Florian Wellbrock lernt bei der Europameisterschaft dazu: Etwa dass ihm auch taktische Fehler unterlaufen können.

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          Mit der Taktik ist es ja so eine Sache: Nur, weil man die Pläne des Gegners kennt, heißt das nicht, dass man ihn schlagen kann. Jeder Bundesliga-Fußballprofi wusste, dass Arjen Robben für die Bayern von rechts in die Mitte zieht, der anschließende Abschluss ging trotzdem oft ins Tor. Im Freiwasser-Schwimmen ist es ähnlich. Ferry Weertman etwa hält sich zunächst stets hinten im Feld, um im Sog Kräfte zu sparen für den Angriff auf die Spitze. So ist er Olympiasieger geworden. Florian Wellbrock kontrolliert das Rennen lieber von vorn, Rob Muffels hält sich gern lange in der Spitzengruppe bedeckt. So haben sie Gold und Bronze bei der WM 2019 gewonnen.

          Und so war vor dem EM-Rennen über zehn Kilometer in Budapest jedem klar, dass Gregorio Paltrinieri, Olympiasieger über 1500 Meter im Becken, seine Endgeschwindigkeit würde ausspielen wollen, zumal dem bisher mit wenig Freiwassern gewaschenen Italiener im oft üblichen Kampf um die besten Platzierungen die Erfahrung fehlt. Mit seinem explosiven Tempowechsel rund 1000 Meter vor Schluss konnte Paltrinieri die Gegner dann aber doch so überraschen, dass keiner mehr mitziehen konnte. Paltrinieri siegte mit mehr als elf Sekunden Vorsprung vor Marc-Antoine Olivier und Wellbrock.

          Wer hat sich entwickelt?

          Gesehen hatten sich gerade die Freiwasserschwimmer in den vergangenen Monaten kaum. Für Wellbrock und Muffels waren die fünf Runden im Lupa-See der erste internationale Wettkampf auf der olympischen Distanz seit über einem Jahr. Daher ist der Deutsche Schwimmverband (DSV) überhaupt mit dem Freiwasser-A-Team in die Blase von Budapest gereist. Während die meisten deutschen Becken-Olympiastarter das Risiko meiden, sollte das Rennen im See eine Art Ausblick auf Olympia sein. Die stärksten Open-Water-Schwimmer sind Europäer. Hier sollte sich zeigen: Wer hat sich entwickelt, wer konnte seine Stärken ausbauen, wer seine Schwächen beheben? Ist ein Neuer im Rennen?

          Zumindest die letzte Frage lässt sich mit Blick auf die Medaillenkandidaten verneinen. Was die weiteren Fragen angeht, war Paltrinieri der größte Unbekannte. Wie Wellbrock will der Becken-Olympiasieger in Tokio den Doppelstart wagen. Um zu lernen, wie er seine Vorteile im Freiwasser ausspielen kann, hat er sogar den Trainer gewechselt. Mit Erfolg. Viel mehr Aussagekraft aber hatte das Zehn-Kilometer-Rennen von Budapest nicht, sind die Sportler doch angesichts von Wassertemperaturen um die 17 Grad in Neoprenanzügen geschwommen. Diese Ganzkörperhäute haben den Vorteil, dass sie Auftrieb verleihen – aber den entscheidenden Nachteil, dass sie die Schulterrotation beeinträchtigen, im Pulk Spielraum und im Positionskampf erprobten Schwimmer wie Rob Muffels ihre Stärken nehmen.

          So bleibt wenige Wochen vor dem Olympia-Rennen vor allem eine Erkenntnis: Die Top-Schwimmer haben ihre Stärken im schwierigen Corona-Jahr nicht eingebüßt. Und: Es bleibt noch Zeit, um an den Schwächen zu arbeiten. Muffels etwa weiß nun: Er muss weiter an der Grundlagenausdauer und an der Geschwindigkeit arbeiten, um sich nicht so leicht abhängen zu lassen. Für Wellbrock waren es tatsächlich taktische Fehler, aus denen er nun lernen will. Auch das gehört zu den Weisheiten im Open Water: Zehn Kilometer sind lang genug, um die ein oder andere unkluge Entscheidung mittendrin zu verzeihen. Aber sie sind zu lang – und zu anstrengend – um sich, wie Wellbrock, kurz vor dem Showdown noch mal nach hinten ins Pulk fallen zu lassen. Er weiß nun: „Das war nicht ganz so clever.“

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