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Schwimmen : Die Rollwende einer Legende

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Schwimm-Oma Shane Gould Bild: REUTERS

Shane Goulds kurzes Comeback währte 30,61 Sekunden. Fast 32 Jahre nach ihren drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von München hat die mittlerweile 47jährige bei den australischen Meisterschaften in Sydney mit einem siebten und letzten Platz im Vorlauf über 50 Meter Schmetterling für Aufsehen gesorgt.

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          In gut einer halben Minute war alles vorbei. Fast 32 Jahre nach ihren drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von München hat die mittlerweile 47jährige Shane Gould bei den australischen Meisterschaften in Sydney mit einem siebten und letzten Platz im Vorlauf über 50 Meter Schmetterling für gewaltiges Aufsehen gesorgt. Wo sonst am Vormittag meist gähnende Leere herrscht, drängsten sich die Medien in der Olympiahalle von 2000 um die baldige Großmutter. "Der Kreis hat sich geschlossen", hatte sie schon vor dem Rennen gesagt, das sie in 30,61 Sekunden beendete. Von 65 Schwimmerinnen, die über die nicht-olympische Strecke an den Start gingen, schwammen immerhin vier langsamer als Gould.

          Das größte Schwimmtalent der Geschichte

          Der kurze Auftritt war nur eine weitere Facette der erstaunlichen Lebensgeschichte der einzigen Schwimmerin, die jemals alle Weltrekorde von 100 bis 1500 Meter Freistil gleichzeitig hielt. Schon im Alter von 13 Jahren galt Gould als das möglicherweise größte Schwimmtalent, das die Welt je gesehen hat. In München konnten sie auch die T-Shirts ihrer amerikanischen Konkurrentinnen mit der Aufschrift "Es ist nicht alles Gould, was glänzt!" nicht bremsen. Drei Siege, einmal Silber und einmal Bronze machten Gould zum Goldfisch und zum weiblichen Gegenstück von Mark Spitz. Das widersprüchliche Bild Goulds auf dem Siegerpodest pägte sich ein: Eine hochaufgeschossene fünfzehnjährige junge Frau oder doch noch ein Kind, das sich etwas ängstlich an sein Plüschkänguruh klammerte und zur Sicherheit einen Stoffkoala in der Tasche hatte?

          Gould zerbrach fast an dem Druck der sportverrückten australischen Nation. Nicht lange nach den Spielen lief sie von zu Hause weg. Weg vom Schwimmen, weg von dem ganzen Rummel, weg von der "Schwimmerin Shane Gould", wie sie es kürzlich selbst beschrieb. Sie fand in einer Sekte Ruhe, zog mit ihrem zukünftigen Mann in ein winziges Örtchen im äußersten Westen Australiens und lebte dort über viele Jahre hin zurückgezogen von der Öffentlichkeit. Einzige sportliche Auftritte waren vor zehn Jahren die Siege bei den westaustralischen Meisterschaften im Pflügen mit Pferd.

          Großmutter im August

          Vier Kinder brachte Shane Gould zur Welt, von denen eines sie voraussichtlich im August dieses Jahres zur Großmutter machen wird. Der radikale Rückzug aus dem öffentlichen Leben ist nicht einmalig für berühmte Menschen, eher schon, daß Gould sich Ende der neunziger Jahre entschied, ihrem Leben noch einmal eine deutliche Wende zu geben. Nicht umsonst heißt ihre Autobiographie "Rollwende", die Technik, mit der Schwimmer sich am Ende einer Bahn in die entgegengesetzte Richtung katapultieren.

          Plötzlich war Gould wieder präsent, gab Schwimmkurse, ließ sich als Rednerin verpflichten - und begann selbst wieder zu schwimmen. "Das Wasser ist einfach eine sinnliche Erfahrung für mich, es zu fühlen, den Weg zu finden, ihm den geringsten Widerstand entgegenzusetzen", berichtet Gould. Höhepunkt ihrer Rückkehr in die Öffentlichkeit war ihr Auftritt bei den Spielen von Sydney, wo sie als eine der letzten im Stadion die Fackel tragen durfte. Ihr überströmendes Glück, ihr Strahlen, das dem der Flamme Konkurrenz machte, und ihr übermütiges Hüpfen, das dem eines kleinen Mädchens ähnelte, rührte Millionen zu Tränen.

          Ihr Start wenige hundert Meter entfernt im Aquatic Centre gestern war da eher ein Antiklimax. Insgesamt sieben Schwimmerinnen starteten im zweiten von neun Vorläufen, sechs waren schneller als sie. Noch einmal kam der alte Ehrgeiz in ihr hoch. Ihre Zeit lag um 29 Hundertstel über der, mit der sie sich im vergangenen Jahr bei einem Masters-Turnier für die Meisterschaften qualifiziert hatte. "Ich wäre gerne schneller geschwommen", räumte Gould ein, die im schwarzen Rennanzug angetreten war und deshalb extra eine Diät gemacht hatte, obwohl sie immer äußerst gesund lebte. Der Grund: "Wenn ich schon nicht die Beste bin, will ich wenigstens gut aussehen."

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