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Australischer Olympiasieger : Die besonderen Leidenschaften des Kyle Chalmers

  • -Aktualisiert am

Kyle Chalmers schwimmt über die 100 Meter Freistil bei der Weltmeisterschaft in Gwangju. Bild: AFP

Bei den Olympischen Spielen in Rio holte Kyle Chalmers über 100 Meter Freistil Gold. Sein Interesse fürs Schwimmen hält sich dennoch in Grenzen. Begeistert ist er von einem anderen Sport – und Echsen.

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          Kyle Chalmers bevorzugt den Ausdruck Herpetologie. Lizard King, Snake Chalmer – alle möglichen Beinamen haben die australischen Medien ihm geben wollen, als bekannt wurde, dass der Olympiasieger Echsen sammelt. Aber Chalmers nimmt sein Hobby, also die Lehre von Amphibien und Reptilien, sehr ernst. „Blauzungen sind mein Ding“, sagte Herpetologe Chalmers vor einer Weile „The Australian“. Diese bis zu 55 Zentimeter langen Glattechsen leben in Australien in Halbwüsten und Buschsteppen. Rund 16 davon bewohnen die Garage von Familie Chalmers. Darunter all die raren Exemplare, „Albinos und so“. Mit ihnen verbringe er ähnlich viel Zeit wie mit dem Schwimmtraining. „Und die Zeit vergeht wie im Flug“, sagt „Adelaide Blue Tongues“. Unter diesem Instagram-Namen kennen ihn seine Freunde aus Australiens Echsen-Gemeinschaft. „Mit denen tausche ich mich ständig aus“, sagte Chalmers. „Das ist meine Leidenschaft. Ich bin regelrecht besessen davon.“ Dabei ist diese Faszination noch nicht das einzig Erstaunliche bei Chalmers, dem Schwimmer, der quasi aus Versehen Olympiasieger wurde und eigentlich viel lieber ein Aussie Rules Footballspieler wäre.

          Chalmers hatte gerade seinen 18. Geburtstag gefeiert, als er sich 2016 in Rio de Janeiro zum ersten Olympiasieger Australiens über 100 Meter Freistil seit 50 Jahren kürte. Ein Glückstreffer, wie er damals sagte, einer, der ihm fast ein wenig unangenehm schien. Die Goldmedaille, die viele Olympiasieger auch im Athletendorf stolz um den Hals tragen, holte der Teenager nur für offizielle Termine hervor. Er entschloss sich für eine andere Erinnerung. Nach den Spielen ließ er sich die fünf olympischen Ringe über die Rippen tätowieren. Ein durchaus übliches Ritual unter Olympiateilnehmern. „Dann habe ich mir römische Ziffern auf das Handgelenk machen lassen.“ Die XXXI für die 31. Olympischen Spiele der Neuzeit. „Und dann das Olympische Motto – Citius, Altius, Fortius – auf meinen Unterarm.“ Dann aber setzte seine Mutter der Körperkunst ein Ende.

          Nach seinem Triumph in Rio überraschte Chalmers mit der Aussage, er verfolge Schwimmen „nicht wirklich“. Von der Konkurrenz kannte Chalmers kaum jemanden. Vielleicht sei das sogar sein Geheimnis gewesen, behauptet er. Außerdem habe auf ihn ja keiner geschaut. Die dekorierten Teamkollegen Cameron McEvoy oder James Magnussen waren für den Titel über die zwei Bahnen Kraul vorgesehen. „Ich bin so ein bisschen unter dem Radar geflogen.“

          Entweder Football oder Schwimmen

          Chalmers ist bis heute kein großer Fan vom Schwimmen. Er lebt für Australian Rules Football. Da wollte er Profi werden, wie sein Vater. Brett Chalmers spielte für die Adelaide Crows und Port Adelaide Power in der AFL. Sohn Kyle probierte alles aus. Basketball, Schwimmen, Leichtathletik. Doch was er tatsächlich wollte, war seinem Vater nachzueifern. Tatsächlich wäre der Junior 2016 wohl für den Draft nominiert worden. Doch er brach sich im Jahr zuvor in einem Spiel mit der Schulmannschaft das Handgelenk, riss sich ein Band im Fuß und verpasste dadurch die Schwimm-WM in Kasan 2015. Anschließend stellte der Australische Schwimmverband den verletzungsanfälligen Chalmers vor die Wahl: entweder Football oder Schwimmen.

          Nun ist es nicht so, dass er seine Entscheidung bereut. Aber ganz aufgeben wolle Chalmers seinen Traum von der Football-Karriere nicht. Nach den Spielen von Tokio will er einen neuen Anlauf starten. „Wenn es nur eine klitzekleine Chance gäbe, dass ich AFL-Football spielen könnte, würde ich jeden Tag, den ganzen Tag trainieren, um zu sehen, ob ich gedrafted werden könnte.“ Dafür würde er alles geben. Und alles aufgeben, sagt Chalmers. Aber er sagt auch, es müsse eine realistische Chance geben, regelmäßig eingesetzt zu werden. „Es wäre vermutlich sehr hart für mich, aus der Weltspitze im Schwimmen auf der Ersatzbank zu landen.“

          Zunächst aber hat Chalmers andere Ziele. Denn: „Ich bin ja damals irgendwie auf der Überholspur zu Olympia-Gold gekommen. Da sind noch ein paar Meilensteine, die ich erreichen will.“ Zum Zeitpunkt seines Olympiasiegs hatte Chalmers noch nicht mal einen nationalen Titel in der Biographie stehen. Seine Liste hat er danach schrittweise abgearbeitet. Besonders beeindruckend: die vier Goldmedaillen bei den Commonwealth Games 2018, eine im Einzel und drei mit der Staffel, erschwommen zehn Monate, nachdem er sich wegen einer vor den Spielen diagnostizierten Herzrhythmusstörung operieren ließ.

          Für Chalmers sind die Titelkämpfe in Korea nach Bänderriss 2015 und Herz-OP 2017 die ersten Weltmeisterschaften im Erwachsenenbereich. Hier will er nun den nächsten Punkt abhaken. Chalmers hat bereits Bronze mit der kurzen Freistilstaffel gewonnen. Nun will er über seine Paradedisziplin nachlegen.

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