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Schwimmen : Das Geheimnis des Erfolgs

Siegerlächeln: Ruta Meilutyte ist im Alter von 16 die Schnellste Bild: AFP

Meilutyte ist erst 16 Jahre alt, aber schnell wie keine Zweite: Die Litauerin düpiert auch bei der Schwimm-WM in Barcelona die Konkurrenz. Erst der Weltrekord, dann Gold - sie ist ein Phänomen.

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          Jon Rudd ist ein Mann wie ein Baum. Beeindruckender Oberkörper, kräftige Arme, wie das oft so ist bei ehemaligen Schwimmern. Jon Rudd ist zudem ein Mann mit eindeutigen Ansagen, seine Sätze sind überlegt und gut sortiert, sie kommen daher wie Anweisungen, knapp, klar, prägnant, entschlossen. Sie lassen keine Fragen offen. Und das ist gut so. Denn Jon Rudd ist in diesen Tagen ein äußerst gefragter Mann - er ist der Mann hinter Ruta Meilutyte.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die 16 Jahre alte Litauerin, im vergangenen Jahr überraschend Olympiasiegerin in London, schwamm am Montagabend den ersten Weltrekord bei der WM in Barcelona - 1:04,35 Minuten über 100 Meter Brust, eine Zehntelsekunde unter der alten Bestmarke der Amerikanerin Jessica Hardy. Tags darauf steuerte die Amerikanerin Katie Ledecky gleich den nächsten Teenie-Weltrekord bei: In 15:36,53 Minuten unterbot sie die sechs Jahre alte Bestmarke ihrer Landsfrau Kate Ziegler um sechs Sekunden und wurde mit 16 Jahren jüngste Weltmeisterin über 1500 Meter Freistil. Auch Titelverteidigerin Lotte Friis aus Dänemark blieb unter der alten Bestmarke und schwamm als Zweite in 15:38,88 Europarekord. Kurz darauf war dann auch wieder Ruta Meilutyte unterwegs, im Finale über 100 Meter Brust. Auch das gewann sie, in 1:04,42 Minuten, und wurde damit zum ersten Mal Weltmeisterin.

          Olympiasiegerin, Weltrekord, Weltmeisterin - es ist eine imposante Erfolgsserie, die Ruta Meilutyte mit 16 Jahren aufzuweisen hat. Um so erstaunlicher, wie abgeklärt sie in Barcelona auftrat. „Ich war höchstens positiv nervös“, sagte sie. „Wenn ich zum Finale rauskomme, versuche ich immer, ruhig zu bleiben. Die Arbeit ist getan, jetzt musst du nur noch loslegen.“ Gerade die Olympia-Erfahrung habe ihr da viel Selbstvertrauen gegeben. Kein Wunder, dass Jon Rudd große Stücke auf sie hält. In so einer Schwimm-Karriere, zumal wenn sie so früh so weit nach oben führt, kann natürlich immer viel passieren, der Ehrgeiz, die Entschlossenheit können schwinden, andere Dinge wichtiger werden. Doch wenn alles bleibt, wie es ist, sagte Rudd vor kurzem der BBC, dann „kann sie die beste Brustschwimmerin der Geschichte werden“.

          „Da geht was“

          Große Worte für ein junges Mädchen. Doch Ruta Meilutyte fordert sie geradezu heraus. Sie hatte es nicht immer einfach, als sie vier war, starb ihre Mutter bei einem Autounfall. Mit sieben begann sie zu schwimmen, mit zwölf zog sie von Litauen nach Plymouth in Südwest-England. Dort besucht sie nun das Plymouth College, dieselbe Schule, an der der britische Star im Wasserspringen büffelt, Tom Daley. Ursprünglich war Ruta Meilutyte Freistilschwimmerin, „und sie war ziemlich gut“, erinnert sich Rudd. „Aber dann sah ich ihren Brust-Beinschlag, und ich wusste: Da geht was.“

          Rudd, der schon einige gute Brustschwimmer betreut hatte, setzte sich mit ihr zusammen, erläuterte ihr, woran sie arbeiten müssten und wohin diese Arbeit führen könnte - und Ruta war überzeugt. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt Rudd heute grinsend. „Oder etwa nicht?“ Auch der Olympiasieg in London brachte die 1,72 Meter große Litauerin nicht aus der Spur. Die Begeisterung in ihrem Heimatland nach dem ersten Olympia-Gold im Schwimmsport kannte keine Grenzen, doch die Rückkehr nach England ermöglichte ihr die für konzentrierte Trainingsarbeit nötige Distanz.

          Ein Talent aus Litauen: Ruta Meilutyte
          Ein Talent aus Litauen: Ruta Meilutyte : Bild: dpa

          „Wenn sie in Litauen trainieren würde, hätte sie wirklich ein Problem, dann wäre sie 24 Stunden im Scheinwerferlicht“, sagt Rudd. „In Plymouth kann sie die Straße runtergehen, und vielleicht einer von 20 Leuten sagt: Oh, das ist Ruta! Wenn Tom Daley hier die Straße runterläuft, gibt es einen Riesen-Auflauf.“ Der Trainer beschreibt sie zudem als normale Jugendliche, ruhig, bodenständig, ohne Anflüge von Selbstverliebtheit oder Arroganz, sowie als professionelle, trainingsfleißige Athletin. Am ersten Tag nach Olympia-Gold, erzählt Rudd, habe Ruta Meilutyte gesagt: „Das ist nur die erste.“ Das befürchten die Gegnerinnen inzwischen auch. Tatsächlich wurde sie im Dezember 2012 zweimal Kurzbahn-Weltmeisterin, jeweils mit Europarekord. Und in der WM-Vorbereitung ließ sie auf der Langbahn mit einem weiteren Europarekord aufhorchen, den sie in Barcelona im Vorlauf prompt wieder unterbot.

          Stolz auf Litauen

          Anders als bei einem anderen Olympia-Wunderkind, der Chinesin Ye Shiwen, Doppel-Goldmedaillengewinnerin in London und im WM-Finale in Barcelona über 200 Meter Lagen überraschend nur Vierte, wurden nach dem Erfolg Ruta Meilutytes nur wenige Fragen laut, ob es dabei mit rechten Dingen zugegangen sei. Fachleute bescheinigten ihr eine kontinuierliche, nachvollziehbare Entwicklung. So trieb manche Briten eher die Frage um, ob die Olympiasiegerin nicht zum britischen Verband wechseln wolle.

          Das aber ist für Ruta Meilutyte keine Frage - sie sei stolz, Litauerin zu sein, sagt sie. Bleibt britischen Fans also nur, ihr auf Twitter zu folgen. Kurz vor Olympia hatte sie da gefragt: „Ist es möglich für mich, am Ende von London2012 1000 Follower zu haben? Wahrscheinlich nicht.“ Es waren dann 18.600. Die Erfolgsgeschichte der Ruta Meilutyte geht auch da weiter. Aktueller Stand: 21.832.

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