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Schwimmanzüge : „Man kann sie wegwerfen“

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Nach der EM ist Schluss: Keine Plastikanzüge mehr im Schwimmbecken Bild:

Nach der Kurzbahn-EM in Istanbul ist Schluss: Keine Plastikanzüge mehr im Schwimmbecken. Michael Ulmer begrüßt das Ende der Materialschlacht. An ein Nimmerwiedersehen glaubt der Sportdirektor der SG Frankfurt aber nicht.

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          Michael Ulmer ist Sportdirektor bei der SG Frankfurt. Trotz aller Rekorde ist er froh, wenn die Schwimmer im Becken bald wieder mehr nackte Haut zeigen und die Materialschlacht mit den Plastikanzügen ab dem 1. Januar ein Ende hat. Von einem Nimmerwiedersehen überzeugt ist er aber nicht.

          Atmen Sie erleichtert auf, sobald die Anzüge verboten sind?

          Ja, ich freue mich darauf, denn dann zählt endlich wieder die Leistung des Sportlers und nicht mehr sein Material. Letztlich haben die Anzüge zwar für tolle Zeiten gesorgt, aber wenn ich sehe, dass zwölfjährige Kinder bei Landesmeisterschaften in 400 Euro teuren Anzügen, die die Eltern bezahlt haben, geschwommen sind, dann geht das zu weit. Kinderschwimmen darf doch keine Materialschlacht sein.

          Bei allen Rekorden: Unbequem und eng waren die Anzüge allemal
          Bei allen Rekorden: Unbequem und eng waren die Anzüge allemal : Bild: AP

          Was machen Sie mit den Anzügen, in denen Ihre Athleten geschwommen sind?

          Eigentlich könnte man sie wegwerfen, denn im Prinzip sind sie wertlos. Aber beim deutschen Verband oder dem Weltverband weiß man nie. Also werden wir sie wohl in irgendeiner Ecke aufbewahren. Helge Meeuw hat ja einen dem Sportmuseum in Köln gegeben, vielleicht geben wir auch einen ans Frankfurter Sportmuseum.

          Können Sie sich vorstellen, dass die Anzüge irgendwann wieder erlaubt werden?

          Ich halte es nicht für ausgeschlossen, wir haben uns an den Zickzackkurs des Verbandes ja schon fast gewöhnt. Wenn erst mal die Rekorde ausbleiben und damit das Medieninteresse nachlässt, wer weiß, was dann passiert? Außerdem werden die Hersteller, die von den Anzügen natürlich profitiert haben, wenig begeistert von dem Verbot sein. Es waren ja ganz neue Firmen auf den Markt gekommen. Es spielen also mehrere Gründe eine Rolle, der entscheidende aber ist das Interesse am Schwimmsport. Wenn sich die entscheidenden Personen denken, lieber bad news als gar keine Neuigkeiten, dann ist nichts auszuschließen.

          Die Anzüge haben den Schwimmsport auch getäuscht, das war von vielen Seiten die Hauptkritik.

          Stimmt. Er hat Athleten, die nicht in optimaler Form waren, aus der Patsche geholfen, da er für ein besseres Verhältnis zwischen Kraft und Leistung gesorgt hat. Wer zum Beispiel mit drei, vier Kilo Übergewicht ins Wasser ging, hatte trotzdem eine gute Wasserlage und konnte seine Form damit ein wenig kompensieren. Der Anzug hob einen ja im Wasser nach oben.

          Die Zeit der vielen deutschen, europäischen und Weltrekorde ist erst mal vorbei. Wie kann sich Schwimmen trotz der wahrscheinlich ausbleibenden Bestzeiten trotzdem für den Zuschauer attraktiv präsentieren?

          Es ist ja kein Geheimnis, dass Schwimmer meistens sehr attraktive und trainierte Körper haben, wenn von den gutgebauten Männeroberkörpern also wieder mehr zu sehen ist, dann kann das nicht von Nachteil sein. Außerdem könnte man über die ein oder andere Regeländerung nachdenken. Zum Beispiel die Einführung von K.-o.-Schwimmen. Demnach würde zu gewissen Zeitpunkten in einem Rennen immer der Letzte rausfliegen.

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