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Schwimm-WM : Turmspringer Klein doch kein Spielverderber

97,20 Punkte: Sascha Klein während des Sprungs... Bild: dpa

Mit Exaktheit, Eleganz, Fleiß, Stabilität und technischer Perfektion vollendet Qiu Bo den Erfolg der chinesischen Springer bei der WM in Schanghai. Sportsoldat Sascha Klein wird vom Turm Dritter, nach einer Punktlandung, die Nerven kostet.

          Es war der letzte Sprung im letzten Wettbewerb der Wasserspringer bei der WM in Schanghai, beim Schluss- und Höhepunkt ihrer Wettkämpfe, in der Königsdisziplin – dem Turmspringen der Männer. Der Chinese Qiu Bo straffte hoch oben auf dem Zehn-Meter-Turm noch einmal den perfekt trainierten Körper, breitete vor dem Sprung die Arme aus. Weit hinter ihm verschwammen die Silhouetten der Hochhaus-Blöcke Schanghais mit dem düsteren, grau verhangenen Himmel, unter ihm erwarteten gut 4000 Zuschauer gebannt seinen letzten Versuch.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es war der Sprung, mit dem Qiu Bo den überwältigenden Erfolg der chinesischen Springer vollenden, den Sieg auf ganzer Linie für die heimischen Athleten komplett machen konnte. Und wie erwartet brachte Qiu Bo auch diesen Sprung sicher zu Wasser: Er siegte am Sonntag mit 585,45 Punkten und gewaltigem Vorsprung vor dem Amerikaner David Boudia (544,25). Es war die zehnte chinesische Goldmedaille im zehnten WM-Wettkampf der Springer. Erstmals seit 1982 hatte eine einzige Nation wieder alle WM-Titel abgeräumt – nur damals mussten die Amerikaner gerade mal vier Wettbewerbe dafür gewinnen.

          Wer denkt in Schanghai nicht an Gold?

          „Die Chinesen haben eine eindeutige Vormachtstellung“, sagte Lutz Buschkow, Bundestrainer der Wasserspringer und Leistungssportdirektor im Deutschen Schwimm-Verband. Und nannte all die Gründe, warum sie so eindeutig ist: Exaktheit, Eleganz, Fleiß, Stabilität und technische Perfektion, selbst bei hohen Schwierigkeitsgraden. „Dass sie hier alle Wettbewerbe gewonnen haben, zeigt, was sie für eine große Breite haben, was für ein Kaderpotential“, sagte Buschkow. So sei am Sonntag auch Qiu Bo vom Turm verdient Weltmeister geworden. Doch der Wettbewerb ließ auch erkennen, dass die Chinesen sehr wohl zu schlagen sind – der zweite einheimische Springer, Zhou Luxin, „zeigte im gesamten Wettkampf Nerven“, so Buschkow. Am Ende landete Zhou Luxin nur auf Rang zehn. Das war freilich nicht der Grund, warum Buschkow nach der letzten WM-Entscheidung von einer „wunderschönen Stunde für das Turmspringen“ sprach. Das hatte eher mit Sascha Klein zu tun: Der 25 Jahre alte Sportsoldat vom SC Riesa gewann die Bronzemedaille. Es war die vierte Podestplazierung für die deutschen Springer in Schanghai – „damit haben wir den Plan erfüllt“, freute sich Buschkow.

          ... und wenig später bei der Medaillenvergabe

          Auch wenn die Punktlandung am Ende reichlich Nerven kostete: Vor dem letzten Durchgang lag Klein nur hauchdünn vor dem auf Rang vier liegenden Russen Victor Minibajew, der unmittelbar vor Klein sprang. „Ich wusste, ich habe nur knapp zwei Punkte Vorsprung, und ich habe seinen Sprung gesehen, der war ganz gut“, sagte Klein. Trotzdem blieb er die Ruhe selbst. „Ich habe versucht abzuschalten und mich zu konzentrieren“, sagte er – im Bewusstsein, dass er die nötigen Punkte für Bronze auf jeden Fall drauf hatte. Und das Bewusstsein täuschte ihn nicht. Dank der 97,20 Zähler im letzten Durchgang lag er im Endklassement sieben Punkte vor dem Russen.

          So wurde es letztlich zwar nichts mit der Rolle des Spielverderbers für die Chinesen, die Klein beim Weltcup 2008 in Peking schon mal übernommen hatte, als er zur Verblüffung des Publikums den Wettbewerb vom Turm gewann – vor den viel gelobten und geliebten chinesischen Springern. Natürlich habe er in Schanghai auch mal an Gold gedacht, sagte Klein, „wer tut das nicht?“ Aber erstens erwies sich Qiu Bo am Sonntag als deutlich überlegen, und zweitens war Klein mit seinem persönlichen WM-Abschluss auch so mehr als zufrieden. „Eine Medaille zu gewinnen, war für mich sehr wichtig, das war das Ziel“, sagte der Europameister. „Und da bin ich super stolz drauf.“

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