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Schwimm-WM : Steffen verlässt Schanghai

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Raus aus dem Becken, weg aus Schanghai: Britta Steffen Bild: dpa

Wer gehofft hatte, dass Britta Steffen die deutsche Mannschaft bis zum Ende der Schwimm-WM von der Tribüne anfeuern würde, wurde enttäuscht. Die Gründe für ihre fluchtartige Abreise wurden nicht genannt.

          Am Tag nach ihrem WM-K.o. hat Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen ihre Sachen gepackt und ist fluchtartig nach Deutschland heimgereist. „Es ist ihre Entscheidung“, sagte der Leistungssport-Direktor im Deutschen Schwimm-Verband, Lutz Buschkow am Freitag, 27 Stunden nach Steffens WM-Verzicht. Es gebe verschiedene Beweggründe, die im Detail noch nicht benannt werden sollten, fügte Buschkow hinzu und ließ damit Platz für Spekulationen. „Es ist einfach so, dementsprechend haben wir das so realisiert.“ (siehe: Britta Steffen: Eine Formkrise, die ratlos macht).

          Bundestrainer Dirk Lange war nach den Vorläufen am Freitag noch davon ausgegangen, dass Steffen bis zum WM-Ende am Sonntag in Shanghai bleibt und die Mannschaft unterstützen wird. Groß thematisieren mochte Lange das Thema um die entthronte Titelverteidigerin aber nicht mehr. „Ich mache mir weniger Gedanken über die Leute, die draußen sind, sondern mehr über die, die im Wasser sind“, sagte Lange. Grundsätzlich konnte er den Titelkampf-Abbruch seiner wichtigsten Sportlerin verstehen. „Um da eine ruhige Olympia-Vorbereitung nicht zu gefährden, kann ich das hundertprozentig nachvollziehen“, sagte Lange. Warum solle sie jetzt hier Niederlagen kassieren, „wir wissen ja, wo der Leistungsstand ist.“

          Biedermann: „Sie hakt jetzt diese WM ab und schaut auf Olympia“

          Doppel-Olympiasiegerin Steffen hatte am Donnerstag nach enttäuschenden Freistil-Leistungen ihre weiteren WM-Starts abgesagt. Ihr Verzicht auch auf die Lagen-Staffel hatte Kritik hervorgerufen. „Egoistisch“, nannte das Staffel-Kollegin Daniela Schreiber. Teamsprecherin Dorothea Brandt erklärte dagegen: „Ich bin der Meinung, dass sie das darf“ (siehe: Schwimm-WM: Solo-Tour wider den Teamgeist). Rückenspezialistin Jenny Mensing sah durch Steffens Staffel-Verzicht die Chancen auf eine gute Platzierung des Quartetts nicht geschmälert. Steffens Freund Paul Biedermann hatte sich nach dem WM-K.o. um sie gekümmert und sagte: „Sie wird auf keinen Fall aufhören. Sie hakt jetzt diese WM ab und schaut auf Olympia.“ Er erwarte sie mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London stark zurück.

          Sprung ins Finale: „Verschlechtern können wir uns nicht mehr”

          Sie sei vorzeitig von der Schwimm-WM abgereist, „damit sie hier einfach diesem Dauerfeuer entgeht“. Kritik müsse konstruktiv sein und nicht „das, was Britta jetzt abkriegt. Das hat sie nicht verdient, sie ist eine von Deutschlands erfolgreichsten Sportlerinnen, dann sollte man doch respektvoller mit ihr umgehen“, sagte Biedermann am Freitag nachdem er mit der 4x200-Meter-Staffel Vierter wurde. Britta Steffen habe schon so viel für den Schwimm-Verband getan. „Dann kann ich einige Aussagen von gewissen Leuten nicht verstehen, die in ihrer aktiven Laufbahn genauso durch Tiefs gegangen sind, und von daher muss man auch sagen: Bleibt mal entspannt, bleibt mal ruhig! Britta wird schon noch zeigen, wo sie steht.“ Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin und ARD-Expertin Franziska van Almsick hatte Steffens WM-Verzicht auch auf die Lagen-Staffel ebenso kritisiert wie Teamkollegin Daniela Schreiber.

          Das WM-Desaster der Vorzeige-Schwimmerin stellte die Leistungen der anderen deutschen Sportler in China schon am Vortag mit ihrer Abreise in den Hintergrund - und die Abreise tags darauf sorgte erneut dafür. Die 4 x 200 Meter-Freistil-Staffel um Paul Biedermann schaffte es am Freitag so grade ins Finale. Tim Wallburger, Yannick Lebherz, Clemens Rapp und Paul Biedermann lagen in 7:13,31 Minuten nach den Vorläufen als Achte ganze 3/100 Sekunden vor Österreich.

          Der zweimalige Bronzegewinner Biedermann sicherte als Schlussschwimmer den knappen Finaleinzug. „Ja, das war geplant“, flachste Biedermann. „Minimalziel war Platz zwölf und Olympia-Quali.“ Als Schnellste gehen die Vereinigten Staaten (7:08,34) ins Finale (ab 12.00 Uhr/ARD und Eurosport). Im Finale wird die deutsche Staffel wohl umbesetzt werden. Lebherz wird sich wohl auf seinen Lagenstart vorbereiten, dem ursprünglich eingeplanten Benjamin Starke fehlt nach Krankheit in der Vorbereitung noch Substanz. Biedermann hofft auf eine bessere Zeit des im Finale aufgebotenen Quartetts. „Verschlechtern können wir uns eigentlich nicht mehr, wir können nur noch besser werden.“

          Di Carli: „Ich habe genug Probleme vor meiner eigenen Tür“

          Über 100 Meter Schmetterling schafften es beide deutschen Starter ins Halbfinale. Steffen Deibler kam in 52,54 Sekunden als 13. weiter. Starke qualifizierte sich auf Platz acht in 52,26 für die nächste Runde. Er war durch gesundheitliche Probleme in der WM-Vorbereitung zurückgeworfen worden und musste eine Woche Antibiotika nehmen. „Wenn das nicht gewesen wäre mit der Krankheit, wäre ich hier hingefahren mit breiter Brust und hätte gesagt, 'ne Medaille ist drin“, sagte der der Zweite der Weltjahresbestenliste. Vorlaufschnellster war der Amerikaner Tyler McGil in 51,76. Mensing schied über 200 Meter Rücken ebenso im Vorlauf aus wie Freistil-Sprinter Marco Di Carli über die 50 Meter.

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