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WM in Südkorea : Koch kann wieder schwimmen

  • -Aktualisiert am

Marco Koch beim 200 Meter Brustschwimmen in Südkorea Bild: dpa

Lange hatte das deutsche Schwimmen keinen mehr gesehen, der so konstant abgeliefert hatte wie Koch. Dann kamen die Olympischen Spiele in Rio. Die Blamage von 2016 will er beim WM-Finale vergessen machen.

          Marco Koch wusste nicht so recht, wo er dieses Rennen einordnen sollte. Der Darmstädter hatte sich soeben über 200 Meter Brust als Achter für das Finale der Schwimm-WM qualifiziert. Es habe sich einfach nicht so leicht angefühlt, vielleicht habe er auf den ersten 100 Metern zu viel Energie gelassen, ganz optimal sei es jedenfalls nicht gewesen. Und überhaupt müsse er das „jetzt erst mal mit meinen Trainern besprechen“. Einer davon ist Henning Lambertz, ehemaliger Bundestrainer, 2012 angetreten, das deutsche Schwimmen zurück in die Weltspitze zu führen, jetzt soll es mit Koch gelingen.

          WM-Silber 2013, EM-Titel 2014, WM-Gold 2015 – lange hatte das deutsche Schwimmen keinen mehr gesehen, der so konstant abgeliefert hatte wie Koch. Dann kamen die Olympischen Spiele 2016 – und mit ihnen jenes Finale, das Koch als designierter Medaillengewinner als Achter von acht Schwimmern beendet hat. Für Koch wird das WM-Finale an diesem Freitag der erste Endlauf seit dem Tiefschlag von Rio sein. Die Saison danach, die mit einem Halbfinal-Aus bei der WM in Budapest endete, war für Koch zwar noch „gar nicht so schlimm, wie man denken mag“, wie er rückblickend sagt.

          2018 sei da wesentlich schwieriger gewesen. „Ich habe im Training ja schon gedacht, das Richtige zu machen, hatte auch gute Ergebnisse, nur im Wettkampf wollte es eben nicht klappen“, erklärt Koch. „Das war schon frustrierend, wenn man nicht herausfinden kann, was falsch läuft.“ Und weil sein damaliger Heimtrainer Alexander Kreisel eben ähnlich ratlos war, habe sich das langjährige Duo an den damaligen Bundestrainer Lambertz gewandt, „um den Reset-Knopf zu drücken“, wie Kreisel damals sagte, und: „Um Marco wieder ans Schwimmen zu kriegen.“ Zurück zur Ausdauerarbeit also, zu den Kilometern im Wasser.

          Koch hat wieder das Zeug zum Weltmeister

          Koch, der stets über Wettkämpfe und Intensitäten kam, hatte nach Ansicht seines Trainers die Grundlagen vernachlässigt. Und während Kreisel eingestand, er sei nach der langjährigen Zusammenarbeit nicht konsequent genug mit seinem Schützling umgegangen, hatte Lambertz damit „kein Problem“: „Wenn du nicht mitmachst, dann höre ich sofort wieder auf“, habe er ihm im vergangenen Jahr gesagt. Kochs Antwort: „Schreib auf, was du willst, ich mache es zu 100 Prozent.“

          Seither trainieren Koch und seine Lebensgefährtin Reva Foos bei der SG Frankfurt. Am Beckenrand hat die hessische Landestrainerin Shila Sheth den Blick fürs Detail, Lambertz schreibt ihnen die Pläne. Und auf diesen Plänen standen also wieder mehr Kilometer. Weg von wenigen, sehr intensiven oder sehr lockeren Kilometern hin zu einem Blockprinzip: Zwei Wochen Grundlagenausdauer mit 50, 60 Kilometern pro Woche, zwei Wochen intensives Training bei 30, 40 Kilometern, eine Woche Regeneration mit 25. „Wir haben seine ganzen Systeme mal wieder auf Touren gebracht“, sagt Lambertz. Im Kraftbereich ging es darum, Kochs gutes Niveau zu halten, gleichzeitig aber die Last zu reduzieren. Sprich: Koch hat im vergangenen Jahr fünf Kilogramm abgenommen. Tatsächlich wirkt Koch dynamischer, die viel zitierte Gleitfähigkeit, also das, was den Europameister, den Weltmeister, ausgemacht hat, ist wieder erkennbar: Koch kann wieder schwimmen.

          Wie sein Darmstädter Trainer gehörte Koch nach den enttäuschenden Spielen von Rio zu den lauteren Kritikern von Lambertz. Schnee von gestern, sagt er heute: „Man hat im Hochleistungssport einfach auch mal unterschiedliche Ansichten. Aber wir haben uns immer ausgesprochen.“ Er weiß, dass er, dass seine Leistungen wegen der Querelen im Deutschen Schwimm-Verband (DSV), die sich vor der WM am öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Lambertz und Sportdirektor Thomas Kurschilgen manifestiert haben, derzeit besonders beobachtet werden. Zumal Koch bereits mit Lambertz’ Vorgänger Dirk Lange zusammengearbeitet hat, nachdem der 2011 vom DSV entlassen wurde.

          Er kennt die allgemeinen Vorbehalte gegen den Ex ebenso wie die speziellen Probleme mit Lambertz. Marco Koch sagt: „Die Zusammenarbeit tut mir echt gut.“ Aber es brauche eben seine Zeit, den Körper auf die Pläne eines neuen Trainers einzustellen. Koch wähnt sich auf gutem Weg, immerhin hätten die letzten Woche und auch die WM bisher gezeigt, „dass ich wieder 2:08er-Zeiten am Fließband produzieren kann, egal wie ich mich fühle“. Außerdem sei diese WM ja ohnehin nur eine Generalprobe für das große Ziel: die Enttäuschung von Rio vergessen machen.

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