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Schwimm-WM in Budapest : Fina-Funktionär al Musallam unter Korruptionsverdacht

Fina-Funktionär al Musallam (rechts) ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Bild: AP

Die Geschäftspraktiken des kuweitischen Sportfunktionärs al Musallam rücken am Rande der Schwimm-WM in zunehmend trüberes Licht. Dennoch gilt er als ausgemachter Nachfolger auf einen bedeutenden Posten – doch nun meldet sich auch das IOC zu Wort.

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          Die Geschäftspraktiken des kuweitischen Multifunktionärs Husain al Musallam, unter anderem Erster Vizepräsident des Internationalen Schwimmverbandes (Fina), der sich auf dem Fina-Kongress am Rande der Weltmeisterschaften der Schwimmer in Budapest in dieser Woche zur Wiederwahl stellen will, rücken in zunehmend trüberes Licht. Die Londoner „Times“, das Fachportal „Swimvortex.com“ und „Spiegel Online“ berichten übereinstimmend von einer 20-minütigen Aufnahme aus dem Jahr 2012, auf der al Musallam in Verhandlungen mit einer chinesischen Sportvermarkterin zu hören ist und für jeden Vertragsabschluss „zehn Prozent für uns“ verlangt. Die Verhandlungen wurden demnach für den Olympic Council of Asia (OCA) geführt, dessen Generaldirektor al Musallam ist. Geführt wird die Dachorganisation des olympischen Sports in Asien seit 26 Jahren von Scheich Ahmad al Sabah. Der OCA bestreite, dass Geld an seine Funktionäre geflossen sei, heißt es in den Berichten.

          Das Portal „Inside the Games“ zitiert al Musallam mit den Worten, die ausgehandelten zehn Prozent hätten auch dem OCA zufließen sollen, einen Vertragsabschluss habe es ohnehin nicht gegeben und er sei seit Monaten darüber informiert, dass am 19. Juli ein Bericht über ihn erscheinen solle. Weiterhin beschuldigte er die iranische Geheimpolizei, mit der Verbreitung der Aufnahme einen iranischen Funktionär unterstützen zu wollen.

          Beide Kuweiter wurden in der Anklage der amerikanischen Justiz gegen Richard Lai, einen Fußballfunktionär aus Guam, wegen des Verdachts der Bestechlichkeit – vor Abstimmungen sollen Millionen geflossen sein – als „Mitverschwörer Nummer zwei und drei“ geführt. Al Sabah trat nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe vom Amt im Fifa-Rat zurück, behielt aber seine weiteren Ämter, unter anderem seinen Sitz im Internationalen Olympischen Komitee. Al Musallam gilt als rechte Hand des Scheichs und als ausgemachter Nachfolger von Julio César Maglione, dem 81 Jahre alten Fina-Präsidenten. Spiegel Online berichtet von E-Mails, in denen Fußball-Funktionär Lai von al Musallam Überweisungen von 250 000 Dollar in zwei Tranchen erbeten habe. Diese seien wie gewünscht gezahlt worden. Das ist insbesondere für das Internationale Olympische Komitee heikel, denn al Musallam und al Sabah machen auch beim „Olympic Solidarity“-Programm gemeinsame Sache. Die entsprechende Kommission wird von al Sabah geführt, al Musallam ist Mitglied. Der Solidaritätsfonds verteilt Gelder, unter anderem an die Kontinentalverbände, so auch den OCA – geführt von Präsident al Sabah und Generaldirektor al Musallam.

          Das Internationale Olympische Komitee bestätigte FAZ.NET inzwischen, dass Pâquerette Girard Zappelli, die Ethik- und Compliance-Chefin des IOC, einen Vorgang zu Scheich al Sabah eröffnet habe – auf dessen Verlangen, wie es heißt. In diesem Zusammenhang seien die Ethikkommissionen von des OCA, des asiatischen Fußballverbandes AFC und des Internationalen Fußballverbandes Fifa kontaktiert worden. In Bezug auf al Musallam habe das IOC die Vorwürfe zur Kenntnis genommen und an Pâquerette Girard Zappelli weitergeleitet, teilte ein IOC-Sprecher mit. Die Geldflüsse vom IOC zum OCA seien stets Teil der externen Rechnungsprüfung. Spiegel Online berichtet, die Ethik-Chefin habe nun auch Kontakt zum Internationalen Schwimm-Verband Fina aufgenommen. Der hatte noch am Mittwochabend gegenüber FAZ.NET erklärt, man habe festgestellt, dass der Schwimmverband von den Berichten und Vorwürfen nicht betroffen sei. Wörtlich hieß es: „Zudem wurden keine Fina-Regularien verletzt.“

          Diese Schlussfolgerung steht im deutlichen Gegensatz zum Umgang des Internationalen Leichtathletik-Verbands IAAF mit seinem Ratsmitglied Frankie Fredericks, dem früheren Sprint-Weltmeister aus Namibia. Fredericks war suspendiert worden, weil in das Korruptionsgeflecht rund um den früheren IAAF-Präsident Lamine Diack verwickelt gewesen sein soll. Die Sperre wurde aber nicht ausgesprochen, weil Fredericks schon etwas nachzuweisen gewesen wäre, sondern weil die Berichte über verdächtige Zahlungen den Sport in Misskredit gebracht haben. Eine solche Klausel sieht auch die Verfassung der Fina vor, in der unter Punkt 12.1.3. Sperren und andere Sanktionen gegen Mitglieder ausgesprochen werden können, die dem Ruf der Sportart schaden. Offenbar sehen die maßgeblichen Fina-Verantwortlichen angesichts des Verhaltens ihres ersten Vize-Präsidenten al Musallam und der Vorwürfe gegen ihn keinen Reputationsschaden.

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