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Schwimm-WM : Das Glück der überführten Doperin

Russland ist erfreut: Julija Jefimowa darf wieder starten. Bild: dpa

Julija Jefimowa ist der Star der WM. Viele sehen in ihr eine Maria Scharapowa des Schwimmens. Doch Julija Jefimowa ist auch eine überführte Doperin. Starten darf sie dennoch – dank einer glücklichen Fügung.

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          Julija Jefimowa aus Grosny im Kaukasus ist ein Star bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Kasan. Ein Star? Der Star. Wer sich umhört im Fußballstadion des FK Rubin, in dem in dieser Woche die besten Schwimmer der Welt ins Becken springen, wo schon bei den Vorläufen die Ränge sehr gut gefüllt sind, hört vor allem Begeisterung darüber, dass Julija Jefimowa dabei ist. Begeisterung - und Erleichterung.

          Denn auf Julija Jewfimowa sind sie stolz in Russland, weil sie so gut aussieht. Begeistert sind die russischen Schwimmfreunde, weil viele in ihr die Maria Scharapowa des Schwimmens sehen - apart und wahnsinnig gut in dem Sport, den sie betreibt. Erleichtert sind sie, weil sie endlich wieder schwimmen darf - nach ihrer Doping-Sperre.

          Dehydroepiandrosteron, kurz DHEA. Ein Steroid, nachgewiesen in einer Probe Julija Jefimowas im Herbst 2013. Dumm gelaufen, Nahrungsergänzungsmittel, ein Fehlgriff sagte sie. Julija Jefimowas Erklärung unterschied sich nicht wesentlich von dem, was Sportler für gewöhnlich so erzählen, wenn plötzlich eine positive Dopingprobe auftaucht. Julija Jefimowa wurde vom Internationalen Schwimm-Verband (Fina) gesperrt, für 16 Monate, es wurde also von der üblichen Zwei-Jahres-Sperre abgesehen. Mildernde Umstände.

          Günstige Umstände, so kann die Weltmeisterin über 200 Meter Brust von Barcelona 2013 nun im Fußballstadion ins Becken springen, sehr zur Freude der russischen Zuschauer. Eine WM ohne Julija Jefimow wäre eine Enttäuschung gewesen. Schließlich hatten sie in der Republik Tatarstan, deren Hauptstadt Kasan ist, zu Ehren der Schwimmer sogar den Feiertag Sabantuy verlegt, wörtlich der „Tag des Pflugs“, ein Volksfest zu Ehren der Bestellung der Äcker in der Wolga-Region, das traditionell Ende Juni stattfindet, nun aber auf Anfang August verlegt wurde.

          16 Monate war die Russin gesperrt – nun darf sie wieder ins Wasser.
          16 Monate war die Russin gesperrt – nun darf sie wieder ins Wasser. : Bild: AFP

          Es hat den Anschein, als wolle der russische Schwimmverband so viel Entgegenkommen mit den Auftritten seiner besten Sportlerinnen belohnen - von denen längst nicht nur Julija Jefimowa mit Dopingbefunden aufgefallen ist (siehe auch Interview auf Seite 23). Der Journalist Craig Lord hat auf der Website swimvortex.com eine Liste der Schwimmer erstellt, die in Kasan antreten und von denen positive Proben bekannt sind.

          Die Liste umfasst Schwimmerinnen und Schwimmer aus Brasilien, China, Weißrussland, Bulgarien, Dänemark, Italien, Tunesien und den Vereinigten Staaten. Und vier Russinnen, drei von ihnen Beckenschwimmerinnen. Mehr hat niemand zu bieten. Darija Ustinowa aus Jekaterinenburg soll gemeinsam mit Julija Jefimowa in der Lagenstaffel antreten. Ihre erste Doping-Verwarnung bekam sie vor gut drei Jahren. Gesperrt wurde sie nicht.

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          Darija Ustinowa war damals erst 14 Jahre alt, zu jung für eine Sperre. Natalija Lowzowa, geboren in Samara, startet über die 50- und 100-Meter-Sprintstrecken, Schmetterling wie Freistil, da ist sie derzeit die schnellste Frau Russlands, demonstriert hat sie das bei der russischen Meisterschaft im April in Moskau. Als ihre Bestzeiten auffielen, fiel auch ins Auge, dass Natalija Lowzowa zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch eine Dopingsperre hätte absitzen müssen, die zweite ihrer Karriere (die erste war 2007 verhängt worden, da war sie 19 Jahre alt).

          Als Fragen laut wurden, erklärte der russische Schwimmverband, mit Frau Lowzowas Bestzeiten habe alles seine Ordnung, ihre Sperre von zweieinhalb Jahren sei schließlich schon 2013 um sechs Monate reduziert worden. Mitbekommen hatte das niemand, aber Gründe für mildernde Umstände gab es. Natalija Lowzowa hatte nach eigenen Angaben nur einen Schluck aus der Flasche einer Trainingskollegin genommen. Konkurrentin Ruta Meilutyte aus Litauen befand, das sei das Doping-Äquivalent zum Hund der Schülerin, der die Hausaufgaben gefressen habe. „#ridiculous“, lächerlich, twitterte die Litauerin, aber die Russen sahen es anders.

          Die Russen bei der WM in Kasan freuen sich über die Rückkehr
          Die Russen bei der WM in Kasan freuen sich über die Rückkehr : Bild: AP

          Jetzt jedenfalls schwimmt Natalija Lowzowa schneller denn je - noch eine Gemeinsamkeit mit Julija Jefimowa. Der gelang beim ersten Rennen nach der Sperre eine prächtige Jahresweltbestzeit über 100 Meter Brust. Und ausgeschlossen ist nicht, dass auch Natalija Lowzowa für die Lagenstaffel der Russinnen nominiert werden wird. Das Rennen ist am kommenden Sonntag, es ist das letzte der WM. Bis dahin haben die drei Damen mit der schwierigen Vergangenheit reichlich Gelegenheit, das Publikum zu verzücken. Die Bühne wurde ihnen bereitet, der Acker ist bestellt. Jetzt soll die Saat aufgehen. Es ist schließlich Erntezeit an der Wolga.

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