https://www.faz.net/-gtl-13h1p

Schwimm-WM : Britta Steffen holt auch Gold über 50 Meter

Die schnellste Frau zu Wasser: Britta Steffen Bild: AFP

Britta Steffen ist die schnellste Schwimmerin der Welt. Nach den 100 Meter Freistil gewinnt die Berlinerin auch über die Kurzdistanz - natürlich in Weltrekordzeit. Die Lagenstaffel rundet das gute deutsche Ergebnis mit der Silbermedaille ab.

          Früher, da wäre das wohl so ein Satz gewesen, über den sich Britta Steffen nicht gerade gefreut hätte. Für die Olympischen Spiele 2012 in London und die Medaillenvorgabe im Schwimmen von zweimal Gold, dreimal Silber und dreimal Bronze „sind es sicher Britta Steffen und Paul Biedermann, die die Hauptverantwortung tragen“, sagte Lutz Buschkow, der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV). Verantwortung, Erwartungen, Erfolgsdruck - Britta Steffen kennt diese Worte zur Genüge von den Olympischen Spielen 2008 in Peking, als sie alleine diesen „Rucksack“ schultern musste, wie sie sagt, als alle den großen Befreiungsschlag für die deutschen Schwimmer von ihr ersehnten.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Ende gelang er ihr, und so veränderte sich durch diese Spiele, durch die zwei Goldmedaillen, die sie in Peking gewann, vieles für Britta Steffen, wenn nicht alles. „Sie hat in einer schweren Stunde Großes geleistet, und das gleich zweimal“, sagt ihr Trainer Norbert Warnatzsch. „Das nimmt ihr niemand mehr.“

          Erfolg sogar ohne Pschologin

          Britta Steffen hat viel Selbstbewusstsein gewonnen durch diesen Erfolg, und selten war das so deutlich zu spüren wie in den Tagen in Rom. Das Vertrauen in sich selbst ging so weit, dass sie bei der WM auf die Hilfe ihrer Psychologin Friederike Janofske verzichtete, die in Peking noch unerlässlich für sie schien. Die mentale Vorbereitung übernahm sie selbst - und gewann dennoch nach den 100 Metern Freistil auch die 50 Meter am Sonntag in Weltrekordzeit von 23,73 Sekunden. Obwohl sie alles andere als einen guten Start erwischte. „Aber dann habe ich mich voll auf den Anschlag konzentriert, der ist so wichtig über die 50 Meter“, sagte sie. Und den erwischte sie perfekt. Es war ihr erster Weltrekord über die kürzeste Sprintstrecke - „und das auf den Tag genau drei Jahre, nachdem ich bei der EM in Budapest zum ersten Mal über die 100 Meter Weltrekord geschwommen bin“, freute sie sich.

          Lagensieger Ryan Lochte

          Früher schien die Britta Steffen, die in einem wichtigen Wettkampf antrat, zum Bersten angespannt, wenig gemein zu haben mit dem privaten Menschen Britta Steffen. Nun hat es die 25 Jahre alte Berlinerin offenkundig geschafft, die beiden Gesichter näher zusammenzubringen. In Rom schien sie die Atmosphäre, den Wettkampf richtig zu genießen. Die Veränderung wirkte sich auch positiv auf die Mannschaft aus. So kann sich Britta Steffen inzwischen auch eine Führungsrolle im DSV-Team, wie sie Buschkow beschrieb, gut vorstellen. In Rom sagte sie, sie würde gerne dazu beitragen, die jungen Schwimmer anzuleiten und sie von ihrer Erfahrung profitieren lassen. Paul Biedermann hat es nach eigener Auskunft sehr motiviert zu sehen, wie Britta Steffen den Druck in Peking weggesteckt hat: „Sie ist nach wie vor ein Vorbild im DSV.“

          Zwei Leitfiguren

          Bei sich selbst ist Biedermann da, wie gewohnt, zurückhaltender. Er verweist lieber auf „die vielen anderen Gesichter im Team“, die bei der WM auf sich aufmerksam machten: Daniela Samulski, Helge Meeuw und Hendrik Feldwehr, aber auch Daniela Schreiber, Marco Koch oder Yannick Lebherz. „Wir haben eine gute Mischung in der Mannschaft, unsere Leitfiguren Britta Steffen und Paul Biedermann haben nichts Divenhaftes, es ist ein kameradschaftliches Miteinander“, beschreibt Buschkow den Teamgeist im DSV. Der wird weiter gestärkt durch die Erfolge in den Staffeln. Die deutschen Frauen mit Daniela Samulski, Sarah Poewe, Annika Mehlhorn und Britta Steffen gewannen am Samstag über 4x100 Meter Lagen Bronze, in Europarekordzeit von 3:55,79 Minuten. Und die Lagenstaffel der Männer mit Meeuw, Feldwehr, Benjamin Starke und Biedermann holte zum Abschluss am Sonntagabend in einem spannenden Finale vor Australien gar die Silbermedaille, ebenfalls mit Europarekord von 3:28,58 Minuten.

          „Eine großartige Zeit“, sagte Doppel-Weltmeister Biedermann, der sich bei der Siegerehrung am meisten von allen zu freuen schien. Helge Meeuw schnappte sich als Startschwimmer in 52,27 Sekunden zudem den Europarekord über 100 Meter Rücken. Damit haben die Beckenschwimmer des DSV in Rom vier Mal Gold, vier Mal Silber und einmal Bronze gewonnen. Weltmeister in der Lagenstaffel wurden die Amerikaner in 3:27,28 Minuten. Es war der 43. Weltrekord in Rom.

          „Die meisten Fehler werden im Erfolg gemacht“

          Beeindruckend bei den DSV-Athleten war die mentale Stärke, mit der sie die Wettbewerbe angingen. Statt über Druck oder Hitze zu klagen, konnten es die meisten kaum erwarten, ins Becken zu springen, auch dank Biedermanns goldener Vorlage, die, so Buschkow, zu einer „positiven Eigendynamik“ im Team geführt habe. „Die Schwimmer haben Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit“, sagte er - was nicht zuletzt mit den schweren Normen zu tun habe, die der DSV für die WM gesetzt hatte. Die freie Anzugwahl sei noch eine zusätzliche Hilfe gewesen. So fiel Buschkows WM-Fazit ausgesprochen freundlich aus: „Der Mannschaft ist es gelungen, die deutsche Bevölkerung durch starke Emotionen mitzureißen.“ Die WM sei zum „Meilenstein auf dem Weg zu den Spielen 2012 in London“ geworden.

          Bundestrainer Dirk Lange, dem die WM-Erfolge beste Argumente lieferten für seine angestrebte Beförderung zum Cheftrainer, warnte jedoch: „Wir müssen jetzt die richtigen Schlüsse ziehen. Die meisten Fehler werden im Erfolg gemacht.“ Die Arbeit habe gerade erst begonnen. „Wir wären im letzten Jahr fast abgestiegen, Britta Steffen hat uns über die Relegation gerade noch gerettet“, sagte Lange. „Wenn wir mit Bayern München mithalten wollen, mit Amerikanern und Australiern, dann müssen wir jetzt dranbleiben.“ Denn wo Buschkow und Lange die deutschen Schwimmer dauerhaft positionieren wollen, ist klar: unter den besten fünf Nationen. „Wir haben eine große Vergangenheit im Schwimmsport“, sagte Lange. „Nun wir sind dorthin zurückgekehrt, wo wir schon mal waren.“

          Weitere Themen

          Basler Festspiele, Pleite für Doll

          Europa League : Basler Festspiele, Pleite für Doll

          Der frühere Bundesligatrainer Thomas Doll unterliegt mit seinem Team gegen F91 Düdelingen. Celtic Glasgow gelingt derweil nur ein Remis, Standart Lüttich siegt in der Eintracht-Gruppe. Und der FC Basel bezwingt Krasnodar deutlich.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.