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Deutsches Team bei Schwimm-WM : Alphatiere, Sturköpfe, Misserfolge

„Es muss krachen“: Schwimmer Heintz Bild: dpa

Sportlich fiel die WM in Budapest so schwach aus wie befürchtet. Zudem ist das Klima im deutschen Schwimmen schlecht, sehr schlecht. Die Kritik an Chef-Bundestrainer Lambertz reißt nicht ab.

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          Am Sonntagvormittag stand Henning Lambertz in der Duna Arena für „ein letztes sportliches Fazit“ der Schwimm-WM in Budapest. Über „alles andere“ habe man in den vergangenen Tagen ja schon mehr als genug gesprochen. Alles andere, das sind die Kritik an Zeitabständen und Normzeiten, das ist der Vorwurf von Ignoranz, Beratungsresistenz und Wagenburgmentalität, den Lambertz zu hören bekommt. Allein: Das Sportliche ist schnell erzählt. Das durch harte Normzeiten, Rücktritte und Krankheitsausfälle auf 14 Schwimmer minimierte deutsche Team kam an acht WM-Tagen auf fünf Finalteilnahmen, weniger denn je bei einer WM. Vier weitere Schwimmer erreichten das Halbfinale. Franziska Hentke schwamm über 200 Meter Schmetterling zu Platz zwei und der ersten WM-Einzelmedaille einer deutschen Schwimmerin seit der WM 2009. Es war die einzige für das Team von Henning Lambertz.

          Ein weiterer Lichtblick der trüben Tage von Budapest: Aliena Schmidtke. Die 24-Jährige überzeugte mit Bestzeiten über 100 Meter Schmetterling sowie deutschen Rekorden über die nichtolympischen 50 Meter. Lambertz lobte sie sehr. Doch auch das macht ihn angreifbar: Als es vor fünf Wochen in Berlin galt, sich für die WM zu qualifizieren, schwamm Jessica Steiger aus Gladbeck in 2:25,00 Minuten deutschen Rekord über 200 Meter Brust. Das war weit an der Norm vorbei, aber der Rekord war seit zehn Jahren nicht verbessert worden. Und Steigers Zeit von Berlin wäre in Budapest für das Halbfinale gut gewesen. Lambertz muss sich vorhalten lassen, dass es deutsche Rekorde gibt, die ihm ins Konzept passen und solche, die ignoriert werden, jedenfalls nicht zu einer WM-Nominierung führen. Steiger trainiert in einem kleinen Klub, nicht beim Bundesstützpunkt, wie Lambertz das fordert.

          In Budapest betonten fast alle anderen WM-Fahrer, ihr „Bestes“ gegeben zu haben. Das Problem: Selbst die wenigen Bestzeiten brachten die deutschen Schwimmer zu selten über die Vorläufe hinaus. Titelverteidiger Marco Koch war mit schwacher Zeit als Elfter über 200 Meter Brust im Halbfinale ausgeschieden, mehr als zwei Sekunden langsamer als bei seinem Titelgewinn vor zwei Jahren in Kasan. Die Weltspitze ist den Deutschen längst enteilt. Man sei mit Blick auf Olympia 2020 noch nicht weiter herangerückt, der Abstand „ist so, wie er war“, sagt Lambertz. Von seinem Weg sei er weiterhin „zu 100 Prozent“ überzeugt, er schöpfe „Mut für die Zukunft“. Das Sportliche ist ernüchternd leicht resümiert.

          Mit allem anderen ist es wesentlich komplizierter. Denn der Widerstand gegen die Methoden des Chef-Bundestrainers legt sich nicht, im Gegenteil. Und er kommt aus unterschiedlichen Richtungen. Da ist die Kritik etlicher Trainer, die sich am Kraftkonzept und der Art der Vorgabe durch Lambertz abarbeiten. Schon im vergangenen November hatte ein Mitarbeiter des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig die Art und Weise der Aufarbeitung der erfolglosen Auftritte bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in einem Brief an DSV-Präsidentin Gabi Dörries kritisiert. Die Unzufriedenheit mancher Athleten kam in Budapest zum wiederholten Mal zum Vorschein, als Philip Heintz, der sich von Lambertz durch dessen scharfe Normvorgabe und das dafür erforderliche Training vor der deutschen Meisterschaft um einen besseren WM-Auftritt gebracht fühlt, sagte: „Es muss krachen.“ Lambertz warf einem seiner wenigen Vorzeigeschwimmer daraufhin die falsche Einstellung vor. Die Wogen wurden anschließend vorerst geglättet, eine inhaltliche Klärung steht aus.

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