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Grazile Revolution : Synchronschwimmen wird männlich

Da ist der Mann: Im Synchronschwimmen gibt es erstmals einen Mixed-Wettbewerb, das französische Duo Benoit Yves Beaufils (r.) und Virginie Dedieu nehmen teil Bild: dpa

Eine Revolution im Schwimmbecken: Im Synchronschwimmen gibt es bei der Weltmeisterschaft im russischen Kasan erstmals einen Mixed-Wettbewerb. Dem Sportminister des Gastgeberlands gefallen die Männer im Wasser aber nicht so gut.

          Das ist gelebte Gleichberechtigung: Zum ersten Mal in der Geschichte von Schwimm-Weltmeisterschaften, die nun immerhin auch schon bis ins Jahr 1973 zurückreicht, dürfen sich Männer die Nasenklammern aufsetzen, das Haar nass zurücklegen, ein wenig Make-up auftragen und grazil vom Beckenrand ins Nass tauchen, um sodann filigrane Figuren darzubieten. Anders ausgedrückt: Eine der letzten Bastionen reiner Weiblichkeit im Sport ist erfolgreich gestürmt, männliche Synchronschwimmer haben die Weltbühne betreten in Kasan.

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          Das gefällt nicht jedem. Russlands Sportminister Witalij Mutko beispielsweise gefällt das gar nicht. Und Mutko kennt sich auf der Weltbühne des Sports nun wirklich besser aus als viele andere. Schließlich ist er auch Mitglied der Exekutive des Internationalen Fußballverbandes, war Gastgeber der letzten Olympischen Winterspiele und wird Gastgeber der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft sein. Und Witalij Mutko weiß genau, wer dafür gesorgt hat, dass nun ausgerechnet in Russland, der angestammten Heimat des Synchronschwimmens, wenigstens aber nahezu aller Medaillen, die in diesem künstlerischen Sport vergeben werden, Geschichte geschrieben wird.

          „Offensichtlich wurde das von einer Gruppe von Ländern durchgedrückt“, hatte Mutko vergangenes Jahr gesagt, als sich der Weltverband (Fina) gegen Mutkos ausdrücklichen Ratschlag entschieden hatte und die gemischten Duette ins Programm hob. Dabei hatte Mutko darauf hingewiesen, dass er das Synchronschwimmen für einen „rein weiblichen Sport“ halte.

          Penibel rasiert

          Schwimmer Jewgenij Korotyschkin, Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von London über 100 Meter Schmetterling, hatte noch im November 2014 öffentlich seine Sorge über haarige Männerbeine geäußert, die aus dem Wasser ragen könnten. Der Anblick könnte ihn zum Weinen bringen, hatte Korotyschkin gesagt.

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          Wie viele Tränen Korotyschkin nun tatsächlich schon in die Kasanka vergießen musste, ist nicht überliefert aus Kasan, allerdings dürfte sich die Trauer in Grenzen halten. Die Herren Synchronschwimmer präsentieren sich penibel rasiert in Gesicht und Gang, von Bart-, Brust- und Beinhaar keine Spur.

          Zudem gab es für Alexander Malzew, den ersten russischen Synchronschwimmer bei einer Weltmeisterschaft, im Übrigen nicht zu verwechseln mit dem Eishockey-Stürmer von Dynamo Moskau, der zwischen 1969 und 1983 neunmal Weltmeister und zweimal Olympiasieger wurde, am Wochenende bereits eine Medaille. Mit Partnerin Darina Walitowa wurde er Zweiter in der technischen Kür. Gold ging an Christina Jones und Bill May aus den Vereinigten Staaten.

          Russlands Sportminister Mutko hatte schon lange angedeutet, dass er den Einzug der männlichen Synchronschwimmer in die Schwimmbecken dieser Welt für den Versuch hält, die russische Dominanz in diesem Sport zu brechen.

          Doch alles Klagen, alles Raunen hilft nichts - die modernen Zeiten sind da, auch in Kasan, Tartarstan. Seit Dienstag läuft die zweite Mixed-Konkurrenz im Synchronschwimmen, die freie Kür. Alexander Malzew, seit knapp acht Jahren Synchronschwimmer, und Darina Walitowa geben ihr Bestes, die russische Synchronschwimmerehre zu retten, mit Nasenzwickel, Make-up und zurückgelegtem Haar. Auch Bill May ist wieder elegant abgetaucht. Die Entscheidung fällt am Donnerstag. Sicher ist: Witalij Mutko wird genau hinschauen.

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