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Schwimm-Weltcup : Britta Steffens bittere Erfahrung

Wieder da, aber noch nicht ganz die Alte: Britta Steffen Bild: dapd

Beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin schluckt Britta Steffen Wasser und wird nur Vierte und Sechste. Auch Paul Biedermann zeigt noch Schwächen. Gut meistern die beiden die allgemeine Umlagerung bei ihrem ersten Schwimm-Auftritt als Paar.

          Das Comeback der Doppel-Olympiasiegerin und Doppelweltmeisterin hatte einen kleinen Makel und eine große Enttäuschung. Zwar hatten Britta Steffen und ihr Trainer Norbert Warnatzsch schon vor dem Weltcup am Wochenende in Berlin deutlich gemacht, dass die Schwimmerin in ihrem ersten Wettkampf seit fünfzehn Monaten wohl nicht gleich gewinnen würde. Doch wie die 26-Jährige am Samstag im Finale über 50 Meter Freistil bei der Wende aus dem Rhythmus kam, vorzeitig auftauchte und einen großen Schluck Wasser nahm, das ist im Spitzensport schon ungewöhnlich.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach Luft schnappend, wurde sie in 24,53 Sekunden Vierte. Beschissen fühle sich das an, sagte sie im ersten Ärger. Richtig enttäuscht aber war sie, als sie tags drauf in 53,45 Sekunden über 100 Meter auf Platz sechs schwamm. „Ich habe echt mein Bestes versucht und mich nicht verschluckt und verirrt“, sagte sie danach. „Das ist bitter, auf meiner Lieblingsstrecke Sechste zu werden.“ Siegerin Femke Heemskerk aus den Niederlanden war in 51,96 knapp anderthalb Sekunden schneller.

          Warnatzsch: „Wir leben jetzt von dem, was sie noch kann“

          „Beim nächsten Wettkampf wird sie diesen Fehler nicht machen“, sagte Bundestrainer Dirk Lange über die kurzfristige Atemnot der deutschen Schwimmerin Nummer eins. Noch vor ihrer sportlichen Leistung, immerhin im Vorlauf über 50 Meter Freistil (in 24,30 Sekunden) bereits die Qualifikationsnorm für die Europameisterschaft erfüllt zu haben, lobte er die Ruhe und Gelassenheit, die sie inzwischen gewonnen hat.

          Steffen Deibler: Heute Berlin, morgen Moskau, danach Stockholm

          Britta Steffens Trainer Norbert Warnatzsch verriet, dass sie sich auf den Kurzbahn-Weltcup in Berlin gar nicht vorbereitet, sondern im Kraftraum vor allem an den Grundlagen für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London gearbeitet hatte. „Wir leben jetzt von dem, was sie noch kann“, sagte er. „Die Pause war lang genug. Wir werden jetzt langsam zu Höchstbelastungen kommen, die Spitzenleistungen ermöglichen.“

          Deibler „in 80 Tagen um die Welt“

          Erst bei den deutschen Langbahn-Meisterschaften im Mai nächsten Jahres, ebenfalls in Berlin, soll Britta Steffen athletisch und schwimmerisch wieder ganz die alte sein und sich für die Titelverteidigung bei der WM in Schanghai (China) qualifizieren. „Sie ist hoch motiviert“, versprach Warnatzsch, „und der Trainer ist es auch.“ Für den langfristigen Aufbau verzichten die beiden auch auf die Teilnahme an der Kurzbahn-WM in Dubai.

          Ganz anders dagegen Steffen Deibler. Der 23 Jahre alte Hamburger, der um seinen Durchbruch in die Weltklasse kämpft, machte in Berlin Zwischenstation auf einer Reise, für die der Titel „In 80 Tagen um die Welt“ eine Untertreibung wäre. „Morgen bin ich in Moskau, von dort fliege ich nach Stockholm“, umriss er in Berlin seine Pläne.

          Biedermann: „Das Trainingslager läuft mir noch hinterher“

          Nach der Europameisterschaft, die für ihn, der im vergangenen Jahr auf der Kurzbahn über 50 Meter Schmetterling Weltrekord schwamm, mit den Plätzen vier und sechs enttäuschend verlief, setzt er sich nun der Teilnahme an allen Weltcups aus. „Wir setzen auf sehr, sehr harte Rennen statt auf viele Kilometer im Training“, sagt er. Was ihm Wettkampfhärte verschaffen soll, bringt ihm auch Respekt ein. „Er ist der einzige, der im Weltcup permanent punktet“, lobte Lange. „Wenn bei ihm erst der Knoten platzt.“

          Auf den Sprintstrecken allerdings rächt sich jeder noch so kleine Fehler, nicht nur das Wasserschlucken. So bleibt für Deibler, neben der Freude über den Sieg und die EM-Qualifikation über 100 Meter Freistil in 46,69 Sekunden, weitere Podiumsplätze sowie den Erfolg seines jüngeren Bruders Markus Deibler über 100 Meter Lagen in der Weltjahresbestzeit von 52,17 Sekunden die Hoffnung darauf, dass sich die Weltreisen bei den anstehenden Europa- und Weltmeisterschaften in einen Titel ummünzen lassen.

          „Wir sind ja nicht so ein Glamour-Paar, das ewig umlagert wird

          „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“, kommentierte Bundestrainer Lange die Siege von Doppelweltmeister Paul Biedermann (Halle/Saale) über 400 Meter Freistil in 3:42,31 und 200 Meter Freistil in 1:44,36 Minuten. „Das Trainingslager läuft mir noch hinterher“, führte Biedermann als Erklärung dafür an, dass er noch weit von seinen Bestzeiten entfernt blieb. Seine Freundin Britta Steffen fieberte zwar mit ihm und biss sich beim Zuschauen auf die Finger. Doch auch Biedermann zeigte bei den Richtungswechseln Schwächen. „Je erschöpfter ich bin, desto schlechter wird meine Technik“, schnaufte Biedermann. „Wenn ich meine Wenden sehe, könnte ich ausrasten vor Ärger.“ Immerhin, er verschluckte sich nicht.

          Fast genau so wichtig wie ihre sportlichen Leistungen war der erste gemeinsame Auftritt des Paares Steffen/Biedermann bei einem Wettkampf. „Wir haben das ganz gut hinter uns gebracht“, konstatierte Biedermann und äußerte auch in dieser Hinsicht Hoffnung: „Wir sind ja nicht so ein Glamour-Paar, das ewig umlagert wird.“

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