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Schwimm-Kommentar : Freie Bahn den Champions

In London will Britta Steffen 2012 ihren Nachruhm vergrößern Bild: dpa

Britta Steffen und der Schwimmverband steuern gerade in eine Konfrontation.Der deutsche Verband sollte seinem Star Eigenwillen und Dickköpfigkeit zugestehen.

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          Der Star galt als eigenwillig und dickköpfig. Was er, Olympiasieger und schnellster Mann der Welt, amourös oder kommerziell ausprobierte, bewegte das Publikum; die Altvorderen im Verband, die er mit ihrem autoritären Gehabe oft genug hatte abblitzen lassen, verfolgten es mit Missfallen und Ärger. Als Armin Hary sich, wie damals üblich, mittels einer Spesenabrechnung so etwas wie Handgeld anweisen ließ, schlugen sie zu: Verletzung des Amateurstatuts.

          Weil er zudem in einem Zeitschriftenartikel Verbandsfunktionäre kritisierte, warfen sie ihm obendrein vor, gegen das Gebot der Kameradschaft, wie es die Verbandssatzung vorschrieb, verstoßen zu haben. Der Deutsche Leichtathletikverband sperrte im Januar 1961 in einer selbstzerstörerischen Mischung aus Ignoranz und Paragraphenreiterei seinen bekanntesten und stärksten Athleten für zunächst ein Jahr. Damit beendete er, wie man heute weiß, dessen Karriere und die Ära der großen deutschen Sprinter.

          Man mag sich das kaum vorstellen: Der 23 Jahre alte Armin Hary hatte die lächerliche Summe von 280 Mark angenommen. Britta Steffen und der Deutsche Schwimmverband steuern gerade in eine ähnliche Konfrontation. Auch in der Diskussion um die Abreise der Olympiasiegerin und Weltrekordschwimmerin von der Weltmeisterschaft in Schanghai geht es vor allem um Mannschaftsdisziplin und Autorität.

          Eine Psychologin hat nicht nur die Selbständigkeit der Athletin gestärkt, sondern vielleicht auch ihre Eigenwilligkeit. Ein neues Management begleitet sie seit Anfang des Jahres im Schlussbogen ihrer Karriere – und vielleicht auch darüber hinaus. Schließlich ist Britta Steffen die Hälfte des Traumpaares im deutschen Schwimmsport; sie ist liiert mit Paul Biedermann, der Olympiahoffnung des Verbandes. Nach den Sommerspielen 2012 in London will sie vermutlich ihre Laufbahn als Schwimmerin allmählich beenden; präsent wird sie darüber hinaus bleiben.

          Ihren Nachruhm, von dem sie einst zehren wird, kann Britta Steffen im kommenden Sommer nur vergrößern. Siegt sie in London, krönt sie ihre bisherigen Erfolge mit einem weiteren Triumph. Sollte sie aber – nur einmal angenommen – in London ein ähnliches Fiasko erleben wie in Schanghai, wird sie doch stets die große Siegerin von Peking bleiben. Gescheitert werden dann nur diejenigen sein, die ihr den Erfolg hätten ermöglichen sollen: Trainer, Sportdirektor und Verband.

          Erinnern wir uns an Armin Hary, den Helden der Olympischen Spiele von Rom. Er wurde ein Opfer der Kleingeister im eigenen Verband. Sein Beispiel lehrt, dass Verbandsfunktionäre Eigenwillen und Dickköpfigkeit weder ausleben noch einer Olympiasiegerin vorwerfen sollten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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