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Schwenningen Wild Wings : Zurück auf dem heißen Eis

  • -Aktualisiert am

Sie müssen nicht mehr frieren: die Schwenninger Eishockey-Fans Bild: Jens Hagen

Die Konkurrenz freut sich über die alten Bekannten. Um wieder in der DEL zu spielen, haben die Schwenninger Wild Wings 1,1 Millionen Euro bezahlt. Aber Tradition allein reicht nicht zum Überleben.

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          Aus dem „Eisstadion am Bauchenberg“ ist mittlerweile eine moderne Arena geworden, auch sonst hat sich in Schwenningen zuletzt manches geändert. Nur eines nicht: die Begeisterung der Südbadener für Eishockey. Zehn Jahre mussten sie im Schwarzwald warten, bis die Wild Wings wieder in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) angekommen sind. Seitdem ist die Freude darüber spürbar. Selbst im Sommer liefen die Fans mit T-Shirts und dem Aufdruck „Back again tour 2013/14“ herum.

          Das erste Eistraining bei 30 Grad Celsius verfolgten rund 1600 Eishockeyverrückte. Und zum Saisonauftakt am vergangenen Freitagabend beim nordbadischen Erzrivalen Mannheimer Adler (1:2) machten sich rund 3000 Fans auf in den Norden. Für die Verantwortlichen ist die Begeisterung schon fast beängstigend: „Keiner weiß wirklich, was uns in der DEL erwartet. Vielleicht wäre ein bisschen Realismus angebracht“, sagt Manager Alexander Jäger.

          1993 waren die Wildschwäne Gründungsmitglied der DEL, bereits dreizehn Jahre zuvor gehörten sie ununterbrochen der höchsten deutschen Klasse an. Die Namen der Stars von einst stehen nun auf den Trikots, die von der Decke der neuen Arena hängen, und erinnern so an die ruhmreiche Historie: Wally Schreiber, Mark McKay, Mike Bullard. Auch Dennis Seidenberg, längst ein etablierter Crack in der nordamerikanischen NHL, kommt aus dem Nachwuchs der Wild Wings.

          Den Bogen zur Moderne schlägt Sascha Goc, der bereits von 1994 bis 1998 bei den Wild Wings spielte und nun wieder zurückgekehrt ist. Doch Profi-Eishockey ist in Deutschland immer ein Ritt auf der Rasierklinge. 2002 begannen die ersten wirtschaftlichen Probleme, 2003 gewannen die Wild Wings zwar das Abstiegsduell gegen die Frankfurt Lions, mussten aber wegen Insolvenz trotzdem in die zweite Liga gehen.

          „Das alte Bauchenbergstadion war ein Erlebnis“

          Seitdem hat sich der Verein konsolidiert, die Entscheidung der Stadt, das so ehrwürdige wie veraltete Eisstadion in eine moderne Arena umzubauen, gab neuen Schub. „Das alte Bauchenbergstadion war ein Erlebnis. Da konnte es passieren, dass den Kameraleuten im Winter die Linse eingefroren ist. Durch den Neubau der Arena ist der Standort jetzt absolut DEL-tauglich“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. 2010 war der Umbau fertig, seitdem träumten sie in Schwenningen wieder von der DEL. Doch einen geregelten Auf- und Abstieg gibt es aktuell nicht.

          Ein bekannter Name auf dem Schwenninger Eis: Sascha Goc

          So mussten die Wild Wings auf das warten, was ihnen selbst passiert war: eine wirtschaftliche Pleite eines Vereins, um dessen Lizenz übernehmen zu können. 2012 wurde der EHC München in letzter Sekunde noch durch den Red-Bull-Konzern gerettet, 2013 aber hatten die Hannover Scorpions keinen Helfer in der Hinterhand. Schwenningen, obwohl im Zweitliga-Endspiel an Bietigheim gescheitert, bekam den Zuschlag - zum Preis von 1,1 Millionen Euro, der über drei Jahre an den bisherigen Gesellschafter der Hannover Scorpions abbezahlt werden muss.

          Ein Kraftakt. „Die vergangenen drei Monate waren eine Herkulesaufgabe für uns“, sagt Manager Jäger, selbst erst seit Juni dieses Jahres bei den Wild Wings. „Wir hatten als Letzte unser Team zusammen, wie sind am spätesten von allen wieder aufs Eis gegangen, und wir mussten die meisten neuen Spieler integrieren.“ Aus dem Zweitligateam sind nur sieben Akteure übrig geblieben. Noch fühle sich alles toll an, „doch es werden auch schwere Zeiten kommen. Die müssen wir tapfer überstehen“, sagt Jäger.

          Eishockey in Schwenningen ist kein Kunstprodukt

          Die Konkurrenz freut sich über die alten Bekannten. „Schwenningen ist eine kleine Stadt, verfügt aber über ein großes Einzugsgebiet, und in unmittelbarer Nähe gibt es keinen Fußball-Bundesligaklub. Ich bin zuversichtlich, dass der Verein eine ähnliche Entwicklung nehmen kann wie die Straubing Tigers oder die Iserlohn Roosters“, sagt DEL-Geschäftsführer Tripcke.

          Eishockey in Schwenningen ist kein Kunstprodukt, sondern Beweis für den erfolgreichen Übergang von der Tradition in die Moderne. An diesem Sonntag (16.30 Uhr) werden bei der Heimpremiere gegen Krefeld in der ausverkauften Arena 6200 Zuschauer erwartet. Die Schwenninger Fans jedenfalls sind bereit.

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