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Europarekord unter Vorbehalt : „Ist alles in Ordnung?

Persönliche Bestzeit erstaunlich verbessert: Alex Wilson Bild: dpa

Alex Wilson läuft über 100 Meter eine erstaunliche Zeit, die Europarekord bedeuten würde. Der Schweizer Sprinter mit jamaikanischen Wurzeln zweifelt selbst daran.

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          Den Schauplatz des Geschehens ein Stadion zu nennen wäre schon zu viel des Guten, eher trifft die Bezeichnung „Nebenplatz“ zu, in Deutschland würde man vielleicht auch Bezirkssportanlage sagen. Doch nicht der Ort ist in diesem Fall wichtig, sondern die Zeit. Und die mutet sensationell an: 9,84 Sekunden für 100 Meter. Europarekord. Aufgestellt von einem Schweizer Leichtathleten, der trotz seiner jamaikanischen Wurzeln bislang nicht als Sprintrakete in Erscheinung getreten ist. Alex Wilson, 30 Jahre alt, geboren in Kingston Town 1990, Schweizer Staatsbürger seit 2010.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Gelaufen hat er seine Fabelzeit bei einem kleinen Meeting mit ländlichem Charakter in Marietta im amerikanischen Bundesstaat Georgia, nahe der einstigen Olympiastadt Atlanta immerhin. „Stimmt es, sind Sie sicher?“, soll Wilson den Kampfrichter gefragt haben, als ihm seine Bestzeit genannt wurde: „Ist alles in Ordnung?“ Davon ausgehend, dass die Bahn schon ihre 100 Meter Länge hatte, könnte höchstens die Zeitmessanlage einen Defekt aufgewiesen haben. Das wird derzeit geprüft, ehe die Marke in die offizielle Bestenliste übertragen wird. Sollte sie die „Homologation“ überstehen, wie die Schweizer das Prüfverfahren nennen, wäre Wilson mit seinen 30 Jahren aus dem Nichts der beste Sprinter des Kontinents, Schweizer Landesrekordhalter und hätte sich auch in die Rolle des Mitfavoriten für die Olympischen Spiele katapultiert.

          Auf dem verwackelten Video, aus ungünstiger Position gefilmt, das von dem vermeintlichen Fabellauf im Internet zu finden ist, sieht man Wilson an der Spitze eines Ü-30-Feldes eine hellblaue Bahn entlangstampfen. Der Wind stand günstig, 1,9 Meter pro Sekunde Rückenwind, gerade noch zulässig. 10,10 sei er gelaufen, dachte Wilson selbst, bestenfalls 10,00. Was im Rahmen seiner Möglichkeiten wäre, denn 10,08 war seine bislang beste Zeit. Aber vielleicht kommt die auch erst: in Tokio Anfang August.

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