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Schweizer Davis-Cup-Team : Alles Roger!

Körpersprache: Federer hörte auf das, was ihm sein Rücken sagte. Der gab ihm nun das Okay für den Wettkampf. Bild: AFP

Rücken hin, Rücken her: Der Schweizer Federer lässt es darauf ankommen – er will im Davis-Cup-Finale gegen Frankreich antreten. Das Auftaktmatch bestreitet Wawrinka.

          3 Min.

          So eine Davis-Cup-Auslosung ist an sich eine ziemlich unspektakuläre Angelegenheit. Eine große Sache vor allem für den Austragungsort, der seine repräsentativsten Räume zur Verfügung stellt, damit das Stadtoberhaupt die Spieler und Funktionäre beider Tennisländer mit warmen Worten willkommen heißen kann. Anschließend folgen weitere Funktionärs-Reden, danach wird protokollarisch korrekt ausgelost, welche beiden Profis den Länderkampf eröffnen und welche Spieler danach an der Reihe sind, und am Ende betonen beide Mannschaften, wie sehr sie dem Duell entgegenfiebern.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Donnerstag ging es im „Chambre de Commerce et d’Industrie Grand Lille“ ungleich aufregender zu, denn bis kurz vor dem Zeremoniell war ungewiss, wie spannend das Davis-Cup-Finale zwischen Frankreich und der Schweiz zu werden verspricht. Wohl und Wehe an diesem Wochenende, so meinten besonders die Eidgenossen vor der Auslosung, hänge einzig vom Rücken ihres großen Meisters ab.

          Und so lauteten die bangen Fragen nach dem beklagenswerten Ende der ATP World Tour Finals am vergangenen Sonntag in London: Kann Roger Federer in Lille spielen oder nicht? Hindern ihn die am vorigen Samstag plötzlich aufgetretenen Rückenbeschwerden daran, gegen das Team des Gastgebers aufzuschlagen oder nicht? Kann der Maestro antreten, um seine einzigartige Karriere mit einem Mannschaftstriumph zu krönen oder nicht?

          Um halb ein Uhr mittags herrschte Klarheit: Dreimal Ja, Federer kann an diesem Freitag spielen. So scheint es jedenfalls. „Ich vertraue meinem Körper“, sagte der Weltranglistenzweite: „Es war eine schwierige Woche, aber ich bin glücklich damit, wo ich jetzt stehe.“

          Schläger neu, Rücken fast wie neu: Federer ist an der Seite von Wawrinka bereit fürs Finale
          Schläger neu, Rücken fast wie neu: Federer ist an der Seite von Wawrinka bereit fürs Finale : Bild: AFP

          Die Schweizer durften aufatmen, als der 33-Jährige bei der Auslosung auftauchte, und sie können guter Hoffnung sein, dass er an diesem Freitag zum zweiten Einzel gegen Gael Monfils aufläuft. „Wenn Roger sich entschieden hat zu spielen, dann sieht er sich auch in der Lage, mich zu schlagen“, sagte Monfils. Zum Auftakt um 14 Uhr bekommen es die französische Spitzenkraft Jo-Wilfried Tsonga und Stan Wawrinka miteinander zu tun. Für das Doppel am Samstag sind Julien Benneteau/Richard Gasquet sowie Marco Chiudinelli/Michael Lammer nominiert.

          Federers Rücken: Das Kreuz mit dem Schweizer Kreuz

          Die ersten positiven Zeichen vom „Rücken der Nation“, wie Federers Kreuz in den Schweizer Medien seit Tagen genannt wird, hatte es schon zuvor gegeben. Am Mittwochabend, drei Ruhetage nach seinem verletzungsbedingten Verzicht auf das Londoner Endspiel gegen Novak Djokovic, absolvierte der Maestro ein erstes, halbstündiges Training. Am Donnerstag morgen stand er abermals auf dem Platz, diesmal mit seinem Kompagnon Wawrinka und deutlich beweglicher. „Es wäre auch möglich, ohne Training zu spielen“, hatte der 17-malige-Grand-Slam-Turniersieger behauptet, ehe er sich an den Tennisplatz im Fußballstadion doch noch gewöhnen konnte. Was genau ihn plagte, ließ Federer weiter offen. Nur so viel dazu: „Ich habe seit meinen Juniorentagen Erfahrungen mit Rückenbeschwerden.“

          In den Tagen nach dem Malheur im Londoner Halbfinalkrimi – ausgerechnet gegen Wawrinka – waren Mediziner gesuchte Gesprächspartner. Der Schweizer Mannschaftsarzt Teamarzt Roland Biedert und Physiotherapeut Daniel Troxler erlangten sogar eine gewisse Berühmtheit, weil sie den „Rücken der Nation“ mit muskelentspannenden Medikamenten, Massagen und womöglich mehr behandelten.

          Gael Monfils weiß: „Wenn Roger sich entschieden hat zu spielen, dann sieht er sich auch in der Lage, mich zu schlagen“
          Gael Monfils weiß: „Wenn Roger sich entschieden hat zu spielen, dann sieht er sich auch in der Lage, mich zu schlagen“ : Bild: Reuters

          Nebenbei durften andere Ärzte Ferndiagnosen darüber anstellen, ob oder wie ihr Landsmann spielen könnte. Die einen sagten, dass ein schlagfertiger Einsatz möglich sei, weil sich funktionelle Störungen im Rücken schnell beheben ließen. Andere behaupteten, selbst wenn die Therapie auf die Schnelle anschlage, fehle es Federer an Training. Tatsächlich ist eine Umstellung auf einen Sandplatz binnen kürzester Zeit, nachdem er wochenlang auf Hardcourts gespielt hat, selbst für einen Ausnahmekönner wie Federer eine heikle Herausforderung. Vor allem, wenn er gezwungen sein sollte, auf dem physisch fordernden Untergrund über fünf Sätze zu gehen. „Ein Indoor-Sandplatz ist etwas, das wir nicht kennen“, sagte der Schweizer: „Es gibt viele Fragezeichen.“

          Insofern haben sich die Franzosen aus ihrer Sicht richtig entschieden, im Stadion „Pierre Mauroy“, wo gewöhnlich der Erstligaklub OGC Lille seine Heimspiele austrägt, einen Sandplatz einrichten zu lassen. Die Frage aller Final-Fragen, nämlich ob der Gegner in stärkster Besetzung antritt oder ohne seinen Superstar, versuchten sie bis zur allerletzten Klärung herunterzuspielen. Man sei auf Federer und Wawrinka eingestellt gewesen, sagte Davis-Cup-Kapitän Arnaud Clement lapidar, und seine Spitzenkraft Tsonga assistierte: „Wir müssen am Wochenende unsere beste Leistung abrufen, alles andere ist nicht unsere Sache.“

          Monfils erwartet ein „wahnwitzige Stimmung“

          Während die Franzosen auf ihren zehnten Triumph und ihren ersten seit 2001 hoffen, spielen die Schweizer um ihren ersten Davis-Cup-Erfolg. 27.000 Zuschauer werden bei kühlen Temperaturen für jene heiße Stimmung sorgen, für die französische Tennisfans berühmt und ziemlich berüchtigt sind. „Ich erwarte eine wahnwitzige Stimmung“, sagte Monfils. Kapitän Clement setzt darauf, dass seine Spieler daraus „viel positive Energie“ ziehen.

          Aber wie wird es um Federers Energie bestellt? Es gibt immer noch die Möglichkeit, dass er trotz aller Beteuerungen sich an diesem Freitag noch schont und erst an den folgenden Tagen aufläuft. Am Donnerstag habe er, wie immer vor einem Spieltag, nicht in vollem Umfang trainiert. „Nur ein Match gibt dir alle Antworten, ob du bei 100 Prozent bist.“ Roger Federer lässt es darauf ankommen.

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