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American Football : „Björn Werner leistet nichts“

  • -Aktualisiert am

Alles im Griff? Für Björn Werner läuft es in der NFL derzeit nicht mehr nach Wunsch. Bild: Picture-Alliance

Dass Björn Werner 2013 zu den Indianapolis Colts kam, war ein Glücksfall für ihn. Doch nun mehrt sich Kritik am deutschen Football-Spieler. Er wird gar Thema eines Brandbriefs der Sonderklasse.

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          Der junge Footballspieler, der sich vor zwei Jahren bei der alljährlichen Talentshow der National Football League präsentierte, wirkte durch und durch wie ein Pragmatiker. Anpassungsfähig und alert. Er habe „kein Traumteam“, erklärte Björn Werner bei der Veranstaltung genannt „Combine“, bei der Scouts und Trainer die besten Collegespieler genau unter die Lupe nehmen. In seinem Deutsch hatte das Leben in den Vereinigten Staaten schon ein paar amerikanische Einsprengsel-Spuren hinterlassen: „Das Team, das mich nimmt“, sagte er, „wird mein Favorite-Team sein.“

          Als Werner wenige Wochen später bei der Draft von den Indianapolis Colts gezogen wurde, einem Klub, dessen Spieler ein blaues Hufeisen auf den weißen Helmen tragen, war allerdings ein Glücksfall für ihn. Das Team befand sich auf Super-Bowl-Kurs. Obendrein stimmte das Geld. Der junge Linebacker aus Berlin erhielt einen Vier-Jahres-Vertrag über insgesamt 7,8 Millionen Dollar, von denen 6,4 Millionen garantiert waren.

          Eine Besonderheit in der Liga, in der Spieler von heute auf morgen gefeuert werden können und in dem Moment auch ihre Bezüge verlieren. Diese Garantiezusage gefällt nicht allen. Das wurde deutlich, ehe vor gut einer Woche die neue Saison begann, als der 25 Jahre alte Berliner das Thema eines Brandbriefs der Sonderklasse wurde. Autor Greg Doyel, der Kolumnist des „Indianapolis Star“, der einzigen Zeitung in der Stadt, beschwerte sich darin lang und breit: „Björn Werner wird im Kader sein. Aber, hmmm, weiß irgendjemand, warum er im Kader sein wird? Er leistet nichts. Er verfügt über kein Potential, das man nicht bereits angezapft hätte.“

          Die Indianapolis Colts mit Werner (links) starteten mit zwei Niederlagen in die Saison.
          Die Indianapolis Colts mit Werner (links) starteten mit zwei Niederlagen in die Saison. : Bild: Picture-Alliance

          Der Linebacker sei „einer der schlechtesten Spieler der gesamten Vorbereitungszeit“ gewesen. Die Attacke las sich erst beim zweiten Hinsehen so, als sei sie nicht in erster Linie an den Football-Profi gerichtet, sondern an die Klubverantwortlichen. Als sei das viele Geld einfach schlecht angelegt.

          Björn Werner soll die Lücken stopfen

          Werner hatte in der Jugend bei Berlin Adler angefangen und danach innerhalb von zwei Jahren an einem Internat in Neuengland jene Linebacker-Qualitäten entwickelt, deretwegen er von der Universität Florida State ein komplettes Stipendium bekam. In Indianapolis tut er sich allerdings schwer. In der Vorbereitungszeit auf die neue Saison tüftelten die für die Defensive verantwortlichen Assistenztrainer für ihn eine neue Rolle aus. Statt wie bisher als sogenannter Pass Rusher hauptsächlich mit der Aufgabe betraut, mit schnellen Spurts durch die Reihen der Angreifer den gegnerischen Quarterback zu stören oder gar zu Boden zu reißen, soll er nun eingesetzt werden, um Löcher in der eigenen Linie zu stopfen.

          Wenige Wochen zuvor hatte die Nummer 92 – ein muskulöser Typ von 1,91 Meter, 115 Kilogramm schwer – auf Fragen nach seinen Problemen bei den Colts die Standardantwort gegeben, die man von einem loyalen Arbeitnehmer erwarten darf. Sein Ziel sei es, sich zu steigern. „Natürlich schaut jeder auf die Zahlen und die Statistik. Und natürlich will ich mich auch da verbessern.“ Aber – und es klang durch, dass der Pragmatismus von einst einer erheblichen Portion Fatalismus gewichen war: „Ich habe darüber keine Kontrolle. Ich kann nur das bestimmen, was ich an Arbeit hineinstecke.“

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          Werner hat in seinem jungen Leben bereits eine Reihe von Schwierigkeiten bewältigt. Im Internat waren es Heimweh und die zunächst dürftigen Englischkenntnisse. An der Universität war es das fehlende Geld. Weder konnte er sich in den drei Jahren ein Flugticket leisten, um seine Eltern zu besuchen, noch hatten sie die Mittel, um in die Vereinigten Staaten zu reisen und ihn dort in seiner sportlich bislang besten Zeit live zu erleben.

          Zumindest der finanzielle Teil erledigte sich für Werner mit dem ersten Profi-Vertrag. Doch andere Probleme kamen hinzu. „Ich bin glücklich hier“, sagte er während des Sommers. Obwohl er schon einige „Hochs und Tiefs mit Verletzungen hatte“. Aber das seien Dinge, die er nicht ändern könne. „Ich kann mich nur darauf konzentrieren, jedes Mal wieder gesund zu werden, rauszugehen und mit meinen Mannschaftskollegen Spaß zu haben.“

          Zwei Niederlagen zum Start der NFL

          Der Plan ging am ersten Sonntag der Saison nicht auf. Zwar kam Werner zum Einsatz und tauchte sogar – mit einem Solo-Tackle – in der Statistik auf. Dafür wirkte das gesamte Team in der Begegnung gegen die Buffalo Bills desorientiert. Die 14:27-Niederlage ernüchterte viele, die den Colts in diesem Jahr viel zugetraut hatten. Auch die erste Heimpartie gegen die New York Jets am Montagabend (Ortszeit) endete mit einer 7:20-Niederlage.

          Erste Skeptiker unkten, dass sich mit dem gegenwärtigen Kader die Probleme nicht lösen lassen würden. Werner ist dafür beim besten Willen nicht verantwortlich. Er hat das Football-Spiel mal auf seine darwinistische Grundformel gebracht: „Es ist wirklich ein Männersport. Ich gegen dich. Das ist dieses intensive Ding. Wer ist stärker? Bist du der Hammer, oder bist du der Nagel?“ Er ist in diesem Spiel gerade nicht der Hammer.

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