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Schimmelpfennig und Weise : „Unser System steht auf tönernen Füßen“

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Erfolgstrainer im Hockey: Markus Weise hat dezidierte Ansichten zur Sportpolitik Bild: dpa

Zwei Männer und ihre Schläger: Dirk Schimmelpfennig ist Sportdirektor im Tischtennis. Markus Weise trainiert die deutschen Hockey-Männer. Ein Gespräch über unbekannte Olympiasieger, übermächtige Chinesen und auffällige Jamaikaner.

          9 Min.

          Gibt es ein System des sportlichen Erfolges? Dank Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov sind die deutschen Tischtennisherren die Nummer zwei in der Welt. Ist das ein Glücksfall oder entwickelt?

          Schimmelpfennig: Die beiden sind Produkte eines Systems. Mit unseren Strukturen haben wir es geschafft, viele Beteiligte auf das Ziel Olympiamedaille auszurichten. Wir haben vor sieben Jahren in unseren Leistungssportgremien gesagt: Oberstes Ziel ist eine Olympiamedaille. Wenn die Sportart überleben soll, müssen wir diese Perspektive erarbeiten und nutzen. Wir haben die Interessen gebündelt, weil wir das Glück hatten, dass die Spieler, die frühzeitig erfolgreich waren, schon im Grundlagentraining Toptrainer hatten. Bei Dimitrij ist das sein Vater, der ihn bis hierher als wichtigster Trainer begleitet hat. Dimitrij hat sämtliche Jugendnationalmannschaften durchlaufen, und es gab ständig Dialoge zwischen dem Vater, ihm und den Bundestrainern, die ihn in den verschiedenen Teams betreuten. Die Kooperation mit den Heimtrainern hat sehr gut funktioniert. Wenn man sich austauscht, kommen auch sehr gute Ergebnisse heraus.

          Deutsche Hockeymannschaften haben bei den acht Olympischen Spielen seit Los Angeles 1984 bei den Frauen dreimal das Endspiel erreicht, bei den Männern fünfmal; aus Athen 2004, aus Peking 2008 und aus London 2012 haben Sie, Herr Weise, mit Ihren Teams immer eine Goldmedaillen mitgebracht. Haben Sie auch eine so stringente Jugendförderung?

          Weise: Wir müssen nicht in der U16 Europameister werden, daran nehmen wir gar nicht teil. Unsere U21 hat im Dezember die Weltmeisterschaft gewonnen wie 2009. Das ist sehr schön, aber sie hätte auch richtig auf die Glocke kriegen dürfen. Entscheidend ist, dass da drei, vier Jungs mit einer total spannenden Perspektive mitspielen. Spätestens in einem Jahr habe ich die bei mir, und alles ist gut.

          Das klingt nach Pflege hier und Hege dort, Auswahl von klein auf...

          Schimmelpfennig: Wir im Tischtennis haben zentralisiert. Einer unserer fünf Bundesstützpunkte ist Düsseldorf; beide Nationalmannschaften sind dort beheimatet. Wir haben eine sehr starke Trainingsgruppe mit unterschiedlichen Spielsystemen. Timo trainiert in Frankfurt und in Düsseldorf. Damit haben wir zwei Trainingsgruppen, die am dichtesten an das Niveau der Chinesen herankommen. Sie sind mit Sicherheit die stärksten Trainingsgruppen in Europa, für Männer und für Frauen.

          Wie hat sich das entwickelt?

          Schimmelpfennig: Als in den achtziger Jahren Charles Rösch und Eva Jeler eingestiegen sind, haben wir die Talentsichtung von unter Zehnjährigen eingeführt. Das erste Produkt dieses Systems war Jörg Roßkopf. Wir haben unsere Struktur in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.

          Trotzdem kommen Sie an die Chinesen nicht heran...

          Schimmelpfennig: Wir dürfen die Leistungssportförderung in China nicht mit der in Deutschland vergleichen. Die Chinesen sichten jedes Jahr 10000 Sechsjährige und nehmen die Besten in ihre Regionalzentren auf. Wenn wir uns damit messen wollen, nicht nur im Tischtennis, müssen wir mehr in das Leistungssportsystem investieren.

          Wie ist die Situation im Hockey?

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