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Scharapowa und Ivanovic im Finale : Das Duell der Tennis-Models

Protagonistin einer neuen Generation: Ana Ivanovic Bild: AFP

Die Marketingstrategen reiben sich die Hände: Hätten sie sich vor Beginn der Australian Open ein Damenfinale wünschen können, wäre diese Zusammensetzung der Favorit gewesen. Schließlich wird die Begegnung zwischen Maria Scharapowa und Ana Ivanovic ein in jeder Hinsicht attraktives Endspiel.

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          Es gibt da diesen uralten Tenniswitz, bei dem sich zwei Spieler treffen. Sagt der eine: „Weißt du, was mir neulich passiert ist? Ich habe 0:6, 0:5, 0:40 zurückgelegen.“ Fragt der andere: „Und dann?“ Die Antwort: „Ich habe 0:6, 0:6 verloren.“ Mit solch einer Geschichte hätte man Daniela Hantuchova am Donnerstag sicher nicht kommen können. Es ist zweifelhaft, ob sie an diesem Tag überhaupt noch über irgendetwas wenigstens hätte schmunzeln können.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Slowakin hatte gerade das erste Grand-Slam-Halbfinale ihrer Karriere gespielt, und es hatte so ausgesehen, als sollte das ihr großer Augenblick werden: Sie hatte gegen die 20 Jahre alte Weltranglistendritte Ana Ivanovic den ersten Satz 6:0 gewonnen, sie führte auch im zweiten Durchgang schon wieder 2: 0. Ihre Gegnerin hatte kaum einmal einen vernünftigen Ball in ihr Feld gespielt, und wenn, dann hatte sie ihr die kleine Filzkugel entweder um die Ohren gehauen, sie mit einem Stoppball genarrt oder strategisch geschickt und mit einer beindruckenden Sicherheit, frei von jeder Nervosität, ausgespielt. Was also sollte da noch passieren?

          „Nur noch weg, so schnell wie möglich“

          Daniela Hantuchova hatte auch im nächsten Aufschlagspiel ihrer Gegnerin bei Einstand schon wieder dicht vor einem weiteren Break gestanden, und vielleicht wäre dieses zweite Semifinale dann tatsächlich vorzeitig entschieden gewesen. So aber kam alles anders: Eine Stunde später hatte die Slowakin 6:0, 3:6 und 4:6 verloren, und sie würdigte ihre Gegnerin keines Blicks, als sie ihr am Netz sehr flüchtig und kühl zum Sieg gratulieren musste. „Das hatte nichts mit fehlendem Respekt zu tun. Ich wollte nur noch weg aus der Halle, so schnell wie möglich“, sagte die Slowakin, was vermutlich jeder Hobbyspieler verstehen wird.

          Protagonistin einer neuen Generation: Ana Ivanovic Bilderstrecke

          Ein Freizeitspieler aber hätte sich bei 0:6 und 0:2 aufgegeben, hätte möglicherweise akzeptiert, dass heute alles schiefgehen würde. Profis aber ticken anders, sie haben schon zu viel, als dass sie nicht eins genau wissen: Es ist immer alles möglich. Die Russin Maria Scharapowa, die das erste Halbfinale gegen die Serbin Jelena Jankovic 6:1 und 6:3 gewonnen hatte, gab tiefe Einblicke in die Denkweise der Protagonisten. Sie saß in ihrer Pressekonferenz, als ihr der Spielstand von 6:0 und 2:0 mitgeteilt wurde. „Das ist noch nicht vorbei“, sagte die Russin, die nicht einmal das 6:0 irritierte. „Wen interessiert, wie der erste Satz ausgegangen ist? Es geht darum, wer am Ende gewinnt.“

          Ana Ivanovic konnte nur noch gewinnen

          Das war Ana Ivanovic, für die dieser Erfolg nicht nur den Einzug in das zweite Grand-Slam-Finale ihrer Karriere nach den French Open im vergangenen Jahr bedeutete, sondern nebenbei ein weiterer großer Schritt in ihrer noch jungen Karriere. Sie wird auf den zweiten Platz der Weltrangliste vorrücken, egal wie das Endspiel am Samstag gegen die momentan scheinbar übermächtige Maria Scharapowa ausgehen wird. Wie sie diesem Halbfinale noch eine Wende gegeben hatte? Relativ einfach: „Ich habe versucht, im zweiten Satz irgendwie dranzubleiben, und mir eingeredet, dass Daniela unmöglich so fehlerfrei weiterspielen könnte“, sagte die Serbin.

          Das hatte Daniela Hantuchova prompt auch nicht getan, die irgendwann im zweiten Satz begonnen hatte, ihre Chancen nicht mehr so konsequent zu nutzen wie in den ersten acht Spielen dieser Partie. Tennisprofis haben eine feine Antenne dafür, wenn ihr Gegner auch nur eine Spur nachlässt. Und schon ändert sich die mentale Situation auf dem Platz. Die eine, in diesem Fall Daniela Hantuchova, hatte plötzlich etwas zu verlieren, die andere, Ana Ivanovic, konnte nur noch gewinnen. Und gewann.

          Immer und zu jedem Zeitpunkt ist alles möglich

          Im dritten Satz hätte noch einmal alles in die Richtung der Slowakin laufen können, aber sie konnte ihren einzigen Breakball im dritten Durchgang nicht nutzen - oder, besser ausgedrückt - Ana Ivanovic erlaubte es nicht, weil sie bei den wichtigen Punkten des Spiels ihre Sicherheit wiedergefunden hatte und nichts mehr an die Spielerin erinnerte, die sie zu Beginn der Partie gewesen war. Das galt auch für Daniela Hantuchova: Das entscheidende Break zum 4:5 schenkte sie ihrer schon ausgespielten Gegnerin mit einem leichten Volleyfehler. Im ersten Satz hätte sie diesen Volley vermutlich mit geschlossenen Augen nicht verschlagen.

          So kam es, dass sich die Marketingstrategen die Hände reiben können: Hätten sie sich vor Beginn dieses Turnier ein Damenfinale wünschen können, wäre diese Zusammensetzung der Favorit gewesen. Schließlich wird es ein in jeder Hinsicht attraktives Endspiel geben mit zwei Spielerinnen, deren Trainingseinheiten in Melbourne schon von den Fans umlagert waren. Für Ana Ivanovic ist diese Partie angesichts des merkwürdigen Verlaufs des Semifinales wie ein Geschenk, für Maria Scharapowa die Gelegenheit, eine schmerzhafte Niederlage vergessen zu machen. Vor einem Jahr wurde sie im Endspiel von Serena Williams 1:6 und 2:6 vom Platz geschossen. Spätestens seit diesem Tag weiß sie ganz genau, dass auf einem Tennisplatz immer und zu jedem Zeitpunkt alles möglich ist.

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