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Schachmanager Schmitt im Gespräch : „Wie ein Zweikampf auf Leben und Tod“

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Klar ist, dass Schachspieler grundsätzlich gern vor Publikum spielen und sich freuen, wenn viele Menschen zuschauen. Das ist ohne eine gewisse Lautstärke gar nicht möglich. Im Übrigen gibt es in jeder anderen Sportart äußere Umstände, mit denen sich die Spielenden arrangieren müssen.

Zum Beispiel?

Roger Federer könnte jedenfalls nicht durchsetzen, dass keine Flugzeuge starten und landen, wenn er in Flushing Meadows aufschlägt.

Um den Vergleich mit anderen Sportarten auszureizen: Sollten Schachspieler Trikots tragen, gerade wenn sie in Mannschaften gegeneinander antreten?

Ich befürworte eine einheitliche Kleidung, an der die Zuschauer klar erkennen können, wer zu welchem Team gehört. Das müsste nicht einmal ein herkömmliches Trikot sein.

Am 14. Oktober beginnt in Bonn die Schachweltmeisterschaft zwischen dem amtierenden Weltmeister Viswanathan Anand aus Indien und dem Russen Wladimir Kramnik. Kann das dem Sport in Deutschland einen Schub geben?

Das hoffe ich sehr. Zum einen glaube ich, dass das ein sehr spannendes Duell werden wird, weil insgesamt nur zwölf Partien angesetzt sind. Zum anderen können wir allein mit dieser Veranstaltung zeigen, wie viel Geld sich auch für Schach mobilisieren lässt.

Von welchen Summen reden wir dabei?

Beide Spieler, Sieger wie Verlierer, bekommen 750.000 Euro. Das muss den Vergleich mit anderen Sportarten sicher nicht scheuen.

Wer will, kann alle WM-Partien im Internet live anschauen und nachspielen. Läuft während dieser Zeit an prominenter Stelle auch Schach im Fernsehen?

Sehr gut wäre das auf jeden Fall. Das ist ein Schritt, den wir noch schaffen müssen, weil Fernsehen neben dem Internet das wichtigste Medium bleiben wird - in zehn Jahren werden beide ohnehin eins geworden sein.

Vermutlich würde sich kein namhafter Sender bereit erklären, mehrere Stunden am Stück Schach zu übertragen.

Das ist auch gar nicht nötig. Ich stelle mir vor, dass man Blöcke zeigt, die zehn bis 15 Minuten lang sind. Das könnte ein generell für Schach gutes Sendeformat sein.

Sie haben sich nicht nur mit der Vermarktung von Schach beschäftigt. Mit dem Namen Hans-Walter Schmitt verbinden viele Spieler auch die etwas mysteriös klingende Spielvariante Chess960. Was verbirgt sich dahinter?

Im Chess960 wird vor Partiebeginn die Stellung der Figuren auf den beiden Grundlinien nach einer mathematischen Regel ausgelost. Danach beginnt die Partie ganz normal.

Wofür ist das gut? Ist normales Schach auf Dauer uninteressant?

Ganz und gar nicht. Mit Chess960 sprechen wir eine bestimmte Zielgruppe an: Menschen mit wenig Zeit.

Erklären Sie das bitte.

Wer heute erfolgreich Schach spielen möchte, muss sein Wissen kontinuierlich auf den neusten Stand bringen, gerade was die Eröffnungsphase angeht...

... also die ersten Züge, die jeder Spieler ausführt.

Ja. Dazu zwingen die ständig wachsenden Datenbanken und Computeranalysemöglichkeiten. Das kostet sehr viel Zeit. Für viele Spieler ist das, wenn sie einmal ihre Ausbildung oder ihr Studium beendet und eine Familie gegründet haben, nicht mehr leistbar.

Und inwiefern hilft ihnen dann Chess960?

Dadurch, dass die Grundstellung ausgelost wird zwischen 960 verschiedenen Möglichkeiten, hat niemand einen Vorteil allein durch Eröffnungswissen. Das Spiel entscheidet sich dadurch, wer prinzipiell mehr davon versteht.

Das Spiel verringert also den Abstand zwischen Laien und Profis?

Ich würde eher sagen, den Abstand zwischen Basiswissenden und Theoriebolzern.

Herr Schmitt, vor 15 Jahren gab es die ersten Chess Classic. Das Turnier ist gewachsen, dann kam Chess960 auf Ihre Agenda. Schließlich hat Ihr Verein, die Frankfurt Chess Tigers, eine Schachuniversität für Vereine und Schulen entwickelt. Gibt es einen Punkt, an dem Sie sagen würden: Jetzt bin ich am Ziel?

Nein. Wir müssen kontinuierlich mit viel Energie, hoher Kompetenz und Präzision weiterarbeiten. Wie lange unsere Akkus reichen, wage ich nicht zu sagen, das entscheiden andere: der liebe Gott, die Kollegen und der Erfolg. Immer weiter, nie zurückschauen, das ist meine Devise.

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