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Schach-WM : Anands Absprache mit Aruna

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Der freundliche Weltmeister: Viswanathan Anand Bild:

Viswanathan Anand verblüfft in Eröffnung und Endspiel. Doch in wichtigen Momenten seiner Karriere machte der Brettstratege oft gute Miene zum bösen Spiel. Trotz seiner Schlagfertigkeit fällt ihm Neinsagen schwer.

          Kaum einer würde Viswanathan Anand verdenken, wenn er auf den Tisch haute und sagte: Nicht mit mir! Doch das ist nicht sein Stil. Konflikte werden am Brett ausgetragen, Absprachen eingehalten. Der 38 Jahre alte Inder hält sich vornehm zurück, selbst wenn es in seinem Inneren brodelt. Etwa wie der Weltschachbund Fide dazu kam, Wladimir Kramnik vor der letzten WM in Mexiko einen Titelkampf gegen den Sieger zu garantieren. Oder wie dieser Kampf schon ohne Ausschreibung vergeben wurde. Oder dass ein Veranstalter den Zuschlag bekam, der seit Jahren für Kramnik arbeitet. Sorry, sagt Anand dazu nur, sein Vertrag verbiete ihm jeden Kommentar.

          Mehr als einmal machte er in wichtigen Momenten seiner Karriere gute Miene zum bösen Spiel. Denn dass der Veranstalter für seinen Gegner arbeitet, kennt Anand schon von 1995 in New York: Bob Rice, Manager der PCA, die der ehemalige Weltmeister Garri Kasparow nach seinem Bruch mit der Fide zur Vermarktung seiner Titelkämpfe gegründet hatte, kassierte gegenüber dem damaligen Herausforderer eine Zusage nach der anderen. Dass auch der Weltschachbund Fide schon einmal Anands Gegner bevorzugt hat, kennt der Inder von 1998: Anatoli Karpow wurde damals für das Finale der WM in Lausanne gesetzt. Anand selbst musste sich hingegen in sechs zermürbenden Zweikämpfen qualifizieren.

          Verblüffende Eröffnungsideen und filigrane Endspieltechnik

          Trotz seiner Schlagfertigkeit fällt ihm Neinsagen schwer. Anand gewann ein Turnier in Linares. Dadurch durfte er am Finale des erstmals ausgetragenen Grand Slam der großen, unabhängigen Turniere teilnehmen. Die Veranstalter hatten diesen Wettbewerb im spanischen Bilbao extra zwei Wochen vorverlegt, damit Anand mehr Zeit bis zum WM-Kampf blieb. Er fühlte sich verpflichtet und spielte mit. Gutgetan hat ihm das aber nicht. Runde um Runde mied der Weltmeister in Bilbao kritische Varianten, um nicht seine WM-Vorbereitung preiszugeben. Am Ende erzielte er eines der schlechtesten Resultate seiner Karriere.

          Als Spieler ist Anand komplett ausgebildet. Verblüffende Eröffnungsideen sieht man in seinen Partien ebenso wie eine filigrane Endspieltechnik. Er kann glänzend angreifen und zäh verteidigen. Seine Nerven kann er nicht immer so gut kontrollieren wie Kramnik. Dafür gerät er seltener in Zeitnot. Um sich die anstrengenden Flüge zu Turnieren und Ligakämpfen zu ersparen, zog er schon Anfang der neunziger Jahre nach Spanien. Einige Wochen verbringt er jedes Jahr in Bad Soden. Dort ist er Gast von Hans-Walter Schmitt, dem Veranstalter der Mainzer Chess Classic, die Anand trotz starker Konkurrenz regelmäßig gewinnt. Oder er reist zu Bundesligaspielen für die OSG Baden-Baden. Zuletzt hat Anand wieder mehr Zeit in Indien verbracht. In seinem mit internationalen Sportgrößen nicht gerade verwöhnten Heimatland wurde er nach seinem WM-Sieg 2007 zum Sportler des Jahres gewählt. Anand hat eine Reihe von Werbeverträgen, vor allem aus der IT-Branche, engagiert sich aber auch ehrenamtlich etwa für behinderte Kinder.

          Aruna kümmert sich ums Geschäftliche

          Dank ihm ist Indien im Schach eine aufsteigende Größe. Seit einigen Jahren trainiert Anand mit seinen besten Landsleuten. Diesen Sommer gingen beide U-20-Weltmeistertitel nach Indien, an Abhijeet Gupta und Harika Dronavalli. Humpy Koneru ist im Frauenschach die Nummer zwei. Hätte Anand sich nicht dagegen entschieden, kurz nach der WM bei der Schacholympiade anzutreten, hätte Indien dort exzellente Chancen auf eine Medaille.

          Landsleute sind auch an seinem Ziel beteiligt, den Titel zu verteidigen. Pentala Harikrishna hat ihm geholfen, sich auf das Match vorzubereiten. Surya Ganguly sekundiert in Bonn. Daneben setzt Anand auf seinen ständigen Trainer Peter Heine Nielsen aus Dänemark, den jungen Polen Radoslaw Wojtaszek und den Usbeken Rustam Kasimdschanow, der 2004 Fide-Weltmeister war. Ein weiteres wichtiges Teammitglied ist seine Frau Aruna, die wie er einen Abschluss in Betriebswirtschaft hat. Aruna kümmert sich um Organisatorisches und Geschäftliches. An ihr ist es auch, öfter mal nein zu sagen.

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