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Andeutungen nach Schach-WM : War es das für Weltmeister Magnus Carlsen?

  • Aktualisiert am

Ob Magnus Carlsen nochmal eine WM im klassischen Schach spielt, ist ungewiss. Bild: AFP

Wieder holte Magnus Carlsen den Titel bei der Schach-WM. Nun gibt er ein Interview, das aufhorchen lässt. Denn eine abermalige Verteidigung wird es aus Carlsens Sicht nur unter einer Bedingung geben.

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          Kurz nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung in Dubai hat Schachweltmeister Magnus Carlsen angedeutet, womöglich sein letztes WM-Duell im klassischen Schach gespielt zu haben. „Für diejenigen, die damit rechnen, dass ich das nächste Mal WM spielen werde, sind die Chancen für eine Enttäuschung ziemlich groß“, sagte der Norweger in einem Interview, das sein Freund Magnus Barstad für einen Wettanbieter führte.

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          Es könne durchaus zu einem abermaligen Titelkampf kommen, aber nur, wenn der 18 Jahre alte Alireza Firouzja sein Gegner werde, sagte Carlsen darin. Der 31-Jährige unterstrich jedoch, nicht mit dem Schach aufhören zu wollen. Das Spiel bereite ihm weiterhin viel Freude. Die norwegische Zeitung „Verdens Gang“ sprach bereits davon, dass Carlsen voraussichtlich seinen Titel im klassischen Schach abgeben werde.

          Carlsen hatte seinen WM-Titel am Freitag erfolgreich verteidigt. In einem am Ende recht einseitigen WM-Duell verteidigte er seinen Titel gegen seinen russischen Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi. Der nächste Titelkampf ist eigentlich für das Frühjahr 2023 geplant. Carlsens kommender Herausforderer soll im Spätsommer oder Herbst 2022 ermittelt werden, unter den Kandidaten ist auch Firouzja. Gewänne ein anderer das Kandidatenturnier, sei es unwahrscheinlich, dass er das nächste Spiel bei einer Weltmeisterschaft bestreite, sagte Carlsen in dem Interview.

          Carlsen hat im Schach Maßstäbe gesetzt. Wer ihn für einen kühlen, disziplinierten Rationalisten hält, liegt falsch. Der Weltmeister ist deshalb so gut im Schach, weil er es schafft, sowohl am königlichen Spiel als auch am Training und an der Vorbereitung Spaß zu haben. Das Auswendiglernen von Zugfolgen hält der Weltmeister deutlich kürzer als seine Rivalen. In Stellungen, von denen andere gelangweilt sind, findet er oft noch Details, die ihn auf die Gewinnerstraße bringen.

          Carlsen wird genau hinschauen

          In Dubai bei der WM gelang dem Norweger in der elften Partie der vierte Sieg über Nepomnjaschtschi, damit machte der während des WM-Duells 31 Jahre alt gewordene Carlsen in der auf 14 Partien angesetzten Weltmeisterschaft frühzeitig alles klar. Mit 7,5:3,5 verteidigte er seinen Titel bereits zum vierten Mal mit Erfolg.

          Ihm gelang es öfter als seinem Gegner, präparierte Zugfolgen aufs Brett zu bringen. Mit einem klaren Vorteil aus der Eröffnung kam er aber nur in der zweiten Partie und vergab seine Chance durch ein Übersehen. Mindestens so wichtig wie seine Eröffnungsvorbereitung erwies sich seine mentale Stärke. Vor dem Match hatte Carlsen über seinen Gegner gesagt: „Es wird vielleicht seine größte Herausforderung, wie er Rückschläge wegsteckt.“

          Anfangs spielte Nepomnjaschtschi auf Augenhöhe. Nach dem Remis in der fünften Partie äußerte er erstmals Unmut, weil er aus einer vorteilhaften Stellung nicht mehr gemacht habe. In der sechsten Partie erschwerte er sich durch einige unverständliche Entscheidungen die Verteidigung. Obwohl noch kurz vor Ende ein Remis drin war, musste sich der Russe nach fast acht Stunden Spielzeit und 136 Zügen geschlagen geben. Es war die nach Zügen längste Partie in der bis 1886 zurückreichenden Geschichte der Schachweltmeisterschaft.

          Nach dieser strapaziösen Partie schaffte es der Herausforderer am folgenden Tag nicht, mit Weiß Druck zu machen. In der achten und neunten Partie unterliefen ihm dann schwere Patzer, wie sie auf höchstem Niveau sonst nicht zu sehen sind. Nepomnjaschtschi gab zu und leistete Abbitte, dass sein Spiel eines Großmeisters nicht würdig war. Carlsen dagegen blieb konzentriert, und das verdankt er auch seiner physischen Fitness. Am liebsten spielt er Fußball und Basketball, was auch an den spielfreien Tagen in Dubai für ihn auf dem Programm stand. Um nach Partien den Kopf frei zu kriegen, schaut er gerne Spiele der Premier League, La Liga oder NBA.

          Seine bevorstehende Titelverteidigung ist auch eine gute Nachricht für die Play-Magnus-Firmengruppe, die seit Beginn der Pandemie stark expandiert hat und an die Osloer Börse gegangen ist. Sein Aktienpaket ist derzeit umgerechnet acht Millionen Euro wert. Für Carlsen war es bereits der fünfte Sieg in einem WM-Kampf – und sein bestbezahlter: 1,2 Millionen Euro Preisgeld kassiert er als Champion, für Nepomnjaschtschi sind es 800.000 Euro.

          Sechs Teilnehmer des nächsten WM-Kandidatenturniers, darunter Nepomnjaschtschi und Fioruzja, der mit 18 Jahren bereits Weltranglistenzweiter ist, stehen bereits fest. Zwei WM-Kandidaten werden noch beim Grand Grix von 3. Februar bis 4. April 2022 ermittelt. Zwei der drei Grand-Prix-Turniere werden am 3. bis 17. Februar und 21. März bis 4. April in Berlin stattfinden. Eines ist vorher schon sicher: Carlsen wird genau hinschauen, wer sich durchsetzt. Auch seine Zukunft hängt nach eigener Aussage davon ab.

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