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Umstrittener Schach-Chef : Ein Präsident mit direktem Draht in den Kreml

  • -Aktualisiert am

Arkadi Dworkowitsch in seiner Funktion als russischer Vize-Premier im Jahr 2016 in Düsseldorf. Bild: dpa

Trotz seiner engen Verbindung nach Moskau bleibt Arkadi Dworkowitsch an der Spitze des Weltschachbundes FIDE. Dabei gab es einen Gegenkandidaten aus der Ukraine. Russland sieht sich nun bestätigt.

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          Der Ausgang der Wahlen im Weltschachbund FIDE stand nie infrage. Der russische Politiker und Ökonom Arkadi Dworkowitsch ist am Sonntag in Chennai in Indien von 157 nationalen Schachverbänden für weitere vier Jahre als Präsident bestätigt worden. „Der russische Kandidat wird von einer Rekordzahl von Delegierten unterstützt, was bedeutet, dass Russland in der Welt nicht isoliert ist“, teilte der Russische Schachverband mit.

          Nur 16 Stimmen entfielen auf den einzigen Gegenkandidaten, den ukrainischen Großmeister und Unternehmensberater Andrey Baryshpolets. Fünf Verbände enthielten sich, ein Stimmzettel wurde für ungültig erklärt. Der französische Schachunternehmer Bachar Kouatly, bisher stellvertretender FIDE-Präsident, und Inalbek Sheripov, ein tschetschenischer Filmemacher mit Wohnsitz in Belgien, zogen ihre Kandidaturen vor der Abstimmung zurück.

          Herausforderer enttäuscht

          „Es war zu erwarten, aber es stimmt traurig, dass die Schachwelt einen Präsidenten mit so engen Verbindungen zum Kreml wie Dworkowitsch wiederwählt“, sagte der Däne Peter Heine Nielsen der F.A.Z. Er kandidierte zusammen mit Ba­ryshpolets als dessen Stellvertreter. Für Sport verantwortliche Minister und Staatssekretäre von 35 Nationen, darunter Deutschland, hatten kürzlich gefordert, Russen und Belarussen mit engen Beziehungen zu ihren Staatsführungen aus einflussreichen Positionen im Sport zu entfernen.

          Nicht einmal die Hälfte der Schachverbände dieser Länder hat laut Nielsen nun gegen Dworkowitsch gestimmt. Den Deutschen Schachbund nahm er ausdrücklich von seiner Kritik aus und dankte ihm für seine deutliche Unterstützung.

          Dworkowitsch gehörte von 2000 bis 2018 der russischen Regierung an, zuletzt sechs Jahre als stellvertretender Ministerpräsident. Während seiner Kampagne behauptete der 50 Jahre alte Funktionär, keine Verbindungen mehr zur russischen Regierung zu haben. Nur einmal habe er als FIDE-Präsident im Kreml angerufen, um drei Millionen Euro für die Ausrichtung des Weltcups 2021 in Sotschi loszueisen. Er habe zwar staatsnahe russische Firmen als Sponsoren eingebracht, aber zunehmend internationale Geldgeber für die FIDE gewonnen und ab Ende Februar alle Verträge mit russischen Sponsoren beendet.

          Gegen den Krieg

          Im März hatte er sich in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin „Mother Jones“ vom Krieg gegen die Ukraine distanziert. Kurz darauf trat er als Vorsitzender der Skolkowo-Stiftung zurück, die einen Technologiepark und eine Universität am Rande von Moskau betreibt. Am 3. August verhängten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen die Stiftung.

          Aus dem Aufsichtsrat der ebenfalls sanktionierten Russischen Landwirtschaftsbank ist er im vergangenen Jahr ausgeschieden. Die Ukraine fordert, Dworkowitsch in die Sanktionsliste aufzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert, schätzt er selbst auf „vielleicht ein Prozent“. Sollte er aber sanktioniert werden, hat er versprochen, die Präsidentschaft an seinen Stellvertreter zu übergeben.

          Das ist nicht mehr Kouatly, sondern seit Sonntag Vishy Anand. Der ehemalige Weltmeister spielte bei der kurzfristigen Verlegung der Schacholympiade aus Moskau in den indischen Badeort Mamallapuram eine Vermittlerrolle. Der 52 Jahre alte Inder sagt, er habe sich schon länger auf eine Rolle im Schachmanagement vorbereitet. Dworkowitschs Team habe in den letzten vier Jahren überzeugende Arbeit geleistet. Dazu will er vor allem in Indien und in der Nachwuchsförderung beitragen.

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