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Schach : Russischer Sieg im Heimspiel?

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Bei der Schach-Olympiade in Russland ist die deutsche Mannschaft ohne Chance Bild: dpa

Bei der Schach-Olympiade im russichen Chanty-Mansijsk sind die Gastgeber der Favorit. Allerdings will seit acht Jahren kein Titel mehr gelingen. Die Bestätigung vom Russen Kirsan Iljumschinow als Präsident des Weltschachverbands könnte neuen Auftrieb geben.

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          Der umstrittene Kirsan Iljumschinow bleibt für vier weitere Jahre Präsident des Weltschachverbandes (Fide). Bei der Wahl in der sibirischen Stadt Chanty-Mansijsk setzte sich der 48 Jahre alte Iljumschinow am Mittwoch gegen seinen russischen Landsmann und früheren Weltmeister Anatoli Karpow durch. Für Iljumschinow – Fide-Chef seit 1995 – hätten 95 Delegierte gestimmt, für den auch von Deutschland unterstützten Herausforderer Karpow hingegen nur 65, meldeten russische Agenturen. Als Präsident der südrussischen Teilrepublik Kalmükien muss Iljumschinow in wenigen Tagen auf Geheiß des Kreml abtreten.

          In Chanty-Mansijsk, einer durch Ölvorkommen reich gewordenen Stadt, die im Sport als Ausrichtungsort nordischer Skiwettbewerbe bekannt ist, geht es in diesen Tagen auch um den Titel bei der Schach-Olympiade. Acht Jahre ist es her, seit Russland – die Schachnation Nummer eins, damals noch unter Führung von Garri Kasparow – zuletzt eine Schacholympiade gewann. Nachdem danach die Ukraine und zweimal Armenien vorne waren, muss es im eigenen Land endlich wieder klappen.

          50.000 Dollar sind jedem russischen Spieler als Prämie für Platz eins versprochen. Einen schlechten Tag hatte Russlands erste Garde schon. Als ihr Spitzenmann Wladimir Kramnik pausierte, unterlagen sie Ungarn 1,5:2,5. Die Ukraine ist der nominell stärkste Mitbewerber und liegt nach acht von elf Runden an der Tabellenspitze. Das direkte Duell Russland – Ukraine endete am Mittwoch 2:2. Pikant: Voriges Jahr warben die Russen den starken 20 Jahre alten Nachwuchsmann Sergei Karjakin dem ukrainischen Verband ab, der seine Partie im Vergleich mit der Ukraine gewann.

          C-Auswahl für Deutschland

          Anders als vor zwei Jahren in Dresden, sind die deutschen Herren in Chanty-Mansijsk ohne Medaillenchance. Zwischen dem Deutschen Schachbund und seinen Spitzenspielern knirscht es nämlich gewaltig. Weil die Antrittshonorare seit mehr als zehn Jahren unverändert sind, versuchten die Profis, mit einem Ultimatum eine Anhebung zu erzwingen. Sie forderten insgesamt 20.000 Euro mehr, nicht nur für die eigene Tasche, sondern auch für Trainer.

          Der Schachbund unternahm indessen keine erkennbaren Anstrengungen, mehr Geld aufzutreiben oder sich auch nur mit den Spielern an einen Tisch zu setzen. Stattdessen wurde auf mangelnde Sponsoren verwiesen, und dass es die Satzung nicht erlaube, Spieler aus den Mitgliedsbeiträgen zu bezahlen. Arkadi Naiditsch, Georg Meier, Jan Gustafsson und Daniel Fridman sagten daraufhin ab. Für die Schach-Olympiade wurde eine C-Auswahl nominiert, die sich für ihre Verhältnisse zwar gut schlägt, für die aber schon Platz 30 ein Erfolg wäre. Naiditsch und Meier haben den Ehrenamtlichen Versagen vorgeworfen und auch Bundestrainer Uwe Bönsch kritisiert. Reagiert hat der Schachbund bisher nur mit Sanktionen gegen seine Kritiker. Die vier Spieler sind bis zu einer Aussprache nach der Schach-Olympiade aus dem Kader gestrichen.

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