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Schach : Russische Großmacht im Abseits

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Alles Grübeln bringt nichts: Die Russen um Wladimir Kramnik spielen schwach bei der Schach-Olympiade Bild: dpa

Die erfolgsverwöhnten Russen spielen bei der Schach-Olympiade anders als in früheren Jahren eine Nebenrolle. Das Team des ehemaligen Weltmeisters Wladimir Kramnik schwächelt trotz bester Unterstützung aus der Politik und guten Klimas im Team.

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          Bei früheren Schacholympiaden stand Russland des Öfteren zwei Runden vor Schluss praktisch als Sieger fest. In Dresden ist es nach neun von elf Spieltagen umgekehrt. Sechs Mannschaften haben mehr oder weniger realistische Chancen auf den Sieg. Russland aber, die von der Papierform führende Schachnation, ist nicht darunter. Mit Ausnahme von Dimitri Jakowenko spielt bisher das komplette Team unter seinen Möglichkeiten.

          Zwei wichtige Kämpfe haben die Russen verloren – und das nicht gegen irgendwen, sondern gegen die Ukraine, die ihnen 2004 in Calvia Gold abgeknöpft hatte, und gegen Armenien, den Sieger von Turin 2006. Mit zwei Siegen zum Abschluss ist zwar noch ein Platz unter den ersten drei möglich; das Gleiche gilt aber auch für Mannschaften wie Deutschland, das mit Russland am Sonntag den siebten Platz in der Zwischentabelle teilte.

          Krise trotz bester Unterstützung

          Dabei fehlt es dem früheren Weltmeister Wladimir Kramnik und seinen Mitstreitern keineswegs an Unterstützung. Präsident ihres Verbands ist der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Schukow. Nationalspieler werden höher honoriert als anderswo. Schachmigranten sind nach Russland zurückgekehrt oder tun es zumindest regelmäßig, wenn die prosperierende russische Liga spielt. Überhaupt finden nach einer Durststrecke in den 1990er Jahren wieder hochrangige Wettbewerbe in Russland statt – etwa in der sibirischen Minenstadt Chanti-Mansisk, wo die beiden nächsten Großereignisse, der Weltcup 2009 und die Schacholympiade 2010, ausgetragen werden.

          Auch die Tipps von Wolfsburgs Trainer und Schachfreund Felix Magath brachten nichts

          In Naltschik wurde die Damen-WM gespielt, in Sotschi das jüngste Grand-Prix-Turnier. Das nächste, im Dezember, ist gerade von Qatar nach Elista verlegt worden, wo der Präsident des Weltschachbunds Kirsan Iljumschinow zu Hause und selbst der Geldgeber ist. Zugleich aber gelingt es den Russen kaum noch, ihre Vorrangstellung sportlich zu beweisen.

          Zu gutes Klima im Team?

          Die Auswahlspieler verstehen sich gut miteinander – etwa zu gut? Bis 2002 führte Garri Kasparow das Team an. Er war herrisch und sparte nicht an Kritik gegenüber seinen Mitspielern, doch er riss sie durch sein Engagement und seine hervorragenden Ergebnisse mit. Kramnik dagegen hat kurz nach seiner Bonner WM-Niederlage bei fast allen Einsätzen remis gespielt und erst eine Partie gewonnen. Die aktuelle Krise der Russen ist aber vor allem ein Zeichen der gewachsenen Leistungsdichte.

          Andere Länder verfügen nicht mehr nur über einzelne Spitzenleute, sondern können durchgehend Großmeister beachtlicher Stärke einsetzen. So glänzt bei Israel, das in der neunten Runde durch ein 2,5:1,5 gegen Armenien die Spitze übernommen hat, nicht nur Boris Gelfand am ersten Brett, sondern auch Maxim Rodshtein am vierten. Bei Armenien, das dank des leichteren Restprogramms exzellente Chancen auf den Gesamtsieg behält, erzielte Gabriel Sargissjan nach neun Runden mit acht Punkten die höchste Ausbeute aller Teilnehmer der Olympiade.

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