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Schach : Litfaßsäule statt Weltrangliste

  • -Aktualisiert am

Augen zu und durch: Magnus Carlsen in Bilbao Bild: AFP

Magnus Carlsen verliert nicht nur den Schach-Grand-Slam, sondern auch die Führung in der Weltrangliste. auf anderen Feldern hat Carlsen mehr Erfolg - derzeit wirbt er für eine angesagte Jeansmarke. Das sieht in der Schachwelt nicht jeder gern.

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          Wäre das „Grand Slam Finale“ des Schachs in Bilbao nach zwei Runden abgebrochen worden, hätte sich am Ausgang wenig geändert. Wladimir Kramnik, der seine beiden ersten Partien gewonnen hatte, beendete den Wettbewerb am Freitagabend als Sieger. Viswanathan Anand genügte in seinem ersten ernsten Turnier, seit er im Mai den WM-Titel verteidigt hatte, eine einzige Gewinnpartie, um Zweiter zu werden und Magnus Carlsen von der Weltranglistenspitze zu verdrängen.

          Der mit zwei Niederlagen gestartete Norweger ist damit der große Verlierer. Schon bei der kurz zuvor ausgetragenen Schacholympiade hatte er drei Partien verloren. „Von einer Krise zu sprechen, wäre absurd“, befand Carlsen jedoch und verwies darauf, dass er vorher seit September 2009 alle seine Turniere gewonnen hatte. „Seine Niederlagen haben nichts zu bedeuten“, pflichtete Anand bei. „Jeder weiß, dass er eines Tages Weltmeister wird, und die Frage ist nur, wann es soweit ist.“

          Carlsen ist derzeit in deutschen Innenstädten auf Litfaßsäulen zu sehen, auf denen der 19 Jahre alte Norweger für eine niederländische Modemarke wirbt. „Ich hoffe, ihm ist klar, dass seine Schachkarriere leidet, wenn er sich nicht ausreichend vorbereitet“, mahnt deshalb Garri Kasparow, der ihn voriges Jahr gecoacht hatte. „Man muss hundertprozentig fokussiert sein, um gegen Spieler wie Kramnik und Anand zu gewinnen.“ Immerhin zeigte Carlsens Formkurve am Ende wieder nach oben. Mit einem Sieg über Alexei Schirow konnte er den letzten Platz an den Rigaer abtreten. Und gegen Anand rettete er aus kritischer Stellung ein Remis durch einen Gegenangriff, an dessen Erfolg er am Brett nach eigenen Angaben selbst nicht geglaubt hatte.

          Roter Teppich statt kariertes Brett: Carlsen (m.) mit Schauspielerin Liv Tyler bei der New York Fashion Week im September

          Vier Partien binnen sechs Monaten

          Überrascht von seinem ersten Platz wirkte Kramnik - nicht so sehr, weil ihm zuletzt in Dortmund und Schanghai schwere Patzer unterlaufen waren, sondern weil Bilbao für ihn das dritte Turnier ohne Pause war. „Ich konnte meine Erfahrung nutzen, um meine Kräfte richtig einzuteilen“, sagte der Russe. Darin besteht auch die Herausforderung in den kommenden Monaten. Anders als es der Name „Grand Slam Finale“ verheißt, klang in Bilbao die Schachsaison nicht aus. Nach einem ereignisarmen Sommer steht vielmehr eine Periode hochrangiger Turniere bevor. In Plowdiw in Bulgarien hat am Sonntag der Europacup begonnen. Der deutsche Meister OSG Baden-Baden hätte dort gern seine Spitzenkräfte Anand und Carlsen im Einsatz, doch die sind bereits auf dem Weg nach China, wo sie ab Mittwoch spielen.

          Im November trifft sich die Elite in Moskau, im Dezember in London, im Januar im niederländischen Wijk aan Zee und im Februar in Linares, Spanien. Dazu kommen gut besetzte Schaukämpfe wie das Blind- und Schnellschachevent in Nizza und die inoffizielle WM im Fünf-Minuten-Schach in Moskau. So sitzen sich Weltmeister Anand und sein möglicher Nachfolger Carlsen binnen vier Monaten in sechs Partien gegenüber.

          Die Gefahr des Überdrusses wird durch die ab April 2011 anstehenden Kandidatenwettkämpfe verstärkt. Wer sich als nächster Herausforderer durchsetzen und dann auch gegen Anand selbst bestehen will, kommt in nächster Zeit mit der Schere im Kopf ans Brett: Die meistversprechenden Ideen werden für den sportlich wertvollsten Moment gebraucht.

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